Othrysgebirge: Eine Wanderung durch märchenhafte Eichenwälder, entlang uralter Steinbrücken auf den Spuren der Götter

Auf den sanften Hügeln und steilen Klippen des Othrysgebirges in Griechenland verläuft eine der beeindruckenden Wanderstrecken Thessaliens. Diese Route führt durch dichte Eichenwälder, entlang alter Steinbrücken, vorbei an zwei beeindruckenden Klöstern und in die Spuren uralter Mythen.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou

Thessalien – Die rund 11,6 Kilometer lange Wanderung mit roten Markierungen beginnt am alten Kloster Kato Xenia (Παλαιά Ιερά Μονή Παναγίας Κάτω Ξενιάς, Μόνη Κοιμήσεως Θεοτόκου Ξενίας 371 00, https://maps.app.goo.gl/cwC4pjjFYGUr21mt8) und endet im abgelegenen Dorf Kokkoti, wobei sie nicht nur die natürliche Schönheit der Region zur Schau stellt, sondern auch tief in die bewegte Geschichte des Othrysgebirges eintaucht.

Foto: Hellas-Bote

Der Ausgangspunkt der Wanderung ist das Kloster Kato Xenia, ein spiritueller Ort, der tief in der Geschichte verwurzelt ist. Es liegt nahe der Stadt Almyros und ist weithin bekannt als Schutzpatronin für Reisende. Schon der Name „Xenia“ bedeutet auf Griechisch „Gastfreundschaft“ – ein passender Start für eine Wanderung, die mit der Natur und der Geschichte im Einklang steht.

Der Weg führt zunächst sanft ansteigend durch üppige Eichenwälder. Die friedliche Stille wird nur vom leisen Rascheln der Blätter und dem Zwitschern der Vögel unterbrochen, die in dieser unberührten Region einen Zufluchtsort gefunden haben. Selten begegnete man anderen Wanderern, was die Strecke zu einem wahren Geheimtipp für Naturliebhaber macht.

Foto: Hellas-Bote

Nach etwa 1,5 Stunden erreicht man das kleine Dorf Vrinena (Vrinena, Sourpi 371 00, https://maps.app.goo.gl/gGmFvroPgSApQx2X9). Von hier aus geht es weiter durch den dichten Eichenwald, der in dieser Region besonders prächtig gedeiht. Die Bäume erheben sich majestätisch und verleihen der Landschaft einen verwunschenen Charakter. Der Weg ist auch hier gut mit roten Markierungen gekennzeichnet, sodass Wanderer ohne größere Schwierigkeiten ihren Weg durch das Labyrinth der Natur finden.

Auf halbem Weg taucht plötzlich eine alte Steinbrücke auf, die wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit wirkt. Sie überspannt einen kleinen Bach (wenn denn nicht gerade Hochsommer ist), der sanft plätschernd unter ihr hindurchfließt. Diese Brücke, von der niemand mehr genau weiß, wann sie erbaut wurde, dient als stille Zeugin der Jahrhunderte, die an ihr vorübergezogen sind. Für die Wanderer ist sie ein faszinierender Punkt, um innezuhalten und die Verbindung zur Vergangenheit zu spüren.

Foto: Hellas-Bote

Der Weg führt nun weiter bergauf, und bald erreicht man das zweite Kloster auf dieser Strecke – das Kloster Ano Xenia (Holy Monastery of Ano Xenia, Ιερά Μονή Άνω Ξενιάς, Αλμυρός 371 00, https://maps.app.goo.gl/e3QDKDcbi9mpaosz9). Es liegt malerisch auf einem Hügel des Othrysgebirges und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegenden Wälder und Berge. Dieses Kloster, dessen Gründung auf das 10. Jahrhundert zurückgeht, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Es wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, darunter auch nach einem verheerenden Brand im Jahr 1942, der durch italienische Besatzungstruppen verursacht wurde.

Heute ist Ano Xenia an einem ruhigen und abgeschiedenen Ort, an dem man die spirituelle Atmosphäre aufsaugen kann. Trotz seiner Zerstörungen haben sich einige Fresken und Strukturen erhalten, die von dem Erdbeben im Jahr 1980 schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden, aber noch immer die Schönheit und Geschichte des Klosters widerspiegeln.

Von Ano Xenia aus setzt sich die Wanderung auf einem breiten Feldweg fort, der durch weitere Eichenwälder führt und schließlich zum kleinen Dorf Kokkoti hinabsteigt (Kokkoti, Almyros 371 00, https://maps.app.goo.gl/AYbZYe6afc7ThwTL8). Diese letzte Etappe der Wanderung bietet einen tiefen Einblick in die ländliche Seite Thessaliens, abseits der modernen Welt.

Kokkoti selbst ist ein abgeschiedenes, traditionelles Dorf, in dem die Zeit scheinbar stehengeblieben ist. Hier endet die Wanderung, doch der Zauber der Reise bleibt lange nach dem letzten Schritt in den Köpfen der Wanderer haften.

Foto: Hellas-Bote

Die Wanderung durch diese Region ist jedoch nicht nur eine Reise durch die Natur, sondern auch eine Reise durch die Geschichte und Mythen Griechenlands. Das Othrysgebirge, das sich auf einer Länge von 35 Kilometern erstreckt, war in der Antike ein bedeutender Ort der Mythologie. Hier, so erzählt man sich, lebt einst die Titanen, die mächtigen Vorfahren der olympischen Götter, und kämpften gegen Zeus und seine Anhänger. Kronos, der Anführer der Titanen, soll hier seinen Thron gehabt haben, und auch Hera, Poseidon und Demeter sollen in diesen Bergen das Licht der Welt erblickt haben.

Doch das Othrysgebirge ist nicht nur ein Ort der Mythen, sondern auch ein Zufluchtsort für zahlreiche bedrohte Tierarten, darunter majestätische Greifvögel, die über den Gipfeln kreisen. Das Gebirge gehört heute zum Natura-2000-Netzwerk, das den Schutz von gefährdeten Lebensräumen sicherstellt.

Die Wanderung vom Kloster Kato Xenia über Ano Xenia bis hin nach Kokkoti bietet eine perfekte Kombination aus Natur, Geschichte und Mythologie. Mit einer Gehzeit von etwa 4,5 Stunden, etwas über 500 Höhenmeter und einer Distanz von 11,6 Kilometern ist sie ideal für Wanderer, die auf der Suche nach einem besonderen Erlebnis sind. Die unberührte Natur, die spirituellen Klöster und die uralten Mythen machen diese Strecke zu einem unvergesslichen Abenteuer für die Seele und den Geist. Wer auf den Spuren der Götter wandern möchte, wird hier auf Schritt und Tritt von Geschichte und Legenden begleitet. (mv)

Foto: Hellas-Bote

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