Vier Tage lang war Köln erneut Treffpunkt der internationalen Kunstwelt. Mit der ART COLOGNE 2026 geht heute eine Kunstmesse zu Ende, die einmal mehr gezeigt hat, wie vielfältig, facettenreich und international die zeitgenössische Kunst ist.
Von HB-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Leo Dillikrath
Köln – Künstlerische Positionen aus zahlreichen Ländern, unterschiedliche kulturelle Einflüsse und eine beeindruckende Bandbreite an Ausdrucksformen machten die traditionsreiche Veranstaltung zu einem Ort der Begegnung. Dabei wurde deutlich: Kunst kennt weder geografische noch stilistische Grenzen. Sie verbindet unterschiedliche Traditionen, eröffnet neue Perspektiven und lässt Kulturen miteinander in einen Dialog treten.

Die 59. Ausgabe der ART COLOGNE brachte 165 Galerien und Kunsthändler aus dem In- und Ausland in den Hallen der Koelnmesse zusammen. Von etablierten Positionen der Moderne bis zu experimentellen Arbeiten junger Kunstschaffender reichte das Spektrum. Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen, Installationen und außergewöhnliche Objekte standen nebeneinander und zeigten, wie unterschiedlich Künstlerinnen und Künstler ihre Wahrnehmung der Gegenwart zum Ausdruck bringen. Dabei begegneten sich klassische Bildtraditionen und moderne Ausdrucksformen ebenso wie regionale Identitäten und internationale Einflüsse.
Was die diesjährige Messe besonders auszeichnete, war nicht allein die Vielfalt der vertretenen Länder, sondern auch die Unterschiedlichkeit ihrer künstlerischen Handschriften. Während manche Werke auf überlieferte Techniken und historische Bildwelten zurückgriffen, suchten andere bewusst den Bruch mit traditionellen Sehgewohnheiten. Abstraktion begegnete der Gegenständlichkeit, digitale Gestaltung der klassischen Grafik, handwerkliche Präzision dem freien Experiment.
Gerade in dieser Unterschiedlichkeit lag die besondere Stärke der internationalen Kunstbegegnung. Die ART COLOGNE ermöglichte es, kulturelle Eigenheiten wahrzunehmen, ohne sie voneinander zu trennen. Kunst wurde damit zu einer gemeinsamen Sprache, die auch dort Verständigung ermöglicht, wo Geschichte, Herkunft und gesellschaftliche Erfahrungen unterschiedlich geprägt sind.

Einen besonderen kulturellen Akzent setzte dabei auch die griechische Kunst. Denn der Kater Literaturverlag aus Viersen hatte als Gast Teile seiner deutsch-griechischen Reihe im Gepäck. Das Land, dessen Geschichte und Bildtraditionen die europäische Kunst über Jahrhunderte beeinflusst haben, besitzt auch in der zeitgenössischen Auseinandersetzung eine bemerkenswerte Ausdruckskraft. Zwischen antikem Erbe, mediterraner Lebenswelt und den Erfahrungen einer modernen Gesellschaft entstehen Bildsprachen, die Tradition nicht einfach bewahren, sondern immer wieder neu interpretieren.
Eine interessante Verbindung zwischen griechischer Herkunft, historischer Erinnerung und zeitgenössischer Gestaltung verkörpert die Kunstgruppe A. Demetrios. Gegründet wurde sie 1989 in Athen von Athanassios Demetrios, der 1946 in der griechischen Hauptstadt geboren wurde. Sein Leben und künstlerisches Schaffen sind eng mit der Geschichte seiner Heimat verbunden. Die Nachkriegswirren, die Griechenland erschütterten, prägten seine Wahrnehmung und hinterließen Spuren in seiner künstlerischen Arbeit. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen weltweit präsentiert. Sie zeugen von einer ausgeprägten künstlerischen Sensibilität und einem tiefen Respekt vor der Geschichte seines Landes.
1989 rief Demetrios eine Künstlergruppe ins Leben, die Menschen mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken und Stilrichtungen zusammenführt. Das gemeinsame Interesse gilt dabei nicht einer einheitlichen Handschrift, sondern gerade der Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten. Lithografien, Scherenschnitte, Bleistiftzeichnungen und Digitalkunst gehören ebenso zum Repertoire wie die freie Auseinandersetzung mit Form, Farbe und Raum.

Die Werke greifen immer wieder die Vergangenheit auf, ohne sich in ihr zu verlieren. Vielmehr entsteht eine Verbindung zur Gegenwart, in der historische Erfahrungen, kulturelle Erinnerungen und moderne Gestaltung miteinander verschmelzen. Das Anliegen der Gruppe ist es, durch Kunst eine Brücke zwischen Tradition und Moderne zu schlagen. Damit steht die Kunstgruppe auch beispielhaft für eine Entwicklung, die auf internationalen Kunstplattformen immer stärker sichtbar wird: Künstlerische Identität entsteht nicht allein aus der Herkunft, sondern auch aus der Fähigkeit, diese Herkunft neu zu betrachten und in eine zeitgenössische Bildsprache zu übersetzen.
Wie sich dieser Gedanke in einem konkreten Kunstprojekt verwirklichen lässt, zeigt die aktuelle Neuerscheinung des Kater Literaturverlags. Mit dem Kunstbuch „Artverschoben – Die Geometrie der Erinnerung“ widmet sich die Kunstgruppe A. Demetrios einer ungewöhnlichen Begegnung zwischen griechischer Bildwelt und der Formensprache des Kubismus. Was geschieht, wenn vertraute Bilder ihre gewohnte Ordnung verlieren? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt des Buches. Griechenland, mit seinen unverwechselbaren Landschaften und kulturellen Symbolen, wird aus einer neuen Perspektive betrachtet. Weiße Häuser, das tiefblaue Meer, Olivenbäume, Amphoren und charakteristische Formen des griechischen Lebens werden in geometrische Flächen zerlegt, neu zusammengesetzt und aus unterschiedlichen Blickwinkeln interpretiert. Die Kunstgruppe A. Demetrios löst dabei vertraute Motive aus ihrer gewohnten Bildordnung. Die Landschaft bleibt erkennbar, erscheint jedoch zugleich verfremdet und neu strukturiert. Geometrische Formen bestimmen die Komposition, Perspektiven verschieben sich, Farben und Flächen erhalten eine eigene Bedeutung.

So entsteht ein spannender Dialog zwischen der griechischen Tradition und einer der bedeutendsten künstlerischen Bewegungen der Moderne. Der Kubismus wird dabei nicht lediglich als Stilmittel eingesetzt, sondern eröffnet einen neuen Zugang zu einer Kultur, deren Bildsprache seit Jahrhunderten von charakteristischen Formen, Farben und Symbolen geprägt ist. Die Neuerscheinung des Kater Literaturverlags macht zugleich deutlich, dass sich künstlerische Vielfalt nicht auf die klassischen Präsentationsformen einer Kunstmesse beschränkt. Auch Kunstbücher eröffnen einen eigenständigen Raum für kreative Auseinandersetzung.
Der Blick auf die ART COLOGNE 2026 zeigte, wie unterschiedlich die Wege sein können, auf denen Kunst entsteht. Internationale Galerien brachten Werke und Positionen aus verschiedenen Ländern nach Köln. Neben europäischen Kunsttraditionen begegneten Besucherinnen und Besuchern auch Einflüsse aus Amerika, Asien und weiteren Regionen. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe spiegelten sich in den verwendeten Materialien, den Motiven und den künstlerischen Fragestellungen wider.
Besonders spannend waren jene Arbeiten, die sich nicht eindeutig einer Stilrichtung zuordnen ließen. Sie verbanden unterschiedliche Medien, griffen historische Bildwelten auf oder hinterfragten vertraute Sehgewohnheiten. Die Grenzen zwischen Malerei, Grafik, Skulptur und digitaler Gestaltung erwiesen sich dabei als zunehmend durchlässig.
Auch die Förderung junger Künstlerinnen und Künstler gehörte zu den wichtigen Anliegen der Messe. Das Programm NEW POSITIONS bot 18 Kunstschaffenden die Möglichkeit, ihre Arbeiten in eigenen Präsentationsbereichen einem internationalen Publikum vorzustellen. Die Bandbreite reichte von Malerei und Zeichnung bis zu Skulptur und raumbezogenen Installationen. Damit wurde deutlich, dass die Zukunft der Kunst ebenso vielfältig ist wie ihre Gegenwart.

Mit dem heutigen Messeschluss endet eine weitere Ausgabe der ART COLOGNE, die vor allem durch ihre internationale Ausrichtung und die Vielfalt ihrer künstlerischen Positionen geprägt war. Die Messe war weit mehr als eine Plattform für den internationalen Kunsthandel. Sie bot Raum für Begegnungen, neue Perspektiven und den Austausch zwischen unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen. Die Vielfalt der Kunst entsteht nicht dadurch, dass alle dieselbe Sprache sprechen oder denselben Stil verfolgen. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Erfahrungen, Kulturen und Perspektiven aufeinandertreffen und einander bereichern.
Mit diesem Gedanken verabschiedet sich die ART COLOGNE 2026 aus Köln. Der Blick richtet sich bereits auf das kommende Jahr, wenn die Messe ihr 60-jähriges Bestehen feiern wird. Die diesjährige Ausgabe hat dafür noch einmal gezeigt, wie wichtig internationale Begegnungen für die Kunst und ihren gesellschaftlichen Stellenwert sind. Und manchmal genügt ein veränderter Blick auf das Vertraute, um etwas völlig Neues zu entdecken. (cs)




