Zwei Wege ins regulierte Netz: Griechenland und Deutschland

Ein Spieler in Thessaloniki sieht im Juli 2026 zum ersten Mal eine neue Abzugszeile auf seiner Auszahlung.

In derselben Woche liest eine Spielerin in Hamburg, dass die Behörde, die ihr Konto überwacht, gerade ihren Tätigkeitsbericht veröffentlicht hat. Beide Märkte wurden 2021 neu geordnet, und fünf Jahre später zeigt sich, wie unterschiedlich zwei EU-Staaten dieselbe Aufgabe lösen.

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Athen 2021: Lizenzen statt Grauzone

Griechenland hat sein Online-Glücksspiel lange über Übergangsregeln laufen lassen. 2021 zog die Regierung einen Schlussstrich und führte ein Lizenzsystem ein, das die Glücksspielkommission HGC verwaltet. Fünfzehn dauerhafte Lizenzen gingen zunächst an private Anbieter, inzwischen sind es achtzehn. Aus dem einst grauen Markt ist ein Milliardengeschäft geworden: 2025 lag der Bruttospielertrag des regulierten Onlinemarkts bei rund 1,2 Milliarden Euro.

Die Regeln sind streng, aber auf griechische Art. Spielen darf erst, wer 21 ist. Eine zentrale Sperrdatei für alle Anbieter gibt es nicht, die Selbstsperre läuft über den einzelnen Betreiber oder die Kommission. Und der Staat greift direkt beim Gewinn zu: Bis 100 Euro bleibt ein Gewinn steuerfrei, darüber wurden bisher 15 Prozent fällig, ab 500 Euro 20 Prozent, einbehalten vom Anbieter, noch bevor das Geld auf dem Konto landet.

Berlin 2021: eine Behörde für sechzehn Länder

Deutschland ging denselben Schritt im selben Jahr, aber mit einem anderen Bauplan. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 erlaubte private Online-Angebote bundesweit und schuf mit der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder in Halle eine Aufsicht für alle sechzehn Bundesländer. Wer dort auf der sogenannten Whitelist steht, darf anbieten; wer nicht, ist illegal. Dazu kommen Regeln, die es so in Griechenland nicht gibt: ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro im Monat, das für alle Anbieter zusammen gilt, ein Höchsteinsatz von einem Euro pro Runde am virtuellen Automaten und die bundesweite Sperrdatei OASIS, die einen Spieler bei allen Anbietern gleichzeitig ausschließt.

Für die Spieler übersetzt sich das in sehr konkrete Fragen: Wie lange dauert eine Auszahlung wirklich, wie hoch ist die Auszahlungsquote der Spiele, wie streng werden die Limits umgesetzt? Wer sich das Anbieterfeld anschauen will, findet ein Vergleich der in Deutschland lizenzierten Online Casinos, der 31 Anbieter nach fünf Kriterien bewertet und dafür jeden Anbieter selbst durchspielt, von der Kontoeröffnung bis zur echten Auszahlung. Auffällig im Vergleich zu Griechenland: Die Auszahlungsdauer liegt bei den getesteten Anbietern zwischen einem und vier Tagen, und die Auszahlungsquoten der Spiele bewegen sich um die 96 Prozent.

Steuern: in Athen zahlt der Spieler, in Berlin der Anbieter

Der größte Unterschied liegt im Geld. Deutschland besteuert nicht den Gewinn, sondern den Einsatz: 5,3 Prozent auf jede Runde am virtuellen Automaten, abgeführt vom Anbieter. Der Spieler bekommt seinen Gewinn ungekürzt. Griechenland macht es umgekehrt, und seit dem 1. Juli 2026 deutlich härter. Für Gewinne zwischen 100 und 500 Euro stieg der Satz von 15 auf 20 Prozent, für alles darüber von 20 auf 30 Prozent. Athen rechnet allein im zweiten Halbjahr mit 50 Millionen Euro Mehreinnahmen und hat den Schritt ohne Abstimmung mit der Branche beschlossen.

Ob die Rechnung aufgeht, ist offen. Eine Untersuchung der Universität Peloponnes kam zu dem Ergebnis, dass drei von vier griechischen Onlinespielern einen Wechsel zu unlizenzierten Plattformen in Erwägung ziehen, die weder Steuern abführen noch Spielerschutz kennen. Deutschland kennt dieselbe Sorge, misst sie aber anders: Laut dem am 3. Juli 2026 veröffentlichten Tätigkeitsbericht der Glücksspielbehörde entfielen 2024 rund 77 Prozent des Onlinemarkts auf erlaubte Angebote, 23 Prozent auf den Schwarzmarkt.

Jugendschutz: Athen geht voran

Bei den Jüngsten ist Griechenland das strengere Land. Das Mindestalter von 21 Jahren liegt drei Jahre über dem deutschen, und im Herbst 2025 hat Athen als erstes EU-Land Minderjährigen unter 16 den Zugang zu sozialen Netzwerken untersagt, kontrolliert über die staatliche App „Kids Wallet“. Der Hellas Bote hat die Maßnahme damals unter dem Titel „Digitale Kindheit auf Pause“ beschrieben. Dieselbe Logik, den Zugang statt des Nutzers zu kontrollieren, steckt auch in der Altersgrenze fürs Glücksspiel.

Deutschland setzt beim Erwachsenen an. Ab 18 darf gespielt werden, dafür greifen die Limits und die Sperrdatei bei jedem, der ein Konto eröffnet. Wer merkt, dass ihm das Spiel entgleitet, kann sich über OASIS bei allen Anbietern zugleich sperren lassen, und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung berät kostenlos unter 0800 1 372 700. Verantwortungsvolles Spielen heißt in beiden Ländern dasselbe: ein Budget festlegen, bevor die erste Runde läuft, und Verluste nicht zurückholen wollen.

Was 2027 bringt

Beide Systeme stehen vor einem Prüfjahr. In Griechenland eröffnet 2027 am Hellinikon, dem alten Athener Flughafen, das Hard Rock Hotel & Casino mit 200 Tischen und 2.000 Automaten, und die Branche wartet auf die erste Bilanz der neuen Gewinnsteuer. Österreich hat im Juni 2026 beschlossen, sein Monopol nach griechischem Vorbild durch ein Mehrlizenzsystem zu ersetzen, die ersten Konzessionen sollen ab Oktober 2027 vergeben werden. In Deutschland läuft die gesetzlich vorgesehene Evaluierung des Staatsvertrags, und 2027 beginnt der neue Erlaubniszyklus für alle Anbieter.

Dass Regulierung inzwischen ein Standortthema ist, war in diesem September auch auf der 90. Internationalen Messe in Thessaloniki zu spüren, wo die Digitalwirtschaft neben Japan als Partnerland im Mittelpunkt stand; der Hellas Bote berichtete vom Gelände in „Thessaloniki im Takt der Zukunft“.

Eine Frage beantwortet keines der beiden Modelle bisher: wohin der Teil des Spiels wandert, den weder die HGC noch die Behörde in Halle sieht. Athen versucht es mit höheren Steuern, Berlin mit Limits und Sperren. Welche Antwort die bessere ist, wird sich an den Zahlen von 2027 ablesen lassen, nicht an den Gesetzestexten von 2021. (opm)