Gerettete Visionen: Die Kostakis-Sammlung und ihre verborgenen Geschichten

Mit dem fünften und letzten Teil der Reihe „Die Welt der Innovation“ setzen #YPPO und das MOMUS – Museum of Modern Art einen eindrucksvollen Schlusspunkt. Unter dem Titel „Die Kostakis-Sammlung: Versteckte Geschichten“ richtet sich der Blick nicht nur auf die Kunstwerke selbst, sondern vor allem auf die außergewöhnliche Geschichte ihres Retters.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou

Kunst & Kultur – Die Sammlung von George Kostakis gilt international als eine der bedeutendsten Zusammenstellungen russischer Avantgarde-Kunst aus der Zeit zwischen 1900 und 1930. Ihr unschätzbarer Wert liegt jedoch nicht allein in den Werken, sondern auch in den Umständen ihres Entstehens: Viele dieser Kunstwerke waren über Jahrzehnte hinweg verboten, vergessen oder bewusst verdrängt worden – und wurden nur durch Kostakis’ Leidenschaft und Mut bewahrt.

1946 kam es zu einem Schlüsselmoment: Als Kostakis erstmals Werke der Avantgarde sah, beschrieb er dieses Erlebnis als die Entdeckung einer „neuen, hellen Welt“. Fasziniert von dieser künstlerischen Kraft entschied er sich, sein Leben ganz dem Sammeln dieser Werke zu widmen – trotz Unverständnis, Spott und Widerständen in seinem Umfeld.

Seine Suche nach den verschollenen Arbeiten entwickelte sich dabei oft zu einem Abenteuer. Mit großem persönlichem Einsatz spürte er Werke auf, die längst verloren schienen. Eine der eindrucksvollsten Geschichten erzählt von der Suche nach Arbeiten von Ljuba Popowa, die ihn sogar in entlegene Lager führte. Ohne diesen Einsatz wären zahlreiche bedeutende Werke der Kunstgeschichte unwiederbringlich verloren gegangen.

Doch die Kostakis-Sammlung ist weit mehr als eine Ansammlung herausragender Kunstwerke. Sie eröffnet auch einen tiefen Einblick in die Lebensgeschichten der Künstler selbst – geprägt von politischen Umbrüchen, Verfolgung und erzwungenen künstlerischen Neuanfängen. So veranschaulicht sie etwa die schwierigen Lebenswege vieler Avantgarde-Künstler in der Sowjetunion und ihre Anpassung an neue ideologische Vorgaben.

Zugleich zeigt die Sammlung die internationale Ausstrahlung dieser Bewegung. Künstlerinnen wie Warwara Bubnowa trugen die Ideen der russischen Avantgarde weit über die Landesgrenzen hinaus und prägten Kunstentwicklungen in anderen Teilen der Welt, etwa in Japan.

So wird die Kostakis-Sammlung zu einem einzigartigen Erinnerungsarchiv – einer lebendigen Chronik des sogenannten „russischen Pioniers“. Sie erzählt von einer Epoche künstlerischer Radikalität, von kultureller Vielfalt und vom Zusammentreffen unterschiedlichster Einflüsse in den Metropolen des Russischen Reiches und der frühen Sowjetunion.

Das abschließende, 5. Video der Reihe macht deutlich: Hinter jedem Kunstwerk verbirgt sich eine Geschichte – und manchmal braucht es nur einen einzigen Menschen, um sie für die Zukunft zu bewahren. (mv)