Mit dem dritten Teil der Reihe „Die Welt der Innovation“ setzen #YPPO und das MOMUS – Museum of Modern Art ihre eindrucksvolle Reise durch die Kostakis-Sammlung fort. Unter dem Titel „Vom Wort zum öffentlichen Bild“ rückt eine der spannendsten künstlerischen Entwicklungen des frühen 20. Jahrhunderts in den Fokus: der russische Kubofuturismus.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Kunst & Kultur – Diese avantgardistische Strömung entstand aus einer einzigartigen Verbindung internationaler Einflüsse. Elemente des französischen Kubismus trafen auf die Dynamik des italienischen Futurismus – doch erst durch die enge Zusammenarbeit von Malern und Dichtern entwickelte sich eine eigenständige, unverwechselbare Ausdrucksform.
Künstlerinnen und Künstler wie Ljuba Popowa, Olga Rosanowa und Iwan Kljun arbeiteten eng mit bedeutenden Dichtern wie Wladimir Majakowski und Alexei Krutschonych zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: die traditionellen Grenzen zwischen den Kunstformen aufzubrechen und neue Wege des Ausdrucks zu erschließen.
Das Ergebnis war eine radikale Verschmelzung von Poesie und Malerei. Besonders sichtbar wurde dies in den sogenannten Künstlerbüchern („livres d’artiste“), die mit experimenteller Typografie, handgefertigten Illustrationen und innovativen Gestaltungskonzepten neue Maßstäbe setzten. Worte wurden zu Bildern, Bilder zu Sprache – ein künstlerisches Zusammenspiel, das die Wahrnehmung nachhaltig veränderte.
Doch der Kubofuturismus beschränkte sich nicht auf das gedruckte Werk. Durch Manifeste, Ausstellungen und avantgardistische Theateraufführungen inszenierten die Futuristen Kunst als lebendigen, gesellschaftlichen Prozess. Sie verstanden sie als provokanten Akt, der bestehende Konventionen infrage stellt und neue Denk- und Wahrnehmungsräume eröffnet.
Eine besondere Rolle spielte dabei auch die literarische Gruppe OBERIU, zu deren prägenden Figuren Daniil Charms zählte. Ihre experimentellen Texte und Performances markierten gewissermaßen den letzten Höhepunkt freier künstlerischer Entfaltung in dieser Epoche – bevor die Einführung des sozialistischen Realismus dieser kreativen Vielfalt ein abruptes Ende setzte. Das dritte Video der Reihe zeigt eindrucksvoll, wie eng Kunst und gesellschaftlicher Wandel miteinander verbunden sind. (mv)




