Giorgos Gounaropoulos: Griechenlands Traumgestalter auf Leinwand

Manchmal öffnet sich eine Tür in der Kunstgeschichte nicht leise, sondern mit dem mutigen Schritt eines Einzelnen, der die Regeln hinter sich lässt.
Von HB-Redakteurin Ebru Ataman

Kunst & Kultur – So war es bei Giorgos Gounaropoulos, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Gounaro“, der am 22. März 1890 in der Schwarzmeerstadt Sosopol geboren wurde, damals Teil des Osmanischen Reichs, heute Bulgarien. Schon früh zog es ihn nach Athen, wo er zunächst das Handwerk des Dekorateurs erlernte, doch sein Herz schlug bald ausschließlich für die Malerei.

Bereits während seiner Studienzeit in Athen zeichnete sich sein Talent ab: impressionistische Werke, die Preise gewannen und die Aufmerksamkeit der lokalen Kunstszene auf sich zogen. 1919 führte ein Stipendium Gounaropoulos nach Paris, an die berühmte Académie de la Grande Chaumière. Dort entfernte er sich allmählich vom Impressionismus und entwickelte einen unverwechselbaren Stil, der sich keiner gängigen Strömung zuordnen ließ. Seine Werke fanden schnell Bewunderer in Frankreich, und Gounaropoulos nahm an sämtlichen offiziellen Akademieausstellungen teil, wo sein unverwechselbarer Zugang zur Malerei für Aufsehen sorgte.

1931 kehrte er nach Griechenland zurück, wo er fortan das künstlerische Leben des Landes prägte. Seine Bilder wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, sowohl national als auch international. Die Reaktionen waren geteilt: Viele bewunderten die Originalität seiner Werke, andere kritisierten, dass er die klassischen Regeln der Malerei zu missachten schien. Doch Gounaropoulos ließ sich nicht beirren: Für ihn stand die Befreiung des Menschen durch die Kunst im Vordergrund, nicht das Thema selbst.

Besonders eindrucksvoll ist sein monumentales Wandbild von 1939 im Rathaus von Athen. Auf 113 Quadratmetern entfaltet der Künstler Szenen aus der Geschichte der Stadt – ein beeindruckendes Zeugnis seiner Fähigkeit, Geschichte, Fantasie und Form zu verbinden. Zwei Jahre vor seinem Tod, am 17. August 1977 in Athen, schenkte er der Nationalgalerie Griechenlands 15 Werke, die exemplarisch seine sechzigjährige Schaffensperiode dokumentieren.

Wer heute das Athener Stadtviertel Zographou besucht, kann Gounaropoulos’ Wohnhaus besichtigen, das als Museum erhalten ist. Neben persönlichen Gegenständen zeigt es Meisterwerke wie sein Selbstbildnis oder die „Gestalt auf Felsen“. Auf Rhodos im Museum für moderne griechische Kunst sind Werke wie „Portrait von Kybele“, „Archaische Figuren“ und „Synthesis“ ausgestellt. International befinden sich seine Bilder in Museen und Privatsammlungen, ein Zeugnis seiner bleibenden Bedeutung.

Der Einfluss Gounaropoulos lebt auch im kulturellen Leben Athens weiter: Der Verein „G. Gounaro“ fördert Ausstellungen griechischer und internationaler Künstler, organisiert Vorlesungen und andere kulturelle Veranstaltungen und hält den Geist des Künstlers lebendig. „Zweck meiner Malerei ist die Befreiung des Menschen durch die Malerei selbst, und nicht durch die Themen“, sagte Gounaropoulos einst – und genau das spiegelt sich in jedem Pinselstrich seiner Werke wider, die Griechenland einen unverwechselbaren Platz auf der Landkarte der modernen Kunst sicherten. (ea)

Foto: Albrecht Fietz/Pixabay