Die heilige Biene in der Krise: Griechenland begeht den Weltbienentag

In Griechenland, wo Mythos und Natur seit jeher eng verwoben sind, wird der heutige Weltbienentag mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Besorgnis begangen.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou

Aktuell – Die Biene, einst ein heiliges Wesen in der Vorstellungswelt der Antike, ist heute zum Symbol einer ökologischen Schieflage geworden. Zwischen archaischer Verehrung und moderner Gefährdung steht sie im Zentrum eines Wandels, der nicht nur die Tierwelt betrifft, sondern tief in die griechische Landwirtschaft und Kultur eingreift.

In alten Überlieferungen galt die Biene als göttliches Geschöpf. Die sogenannten Melissae – Priesterinnen der Göttin Demeter und später der Artemis – trugen ihren Namen nicht zufällig: „Melissa“ bedeutet Biene. Sie galten als Hüterinnen des Wissens, als Mittlerinnen zwischen Natur und Göttlichem. In der kretischen Mythologie war es zudem die Biene Amaltheia, die Zeus in seiner Kindheit mit Honig versorgte, während er im Verborgenen vor seinem Vater Kronos aufwuchs. Diese alten Erzählungen spiegeln eine tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Biene wider, die sich bis in die heutige Zeit erhalten hat – zumindest in der Erinnerung.

In der Gegenwart jedoch steht die Biene unter massivem Druck. In zahlreichen Regionen Griechenlands melden Imker alarmierende Rückgänge der Bienenvölker. Die Ursachen sind vielfältig: Monokulturen und chemische Pestizide entziehen den Bienen die Nahrungsgrundlage, Parasiten wie die Varroamilbe schwächen ihre Gesundheit, und durch den Klimawandel verändern sich Blühzeiten und Temperaturen auf eine Weise, die den natürlichen Zyklus stört. Besonders betroffen sind Gebiete mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, aber auch in traditionell bewirtschafteten Regionen zeigt sich ein Rückgang.

Die Folgen sind weitreichend. Die Biene ist für die Bestäubung eines Großteils der Kultur- und Wildpflanzen verantwortlich. Ohne sie würde nicht nur die Obst- und Gemüseproduktion ins Stocken geraten, auch ganze Ökosysteme wären gefährdet. Griechenland mit seiner reichen Flora – von wilden Thymianhängen bis zu Orangenplantagen – ist in besonderem Maß auf die Tätigkeit der Bienen angewiesen. Der berühmte griechische Honig, ein Exportschlager, ist nur ein sichtbarer Teil dessen, was die Biene leistet. Ihr stilles Wirken sichert Vielfalt, Ernährung und das natürliche Gleichgewicht.

In Schulen, Gemeinden und Landwirtschaftskooperativen wird anlässlich des Weltbienentags diskutiert, informiert und geworben – für mehr Schutzräume, weniger Chemie und eine Rückbesinnung auf alte Methoden im Einklang mit der Natur. In der Summe der Initiativen zeigt sich, dass das Bewusstsein für die Rolle der Biene wächst. Doch die Bedrohung bleibt akut – auch im Land der Götter, wo die Biene einst als heilige Botin des Lebens galt. (mv)

Foto: Hermann Kollinger/Pixabay