Im pulsierenden Zentrum Athens, eingebettet zwischen den antiken Relikten der Römischen Agora und unweit des berühmten Turms der Winde, erhebt sich ein Bauwerk, das die vielschichtige Geschichte der Stadt eindrucksvoll widerspiegelt: die Fethije-Moschee.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Geschichte/Reisen – Ihr Name, abgeleitet vom türkischen „Fethiye Camii“, bedeutet „Moschee der Eroberung“ und erinnert an die osmanische Eroberung Athens im 15. Jahrhundert. Die Ursprünge dieses bemerkenswerten Gebäudes reichen bis in die Jahre 1456 bis 1458 zurück. Nach der Einnahme Athen durch die Osmanen wurde an der Stelle einer mittelbyzantinischen Basilika aus dem 8. oder 9. Jahrhundert eine Moschee errichtet. Dieser Neubau fiel zeitlich mit dem Besuch Sultan Mehmeds II., bekannt als „der Eroberer“, im Jahr 1458 zusammen, was die symbolische Bedeutung des Gotteshauses unterstreicht. Von dieser ersten Moschee ist heute lediglich ein Fragment des Mihrabs erhalten geblieben.
Zwischen 1668 und 1670 erfuhr die Moschee einen umfassenden Neubau, der ihr heutiges Erscheinungsbild prägt. Der zentrale Gebetsraum wird von einer imposanten Kuppel überspannt, die auf vier Säulen ruht. An den Seiten schließen sich Halbkuppeln an, während die Ecken kleinerer Kuppeln akzentuiert werden. Eine vorgelagerte Arkade mit fünf Bögen, die jeweils von kleinen Kuppeln gekrönt sind, verleiht dem Bauwerk eine harmonische Symmetrie und zeugt von der meisterhaften Baukunst jener Epoche.
Während der osmanischen Herrschaft war die Fethije-Moschee als „Weizenmarktmoschee“ bekannt, was auf ihre zentrale Lage im Handelsgeschehen der Stadt hindeutet. Doch die Geschichte des Gebäudes ist geprägt von Wandel und Anpassung: Nach der kurzzeitigen Besetzung Athens durch venezi Truppenanische im Moreakrieg (1687–1688) wurde die Moschee in eine römisch-katholische Kirche umgewandelt und dem heiligen Dionysius Areopagita gewidmet.
Mit dem Ausbruch der Griechischen Revolution und dem anschließenden Unabhängigkeitskampf veränderte sich die Nutzung des Bauwerks erneut. Die Filomousos Eteria, eine Gesellschaft zur Förderung der Bildung, nutzte die stillgelegte Moschee als Schule. In den folgenden Jahrzehnten dienten sie nacheinander als Kaserne, Militärgefängnis und schließlich als Militärbäckerei, wobei bauliche Anpassungen vorgenommen wurden, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden.
Im frühen 20. Jahrhundert fand die Fethije-Moschee eine neue Bestimmung als Lagerstätte für archäologische Funde aus den Ausgrabungen der Agora und der Akropolis. Erst 1935 wurden im Zuge von Restaurierungsmaßnahmen spätere Anbauten entfernt, um dem Gebäude seine ursprüngliche Gestalt zurückzugeben. Ein bedeutender Wendepunkt in der jüngeren Geschichte der Moschee war die Entscheidung des griechischen Kulturministeriums im Jahr 2010, das Bauwerk umfassend zu restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach sorgfältigen Restaurierungsarbeiten, die sowohl die strukturelle Integrität als auch die ästhetische Praxis des Gebäudes wiederherstellten, öffnete die Fethije-Moschee 2017 ihre Türen für Besucher und diente seitdem als beeindruckender Schauplatz für kulturelle Ausstellungen. (jk)





