Gefesselte Schatten: Die verborgene Welt der Sklaverei im antiken Griechenland

Im antiken Griechenland, der Wiege der Demokratie und Philosophie, war die Sklaverei ein allgegenwärtiges und fest verankertes Element von Wirtschaft und Gesellschaft. Sklaven galten als unverzichtbar für das Funktionieren der griechischen Stadtstaaten und wurden als selbstverständlich und natürlich betrachtet.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou

Geschichte – Die Ursprünge der Sklaverei in Griechenland lassen sich bis in die mykenische Zeit zurückverfolgen, wie Aufzeichnungen in der Linearschrift B belegen. In den homerischen Epen werden Sklaven ebenfalls erwähnt, was auf ihre frühe Präsenz in der griechischen Gesellschaft hinweist. Mit der Expansion der griechischen Welt nahm auch der Sklavenhandel zu. Die Griechen versklavten Kriegsgefangene und kauften Opfer von Piraten sowie fremden Sklavenhändlern. Nicht nur Fremde, sondern auch frei geborene Griechen konnten jederzeit in die Sklaverei geraten.

Sklaven waren grundsätzlich rechtlos und wurden in allen rechtlichen Belangen von ihrem Herrn vertreten. Rechtlich geschützt waren sie in erster Linie als Sache: Wer einen Sklaven verletzte, riskierte eine Schadenersatzklage des Eigentümers. Anders als im römischen Recht durfte ein Sklavenhalter einen Sklaven nicht willkürlich töten. Nach Isokrates durfte nicht einmal der wertloseste Sklave ohne Prozess hingerichtet werden. Drakons Gesetz bestrafte offenbar auch den Mörder eines Sklaven mit dem Tod.

Die Lebensbedingungen der Sklaven variierten stark je nach ihrer Verwendung. Das Leben der Minensklaven von Laurion und der Bordellprostituierten (pornai) war besonders hart. Sklaven des Staates lebten dagegen recht selbstständig, ebenso wie Handwerker, Gewerbetreibende und Geldleiher unter den Sklaven: Oft konnten diese alleine leben und ihren Beruf selbstständig ausüben, solange sie ihrem Herrn eine Abgabe entrichteten. Manchmal konnten sie genügend Geld ansparen, um sich freizukaufen. Im Urteil der antiken Autoren lebten die attischen Sklaven „besonders glücklich“.

Die Anzahl der Sklaven im antiken Griechenland ist schwierig zu schätzen, da es keine genauen Volkszählungen gab und sich der Anteil der Sklaven an der Bevölkerung mit der Zeit stark änderte. Sicher ist, dass in Athen insgesamt am meisten Sklaven gehalten wurden. Ihre Anzahl dort wird auf bis zu 80.000 im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. geschätzt, also durchschnittlich drei bis vier pro Haushalt. Im 5. Jahrhundert v. Chr. erwähnt Thukydides die Flucht von 20.000 Sklaven, hauptsächlich Handwerkern, im Rahmen des Kriegs um Dekeleia.

Die griechischen Philosophen rechtfertigten die Sklaverei meist mit der natürlichen Überlegenheit der Herren und konnten sich eine Gesellschaft ohne Sklaven in der Regel nicht vorstellen. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Erforschung der griechischen Sklaverei vom Disput um den Marxismus geprägt, nachdem Marx die „Sklavenhaltergesellschaft“ als den Schauplatz des ersten Klassenkampfs beschrieben hatte. Der Historiker Eduard Meyer erklärte die Sklaverei als notwendige Nebenerscheinung des politischen und wirtschaftlichen Aufschwungs Griechenlands, wofür er später stark kritisiert wurde. (sd)

Grabritual-Loutrophoros, 380–370 v. Chr. Der bärtige Sklave rechts trägt den Helm und Schild seines Herrn – Foto: CC BY 2.5, wikimedia.org

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