In flammendem Rot über das Wasser – Die Frühe Heidelibelle

Eine Entdeckungsreise zur einzigartigen Libellenart Sympetrum fonscolombii, ihrer Lebensweise, Besonderheiten und Verbreitung – von den sonnendurchfluteten Gewässern Griechenlands bis zu den nördlichen Breiten Europas.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris

Natur & Umwelt – Libellen gelten seit Jahrhunderten als Symbol für Leichtigkeit und Anmut. Zu den auffälligsten Vertretern zählt die Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii), die mit ihrem leuchtend roten Körper und kunstvollen Flugmanövern nicht nur das Auge, sondern auch das Interesse von Naturbeobachtern und Wissenschaftlern auf sich zieht. Besonders in den wärmeren Regionen des Mittelmeerraums, wie Griechenland, findet diese wärmeliebende Libellenart optimale Lebensbedingungen. Sie bevorzugen dort eine erstaunliche Vielfalt an Biotopen – von sumpfigen Gärten bis zu schnell ausgetrockneten Teichen. Doch was macht diese Libellenart so einzigartig? Welche Merkmale zeichnen sie aus, und wie hat sie es geschafft, sich im Laufe der Zeit auch nördlichere Lebensräume zu erschließen?

Foto: Marc Pascual/Pixabay

Die Frühe Heidelibelle ist nicht nur für die Wissenschaft von besonderem Interesse, sondern auch für Naturfreunde, die ihre kontrastreichen Farben schätzen. Die Männchen dieser Art sind durch ihren intensiv roten Thorax und das ebenfalls rot gefärbte Abdomen leicht zu erkennen, während die Weibchen eine cremefarbene bis bräunliche Färbung aufweisen. Ein weiteres markantes Unterscheidungsmerkmal ist die Flügeladerung: Die Flügel der Männchen zeigen eine ausgeprägte rote Aderung am Ansatz, während die Weibchen hier einen gelben Fleck tragen. Das sogenannte Pterostigma, ein Flügelmal, das als Gewichtsverlagerung zur Stabilisierung des Flugs dient, ist bei dieser Libellenart vergleichsweise groß und bleibt, anders als bei anderen Heidelibellen, auch im Alter in einem ockerfarbenen Ton.

Die Flugzeiten der Frühen Heidelibelle unterscheiden sich je nach Region und Klima. Während sie in Mitteleuropa von Mai bis Oktober fliegt und dabei eine der ersten Libellenarten des Jahres ist, können sie in den wärmeren Regionen Südeuropas und Afrikas fast das ganze Jahr über gesichtet werden. In dieser Gegend sorgen mehrere überlappende Generationen dafür, dass stets flugfähige Imagines vorhanden sind. Der frühe Flugbeginn in Mitteleuropa hat der Art ihren deutschen Namen eingebracht.

Die Frühe Heidelibelle ist ein typischer Wanderer und zeigt ein weitläufiges Verbreitungsgebiet, das sich über weite Teile Afrikas, Asiens und Europas erstreckt. In Mitteleuropa pflanzt sie sich erfolgreich fort, wobei die genaue Überwinterungsstrategie der Art nicht vollständig geklärt ist. Vermutet wird, dass die meisten Exemplare im Frühling von südlicheren Regionen einwandern, obwohl erfolgreiche Überwinterungen in Deutschland bereits dokumentiert wurden. Der Klimawandel hat dazu beigetragen, dass einige wärmeliebende Arten wie die Frühe Heidelibelle zunehmend in nördlicheren Breiten vordringen können. So wird die Kunst in der deutschen Roten Liste derzeit als „ungefährdet“ eingestuft.

Diese Libellenart ist äußerst anpassungsfähig und zeigt sich besonders in südlichen Regionen wenig wählerisch: Sie besiedelt sowohl üppig bewachsene Sümpfe als auch schnell pflanzenlose, gelegentlich austrocknende Gewässer. In nördlichen Regionen bevorzugen sie flache, sonnenreiche Teiche und Tümpel. Bemerkenswert ist ihre Salztoleranz, die ihr eine Fortpflanzung in salzhaltigen Lagunen ermöglicht. Die Larven dieser Art stellen keine besonderen Anforderungen an die chemische Zusammensetzung des Wassers und tolerieren zeitweise sogar leichte Strömungen. Die Entstehung, das Schlüpfen aus dem Wasser ins erwachsene Stadion, erfolgt opportunistisch: Die Larven nutzen jede geeignete Struktur, sei es ein Ast, ein Stein oder sogar ein weiter vom Wasser entfernter Ort.

Erstmalig beschrieben wurde die Frühe Heidelibelle 1840 vom Naturforscher Selys, der sie nach dem französischen Entomologen Fonscolombe benannte. Der wissenschaftliche Name Sympetrum fonscolombii ehrt somit diesen frühen Insektenforscher. Einige Forscher stellen die systematische Einordnung dieser Kunst in Frage und schlagen eine Zuordnung zur Gattung Tarnetrum vor. Als Argument wird hierbei das Fehlen der für Sympetrum-Arten typischen Abdominaldornen bei den Larven genannt. (pv)

Foto: Erik Karits/Pixabay

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