Meteora: Die „schwebenden“ Klöster

Die Metéora-Klöster, majestätisch auf den Felsen thronend, bieten einen einzigartigen Anblick, der Geschichte, Spiritualität und Natur auf eindrucksvolle Weise vereint. Diese beeindruckenden Bauwerke, die in der Region Thessalien, östlich des Pindos-Gebirges, liegen, gehören seit 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ziehen jährlich Tausende von Besuchern an.
Von HB-Redakteurin Ebru Ataman

Reisen – Der Name „Metéora“, was auf Altgriechisch „in der Luft schwebend“ bedeutet, beschreibt nicht nur die imposante Lage der Klöster, sondern auch das spirituelle Streben der Mönche, die sich hier auf der Suche nach göttlicher Erleuchtung niedergelassen haben.

Die Metéora-Klöster liegen inmitten der atemberaubenden Felsenlandschaft von Thessalien nahe der Stadt Kalambaka, einer Region, die durch ihre geologischen Formationen geprägt ist. Die einzigartigen, schnell senkrecht aufragenden Sandsteinfelsen, die vor etwa 60 Millionen Jahren durch Erosion entstanden sind, bieten eine spektakuläre natürliche Kulisse, die für spirituelle Rückzugsorte nahezu perfekt ist.

Foto: John/Pixabay

Bereits im 11. Jahrhundert begannen die ersten Einsiedler, sich in den Höhlen dieser Felsen niederzulassen. Um Schutz vor Plünderern und eine tiefere spirituelle Einkehr zu finden, begannen Mönche im 14. Jahrhundert, die ersten Klöster auf den Felsen zu errichten. Das erste Kloster, Doúpiani, wurde zur Grundlage einer organisierten klösterlichen Gemeinschaft. Als Athanasios von Athos 1334 die Region erreichte, begann mit der Gründung des Klosters Metamórphosis (auch „Megálo Metéoro“ genannt) der Aufstieg des monastischen Lebens in Metéora.

Von den ursprünglich 24 Klöstern sind heute nur noch sechs bewohnt, die restlichen Anlagen wurden verlassen oder sind nur noch als Ruinen vorhanden. Diese sechs aktiven Klöster dienen nicht nur weiterhin als spirituelle Rückzugsorte für Mönche und Nonnen, sondern auch als wichtige kulturelle und historische Denkmäler, die jährlich von Pilgern und Touristen besucht werden. Diese Anlagen, darunter das Megálo Metéoro und das Kloster Varlaám, haben es geschafft, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen und das Leben im Einklang mit Tradition und Glauben zu bewahren.

Die spirituelle Bedeutung der Metéora-Klöster hat ihre Wurzeln tief in der byzantinischen Orthodoxie. Die Mönche, die auf den Felsen leben, sehen diese als einen Ort, der näher bei Gott liegt – fernab von den Ablenkungen der Welt und den Bedrohungen durch Eindringlinge. Die schwer zugänglichen Felsen symbolisieren den Rückzug aus der materiellen Welt und den Aufstieg zu einer höheren Ebene der Existenz, vergleichbar mit den spirituellen Praktiken auf dem Heiligen Berg Athos.

Einzigartig in ihrer Bedeutung sind die Fresken in den Klöstern, die nicht nur religiöse Szenen darstellen, sondern auch die Märtyrer verewigen, die für ihren Glauben litten. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung zahlreicher Märtyrer im Rousánou-Kloster, wo ihre Folterungen detailreich und eindringlich auf den Wänden verewigt sind.

Foto: Ioannis Ioannidis/Pixabay

Sehenswürdigkeiten und Klosteranlagen
Die Metéora-Klöster bieten eine Vielzahl historischer und künstlerischer Schätze. Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten gehören:

1. Megálo Metéoro (Metamórphosis tou Sotiros)
Das größte und höchstgelegene der Klöster thront auf 613 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Das Kloster wurde 1344 von Athanasios Meteorites gegründet und bietet Fresken aus dem 16. Jahrhundert sowie ein kleines Museum, das das Leben und die Geschichte des Klosters dokumentiert. Der Aufstieg erfolgt heute über eine Steintreppe, aber bis ins 20. Jahrhundert wurden Besucher und Güter über Seilwinden hinaufgezogen.

2. Varlaam
Das zweitgrößte Kloster, das im frühen 16. Jahrhundert erbaut wurde, besticht durch seine Fresken und die beeindruckende Architektur. Die Zugangsmöglichkeiten waren einst ebenfalls auf Seilwinden beschränkt, bevor im 20. Jahrhundert eine Treppe gebaut wurde.

3. Agía Triáda (Heilige Dreifaltigkeit)
Dieses Kloster, das zwischen 1458 und 1476 erbaut wurde, wurde international bekannt, als es als Drehort für den James-Bond-Film In tödlicher Mission diente. Es sind bemerkenswerte Kirchenfresken und ein silbernes Evangeliar aus dem Jahr 1539.

4. Agios Stéphanos
Dieses 1312 gegründete Kloster ist heute ein Frauenkloster. Bekannt ist es für seine feinen Verzierungen, darunter der Bischofsthron und die kunstvoll gestalteten Pulte mit Perlmutteinlagen.

5. Rousánou
Das Rousánou-Kloster, ein weiteres Frauenkloster, beeindruckt mit Fresken aus dem 16. Jahrhundert, die Märtyrer in grausamen Folterszenen darstellen. Der Zugang zum Kloster erfolgt über eine schmale Brücke, die die Besucher hoch über den Abgrund führt.

Neben der religiösen Bedeutung des Metéora-Klösters hat sich die Region auch zu einem beliebten Ziel für Kletterer entwickelt. Die senkrechten Felsen bieten anspruchsvolle Routen, die weltweit geschätzt werden. Besonders der deutsche Kletterer Dietrich Hasse hat das Gebiet erschlossen und dokumentiert. Ein weiteres Highlight der Region ist das Base-Jumping, das mit spektakulären Sprüngen von den Metéora-Felsen internationale Bekanntheit erlangte.

Neben den Klöstern beherbergen die Metéora-Felsen auch mehrere Höhlen, die auf eine noch ältere Besiedlung hindeuten. Die bekannteste dieser Höhlen ist die Theopetra-Höhle, die die ältesten architektonischen Überreste Griechenlands verwaltet: eine Steinmauer, die vor 23.000 Jahren errichtet wurde. Diese Höhle bietet einen faszinierenden Einblick in das Leben der prähistorischen Menschen und zeigt, dass Metéora nicht nur ein spiritueller, sondern auch ein historischer Knotenpunkt der Menschheit ist. (ea)

Foto: Christo Anestev/Pixabay

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