Während viele westliche Christen bereits Ostern gefeiert haben, begehen heute die griechisch-orthodoxen Gläubigen ihr wichtigstes Fest: den Ostersonntag.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Aktuell/Kultur – Die Ursache für diesen zeitlichen Unterschied liegt in der Anwendung zweier unterschiedlicher Kalender. Während die römisch-katholische Kirche sowie die meisten protestantischen Gemeinden den gregorianischen Kalender nutzen, der im Jahr 1582 von Papst Gregor XIII. eingeführt wurde, richtet sich die orthodoxe Kirche nach dem älteren julianischen Kalender, der bereits von Julius Cäsar eingeführt wurde. Zudem orientiert sich das orthodoxe Osterfest am Frühlingsvollmond, wodurch sich eine Differenz von bis zu fünf Wochen ergeben kann.
Die Feierlichkeiten beginnen nicht erst mit dem Ostersonntag, sondern schon 49 Tage zuvor mit der Fastenzeit. Anders als oft angenommen dauert sie nicht 40, sondern tatsächlich 49 Tage. Dieses Missverständnis rührt von der Bezeichnung „Sarakosti“ oder „Tesarakosti“ her, die auf 40 Tage verweist. Tatsächlich beginnt die Fastenzeit am „Sauberen Montag“ (Kathara Deftera) und endet am Freitag vor dem Lazarussamstag. Bis zum Ostersonntag wird jedoch weiterhin gefastet.

Die Karwoche, auch „Große Woche“ (Megáli Ebdomáda) genannt, markiert die letzten Tage des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Besonders eindrucksvoll ist die Prozession am Karfreitag: Ein mit Blumen und Myrrhe geschmückter „Epitáfio“, das symbolische Grab Christi, wird durch die Straßen getragen. Die Gläubigen schreiten unter ihm hindurch, um den heiligen Segen zu empfangen und an die Auferstehung Christi erinnert zu werden.
Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Mitternachtsliturgie in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag. Punkt Mitternacht verkündet der Priester mit dem feierlichen Psalm „Christós anésti ek nekrón, thanáto thánaton patísas, kai tis en tis mnímasi zoín charisámenos“ („Christus ist auferstanden von den Toten, hat den Tod durch den Tod besiegt und denen in den Gräbern das Leben geschenkt“) die Auferstehung. In diesem Moment wird das heilige Licht entzündet und von Kerze zu Kerze weitergegeben, bis die gesamte Kirche in warmem Schein erstrahlt. Die Gläubigen begrüßen einander mit den Worten „Christós Anésti“ („Christus ist auferstanden“) und der Antwort „Alithós Anésti“ („Wahrhaftig er ist auferstanden“).
Nach der langen Fastenzeit beginnt das Osterfest mit einer Fülle an traditionellen Speisen. Eine besondere Rolle spielen dabei die roten Ostereier, die das Blut Christi symbolisieren. Beim sogenannten „Eiertitschen“ (Tsougrisma) versuchen die Gläubigen, mit ihrem Ei das des Gegenübers zu zerbrechen. Demjenigen, dessen Ei unversehrt bleibt, wird Glück für das kommende Jahr prophezeit.
Typisch für die griechische Ostertafel ist zudem das Osterbrot „Tsoureki“, ein süßes, geflochtenes Hefebrot, das oft mit roten Eiern dekoriert wird. Auch die traditionelle Ostersuppe „Magiritsa“, die in der Nacht der Auferstehung gegessen wird, darf nicht fehlen. Am Ostersonntag versammelt sich die Familie schließlich zum großen Ostermahl, dessen Mittelpunkt das gegrillte Osterlamm bildet – eine Anspielung auf das „Lamm Gottes“.
Das griechisch-orthodoxe Osterfest ist weit mehr als nur eine religiöse Feier – es ist ein tief verwurzeltes kulturelles Ereignis, das Familien und Gemeinden zusammenführt. Es erinnert die Gläubigen nicht nur an das Leiden und die Auferstehung Christi, sondern auch an die Bedeutung von Glauben, Gemeinschaft und Hoffnung.
Χριστός ἀνέστη! – Christus ist auferstanden! (mv)





