Rettung zwischen Ruinen – Leben in der Lagune von Nora

Die Lagune Nora auf Sardinien ist ein Ort von einzigartiger natürlicher Schönheit und historischer Tiefe, der nicht nur Urlauber begeistert, sondern auch Wissenschaftler und Naturschützer fasziniert.
Von HB-Redakteur Dietmar Thelen

Weltweit/Sardinien – Eingebettet in die südliche Küstenlandschaft der Insel, nahe der antiken Ruinenstadt Nora bei Pula, öffnet sich die Lagune wie ein geschütztes Kleinod zwischen dem Mittelmeer und den grünen Hügeln des Hinterlands. Diese ruhige, flache Wasserlandschaft ist ein Lebensraum voller biologischer Vielfalt und wurde bereits von den Phöniziern und Römern als sicherer Naturhafen genutzt.

Die Geschichte der Lagune reicht weit zurück in die Antike. Die Stadt Nora gilt als eine der ältesten Siedlungen Sardiniens, vermutlich von Phöniziern gegründet, später von den Karthagern ausgebaut und schließlich unter römischer Herrschaft zur florierenden Hafenstadt erhoben. Die gut erhaltenen Ruinen mit ihren Mosaiken, Thermen und einem Amphitheater erzählen noch heute vom einstigen Glanz der Stadt. Schon damals war die Lagune ein strategisch wichtiger Ort – als natürlicher Schutzraum für Handelsschiffe und Fischerboote.

In der Neuzeit gewann die Lagune vor allem ökologische Bedeutung. Das stille Wasser, umgeben von Schilfgürteln und Salzpflanzen, ist Rückzugsort für viele Vogelarten, darunter Flamingos, Reiher und Stelzenläufer. Auch Fischarten, Krustentiere und seltene Pflanzen finden hier ein geschütztes Habitat. In jüngerer Zeit hat sich die Lagune auch zum Zentrum einer bedeutenden Tierschutzinitiative entwickelt: der Schildkrötenschutzstation „Laguna di Nora“.

Diese Station wurde gegründet, um verletzte Meeresschildkröten, insbesondere Exemplare der bedrohten Art Caretta caretta, zu pflegen und wieder in die Freiheit zu entlassen. Die Tiere werden von Fischern, Tauchern oder Spaziergängern gemeldet, wenn sie verletzt oder geschwächt angespült werden. In der Station werden sie medizinisch betreut, erhalten Futter und werden regelmäßig untersucht, bis sie stark genug sind, wieder ins offene Meer zurückzukehren. Einige der Schildkröten tragen nach ihrer Genesung kleine Sender, mit deren Hilfe ihre Routen durch das Mittelmeer verfolgt werden können – ein wertvoller Beitrag zur Forschung über das Verhalten und die Wanderbewegungen dieser uralten Reptilien.

Besucher der Lagune haben die Möglichkeit, die Schildkrötenschutzstation zu besichtigen und mehr über die Arbeit der Biologen und Tierärzte zu erfahren. Besonders für Familien mit Kindern ist das ein nachhaltiges Erlebnis, das spielerisch Wissen vermittelt und zugleich ein Bewusstsein für den Schutz der Meere schafft. Führungen, pädagogische Programme und Freilassungen von Schildkröten werden regelmäßig angeboten – und jedes Mal ist es ein bewegender Moment, wenn ein Tier nach Wochen oder Monaten der Pflege zum ersten Mal wieder das Meer erreicht.

Neben der Schildkrötenstation ist die gesamte Umgebung der Lagune ein lohnenswertes Ziel für Naturliebhaber, Kajakfahrer und Vogelbeobachter. Die Farben des Wassers, die Lichtspiele bei Sonnenuntergang und der Blick auf die vorgelagerte Torre del Coltellazzo – ein alter spanischer Wachturm – machen den Ort zu einem perfekten Postkartenmotiv und einem unvergesslichen Reiseziel. Die Verbindung von Natur, Geschichte und engagiertem Naturschutz verleiht der Lagune Nora ihren ganz besonderen Reiz und macht sie zu einem der schönsten und zugleich bedeutsamsten Orte Sardiniens. (dt)

Foto: Hellas-Bote