Die Hafenstadt Mytilini auf der griechischen Insel Lesbos vereint eine faszinierende Mischung aus antiker Geschichte, mythologischer Bedeutung und modernem Leben. Sie ist nicht nur das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Insel, sondern auch ein Ort, der Besucher durch seine architektonischen Meisterwerke und historische Relevanz in den Bann zieht.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Reisen/Lesbos – Von ihrer antiken Rolle als strategischer Hafenstadt bis hin zu ihrer Entwicklung als ein lebendiger Knotenpunkt der Ägäis, erzählt Mytilini eine reiche Geschichte, die sich in ihren alten Bauwerken und lebendigen Traditionen widerspiegelt.
Mytilini liegt auf der Amali-Halbinsel, der südöstlichsten Halbinsel von Lesbos. Mit einer Ausdehnung von 20 km in Nord-Süd-Richtung und 7 km von Ost nach West erstreckt sich die Stadt entlang der Küste. Im Osten grenzt sie an die Meere von Lesbos, während im Westen des Golfs von Gera die natürliche Grenze bildet. Mytilini liegt strategisch günstig an einer schmalen Landzunge, die die Insel mit dem Festland der Halbinsel verbindet. Diese geografische Lage machte die Stadt bereits in der Antike zu einem bedeutenden Handels- und Verkehrszentrum.
Die Geschichte von Mytilini ist eng mit der griechischen und später osmanischen Herrschaft verbunden. 1912, nach Jahrhunderten osmanischer Herrschaft, wurde Lesbos von griechischen Truppen erobert und Teil des Königreichs Griechenland. Inzwischen erlebte die Stadt mehrere Wellen der Migration, insbesondere nach der „Kleinasiatischen Katastrophe“ in den 1920er Jahren, als zahlreiche griechische Flüchtlinge aus Kleinasien nach Mytilini kamen.

Die Ursprünge von Mytilini sind tief in der griechischen Mythologie verwurzelt. Laut Diodor trägt die Stadt den Namen einer der Töchter des legendären Königs Makar, der in der Ilias von Homer erwähnt wird. Mytilini und ihre Schwester Mithymna sollen demnach Namensgeberinnen zweier Städte auf Lesbos gewesen sein. Diese Verbindung zur Mythologie unterstreicht die lange und bedeutende Geschichte der Stadt in der antiken griechischen Welt.
In der Antike war Mytilini aufgrund seines Hafens und seiner strategischen Lage eine bedeutende Stadt. Berühmt wurde sie durch die Belagerung im Jahr 406 v. Chr., als die spartanische Flotte die Stadt blockierte, die von einer athenischen Flotte unter Konon verteidigt wurde. Diese Ereignisse spielten eine Rolle in den Peloponnesischen Kriegen, und die Schlacht bei den Arginus führte schließlich zur Befreiung der eingeschlossenen Athener.
Nach der Eroberung durch Alexander den Großen wechselte die Herrschaft über Mytilini mehrfach, doch die Stadt erlebte auch eine interne politische Spaltung, die in einer Versöhnung endete und inschriftlich festgehalten wurde.
In der Neuzeit, nach der Integration in das Königreich Griechenland, war Mytilini ein wichtiger Zufluchtsort für griechische Flüchtlinge aus der Türkei. Diese Geschichte der Migration prägte das soziale und kulturelle Gefüge der Stadt nachhaltig.
Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören die Reste des antiken Hafens, der durch zwei gut erhaltene Molen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. geschützt wurde. In der Nähe des Hafens befinden sich außerdem die Überreste der Agora aus dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. und das beeindruckende antike Theater, das einst 10.000 Zuschauer fasste und als Vorbild für das römische Theater diente.
Ein weiteres beeindruckendes Bauwerk ist der römische Aquädukt bei Moria. Dieses Bauwerk, das auf das 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. Datiert wird, versorgte die Stadt über eine 26 km lange Wasserleitung. Das Aquädukt ist 27 Meter hoch und gilt als technisches Meisterwerk der römischen Ingenieurskunst.
Die Festung von Mytilini, die auf den Resten einer antiken Akropolis errichtet wurde, thront auf einer Halbinsel im Nordosten der Stadt. Erbaut im 6. Jahrhundert während der Herrschaft von Kaiser Justinian I., wurde sie im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert, insbesondere unter der genuesischen Herrschaft im 14. Jahrhundert. Die Festung spielte eine wichtige Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen den Byzantinern und Osmanen.
Religiöse Bauwerke sind ebenfalls wichtige Zeugnisse der Geschichte von Mytilini. Die Kirche Agios Therapon mit ihrer markanten Kuppel und der Mischung aus Barock- und Rokoko-Elementen ist ein besonderes architektonisches Highlight. Weitere bedeutende Kirchen sind Agios Athanasios, die als Sitz des Metropoliten dient, sowie Agios Simeon.
Neben den christlichen Kirchen gibt es auch noch Relikte osmanischer Architektur, wie die Valide Cami, die einzige Moschee in Mytilini, deren Minarett noch erhalten ist. Die Yeni Cami, eine weitere beeindruckende Moschee, wird heute als kultureller Veranstaltungsort genutzt.
Mytilini ist reich an Museen, die das kulturelle Erbe der Stadt bewahren. Das Archäologische Museum präsentiert Funde aus prähistorischer und klassischer Zeit, darunter Skulpturen und Mosaiken aus der römischen Epoche. Das Theofilos-Museum und das Teriade-Museum in Varia beherbergen bedeutende Kunstwerke, darunter die naive Kunst von Theofilos und seltene Buchillustrationen. (mv)




