Griechenland zieht die Konsequenzen aus einem Rekordsommer nach dem anderen: Wo sich auf Santorini die Menschenmassen durch enge Gassen schieben, auf Mykonos die Wasserreserven knapp werden und auf Rhodos immer neue Hotelanlagen die Küstenlinien verändern, soll künftig Schluss sein mit ungezügeltem Wachstum.
Von HB-Redakteurin Nadja Becker
Aktuell – Die Regierung in Athen hat ein umfassendes Regelwerk vorgestellt, das den Massentourismus eindämmen und den jahrzehntelang nahezu schrankenlosen Bauboom auf den Inseln bremsen soll. Auslöser sind historische Besucherzahlen. Fast 38 Millionen Touristen kamen nach Angaben der griechischen Zentralbank im vergangenen Jahr ins Land. Vor allem in den Sommermonaten stoßen viele Inseln inzwischen an ihre Belastungsgrenzen. Bewohner klagen über Dauerstaus, überfüllte Häfen, steigende Mieten und eine Infrastruktur, die mit dem Tempo des Tourismuswachstums kaum Schritt hält. Auf manchen Inseln wird Wasser per Tankschiff geliefert, während gleichzeitig neue Luxushotels entstehen.
Die Regierung will nun gegensteuern mit deutlich strengeren Vorgaben für Hotelbau und Flächennutzung. Tourismusministerin Olga Kefalogianni kündigte an, Griechenland werde seine Regionen künftig nach ihrer touristischen Belastung einstufen. Für besonders stark frequentierte Reiseziele wie Santorini, Mykonos, Kos oder Rhodos gelten künftig schärfere Regeln. Neue Hotels dürfen dort in besonders belasteten Gebieten maximal 100 Betten umfassen. Die Zeit immer größerer Hotelkomplexe soll damit zumindest auf einigen Inseln enden.
Auch außerhalb bestehender Bauzonen verschärft Athen die Vorschriften drastisch. Neue Hotelanlagen dürfen dort nur noch auf großen Grundstücken errichtet werden. Je nach Region müssen diese zwischen acht und 16 Hektar umfassen. Die Regierung will damit verhindern, dass sich immer mehr Gebäude ungeordnet über Hänge, Küsten und bislang unberührte Landschaften verteilen.
Besonders sensibel ist für die Regierung der Zustand der Küsten. Künftig soll in einem Streifen von bis zu 25 Metern entlang des Meeres grundsätzlich nicht mehr gebaut werden dürfen. Nur notwendige Zugänge oder Rettungswege bleiben von dem Verbot ausgenommen. Damit reagiert Athen auch auf zunehmende Kritik von Umweltschützern, die seit Jahren vor einer schleichenden Zerstörung der Küstenlandschaften warnen.
Umweltminister Stavros Papastavrou sprach bei der Vorstellung der Maßnahmen von einer „historischen Reform“. Ziel sei ein Tourismusmodell, das wirtschaftlichen Erfolg mit dem Schutz von Natur, Infrastruktur und Lebensqualität verbinde. Der entsprechende Ministerialerlass soll Ende Juni in Kraft treten. (nb)





