In einer Zeit, in der der römische Kaiser Septimius Severus mit eisernem Faust regierte und das Christentum blutig verfolgt wurde, leuchtete der Glaube eines Mannes heller als jede Kerze in den Katakomben. Der heilige Charalambos, dessen Name „glühend vor Freude“ bedeutet, wurde zum Symbol unerschütterlicher Standhaftigkeit und spiritueller Reinheit.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou
Götter & Gelehrte – Charalambos, Priester und später Bischof von Magnesia am Mäander, widmete sein Leben der Verkündung des Evangeliums in Kleinasien. Seine Botschaft der Liebe und Hoffnung erreichte viele, doch sie zog auch die Aufmerksamkeit der Mächtigen auf sich. Als Prokonsul Lukian und der Militärbefehlshaber Lucius von seinen Predigten erfuhren, wurde der hochbetagte Geistliche, zu jener Zeit bereits 113 Jahre alt, vor Gericht gestellt. Dort bekannte er furchtlos seinen Glauben und verweigerte jede Huldigung römischer Götzen.
Was folgte, war ein Martyrium von schier unfassbarer Grausamkeit. Charalambos wurde mit Eisenhaken gequält, ihm wurde die Haut vom Leib gezogen – doch selbst inmitten dieser Qualen blieb sein Glaube unerschüttert. Mit bemerkenswerter Gelassenheit sprach er zu seinen Peinigern: „Ich danke euch, meine Brüder, dass ihr den alten Körper abgeschabt und meine Seele für neues und ewiges Leben erneuert habt.“ Seine Standhaftigkeit inspirierte nicht nur zwei Soldaten, Porphyrius und Baptus, sondern auch drei Frauen, die sich durch ihren offenen Glauben ebenfalls dem Märtyrertod auslieferten.
Die Legende berichtet von wundersamen Ereignissen während seiner Folter. Als Lucius selbst Hand an Charalambos legte, verlor er plötzlich die Beweglichkeit seiner Arme. Lukian, der ihm ins Gesicht spuckte, musste mit ansehen, wie sich sein Kopf nach hinten drehte. Erst durch die Gebete des Heiligen fanden die beiden Männer Heilung und bekehrten sich zum Christentum.
Am Ende seines Leidens, als Charalambos zum Tode geführt wurde, betete er, dass der Ort, an dem seine Reliquien ruhen würden, von Hungersnot und Krankheit verschont bleiben möge. Noch bevor der Henker zuschlagen konnte, übergab er friedvoll seine Seele Gott. Der Legende nach wurde die Tochter des Kaisers, Gallina, so tief bewegt, dass sie sich bekehrte und den Heiligen selbst bestattete.
Bis heute wird der heilige Charalambos als Schutzpatron gegen Krankheiten und Hungersnöte verehrt. Sein Schädel, der im Kloster des Heiligen Stephan in Meteora aufbewahrt wird, zieht Gläubige aus aller Welt an. Die Wunder, die mit seinen Reliquien verbunden sind, stärken den Glauben und die Hoffnung vieler Menschen.
Am 10. Februar jedes Jahres erinnert die Kirche an das Leben und Wirken dieses außergewöhnlichen Märtyrers. Auf den griechischen Inseln wird sein Gedenktag mit einzigartigen Ritualen begonnen, die die Verbundenheit zwischen Tradition und Glauben widerspiegeln. Der heilige Charalambos mag im Jahr 202 gestorben sein, doch seine Botschaft lebt weiter – ein strahlendes Zeugnis für die Kraft des Glaubens, die jede Dunkelheit überwindet.
Der Gedenktag des heiligen Charalambos wird traditionell am 10. Februar gefeiert. Dieses Datum gilt jedoch nicht in jedem Jahr, da es in Abhängigkeit vom liturgischen Kalender der orthodoxen Kirche sowie von bestimmten kirchlichen Festen variieren kann:
Fällt der 10. Februar auf den Seelensamstag, der dem Beginn der Großen Fastenzeit (vor Ostern) vorausgeht, wird der Festtag auf den 9. Februar vorverlegt. Der Seelensamstag ist ein Gedenktag für die Verstorbenen und würde den Festtag des Heiligen sonst überlagern. Sollte der 10. Februar mit dem Karfreitag, dem ersten Tag der Großen Fastenzeit, zusammenfallen, wird der Festtag ebenfalls auf den 9. Februar vorgezogen. Die liturgische Bedeutung des Karfreitags und die damit verbundenen besonderen Riten stehen in diesem Fall im Vordergrund. (sd)





