Zwischen den zarten Halmen mediterraner Schilflandschaften erhebt sich ein fast unsichtbares Flimmern: die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus).
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Natur & Umwelt – Ihr Name klingt poetisch, doch hinter den transparenten Flügeln dieser kleinen Zikade verbirgt sich ein ernstzunehmender Schädling, der seit einigen Jahrzehnten im gesamten europäischen Raum für Aufmerksamkeit sorgt. Besonders in Griechenland, wo sie ursprünglich in Feuchtgebieten und Schilfgürteln beheimatet war, breitet sie sich zunehmend auch auf landwirtschaftliche Flächen aus – und bedroht dort wertvolle Nutzpflanzen wie Zuckerrüben, Kartoffeln und Spargel.
Die Schilf-Glasflügelzikade erreicht eine Körperlänge von etwa 5 bis 9 Millimetern. Auffällig sind die durchscheinenden, glasartigen Flügel, deren feine Adern sich dunkel abzeichnen. Kopf und Brustbereich erscheinen dunkelbraun bis schwarz, oft mit einem feinen, wachsartigen Überzug. Weibchen sind meist etwas größer als Männchen. Eine Besonderheit liegt in der Form des männlichen Fortpflanzungsorgans, das sich fast rechtwinklig krümmt – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Glasflügelzikaden.

Obwohl es weltweit viele Vertreter der Glasflügelzikaden (Cixiidae) gibt, ist Pentastiridius leporinus eine der bekanntesten Arten in Europa. Sie ist polyphag, das heißt, sie befällt verschiedene Pflanzenarten.
Ihr Lebenszyklus ist an die Vegetationsperioden angepasst:
- Flugzeit der Adulten: Mai bis September
- Eiablage: Weibchen legen ihre Gelege im Boden nahe der Wirtspflanzen ab – bis zu 400 Eier pro Jahr
- Nymphenentwicklung: Die Larven leben unterirdisch, saugen Pflanzensaft aus Wurzeln und Knollen und häuten sich viermal, bevor sie im Frühjahr als erwachsene Tiere erscheinen.
Traditionell war die Schilf-Glasflügelzikade vor allem in Feuchtbiotopen Griechenlands, insbesondere in den Schilf- und Röhrichtzonen der Küstenebenen und Flussdeltas (etwa im Evros-Delta, an den Ufern des Axios oder im Amvrakischen Golf) zu finden.
Mit der Ausweitung des Ackerbaus und den steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels hat sie jedoch ihr Habitat erweitert. Heute findet man sie nicht nur in ursprünglichen Schilfbeständen, sondern auch in landwirtschaftlich genutzten Flächen, wo sie sich auf Zuckerrübenfelder in Thessalien und Makedonien spezialisiert hat.
Die Zikade ernährt sich vom Pflanzensaft ihrer Wirtspflanzen, indem sie mit ihrem Saugrüssel in das Phloem sticht. Dabei überträgt sie gefährliche Bakterien wie Candidatus Phytoplasma solani und Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus, die Pflanzenkrankheiten wie das SBR-Syndrom (stark verringerter Zuckergehalt) hervorrufen können. Besonders in der griechischen Zuckerrübenproduktion hat dies bereits zu Ertragseinbußen geführt.
Obwohl die Schilf-Glasflügelzikade ursprünglich Teil eines sensiblen Feuchtbiotops war, das von vielen Insektenarten belebt wird, stellt ihre Anpassung an Kulturpflanzen ein ernsthaftes Risiko dar. Sie ist ein Beispiel für die Verlagerung von Insektenpopulationen durch veränderte Umweltbedingungen – und ein mahnendes Zeichen, wie schnell ein unscheinbares Insekt zu einem landwirtschaftlichen Problem werden kann. (pv)





