Unwetter, Blitze und Überschwemmungen hielten das Land zu Beginn der Woche in Atem – Schulen blieben geschlossen, Straßen versanken.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Aktuell – Manchmal wirkt die Natur wie ein Dramatiker, der seine Szenen mit Donner und grellem Licht in Szene setzt. So war es zu Beginn dieser Woche, als sich über Griechenland ein Naturschauspiel entlud, das Meteorologen selbst staunen ließ: Fast 60.000 Blitze zuckten innerhalb eines Tages über das Land – ein Rekordwert, der sich tief ins kollektive Gedächtnis einbrennen dürfte.
Allein über Athen und Attika zählte der Meteorologe Jorgos Tsatrofyllias rund 1.000 Blitze in nur zwei Stunden. Es war, als würde der Himmel in Flammen stehen. Donner grollte unaufhörlich über die Stadt, während die Straßen in grellem Licht flackerten. Doch die Schönheit dieses Spektakels hatte ihre zerstörerische Kehrseite: heftige Unwetter, Überflutungen und chaotische Zustände in vielen Regionen des Landes.
Besonders stark traf es die Insel Lesbos, wo die Behörden in Kalloni und Skala Kalloni die Schulen aus Sicherheitsgründen geschlossen hielten. Wassermassen rissen dort Autos mit sich, überfluteten Straßen, Höfe und Geschäfte. Die Flüsse Tsiknias und Acheronas traten über die Ufer, die Ebene von Kalloni verwandelte sich in eine riesige Wasserfläche. Feuerwehr und Zivilschutz kämpften gegen die Fluten, retteten Familien aus ihren überfluteten Häusern und führten Notarbeiten an Straßen durch, um überhaupt den Zugang zu ermöglichen. Auch auf dem Peloponnes blieb die Lage dramatisch. Zwischen Kalamata, Tripolis und Korinth stand ein Teil der Nationalstraße unter Wasser. Rettungskräfte mussten Autofahrer aus ihren Fahrzeugen befreien.
Schon in der Nacht von Sonntag auf Montag hatte das Unwetter vor allem Westgriechenland heimgesucht. Innerhalb weniger Stunden fielen gewaltige Regenmengen. Sturmböen entwurzelten Bäume, Straßen wurden zu Flüssen. In Thessaloniki und auf Korfu wurden Autos durch umgestürzte Bäume und sogar eine eingestürzte Mauer beschädigt. In weiten Teilen des Landes fiel der Strom aus. In der Hafenstadt Patras tobten derart starke Winde, dass Anwohner gegenüber dem staatlichen Sender ERT berichteten, die Erschütterungen hätten sich „wie ein Erdbeben“ angefühlt. In der Region Tenea (Korinthia) schlug der Sturm in Form von Hagel zu. Während vielerorts noch Aufräumarbeiten laufen, bleibt die Bilanz des Unwetters bitter: beschädigte Straßen und Infrastrukturen, überflutete Häuser, zerstörte Ernten – und ein Land, das einmal mehr die Wucht der Natur zu spüren bekam. (jk)

