Mitten im pulsierenden Herzen Thessalonikis, an der Ecke Vassilios Iraklios und Franginis, erhebt sich ein stiller Zeuge vergangener Jahrhunderte – das Yahudi-Hamam, das „Jüdische Bad“.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Reisen/Geschichte – Wer heute durch das bunte Viertel Louloudadika wandelt, wo nach 1948 Blumenläden den Straßenrand säumen, spürt noch die Aura einer anderen Zeit, als dampfende Räume und funkelnde Mosaike das Leben der Stadt prägten. Erbaut vermutlich im 16. Jahrhundert von Khalil Aga, trägt das Bad nicht nur die Spuren der osmanischen Präsenz in Thessaloniki, sondern auch die tiefe Verwurzelung der jüdischen Gemeinde in Griechenland, deren Geschichten in jedem Stein und jeder Kuppel weiterklingen.

Die Architektur des Yahudi-Hamam erzählt von einer Welt, in der Stein und Ziegel in harmonischer Einheit das byzantinische Erbe nachahmten, Kuppeln Licht in die Untergeschosse ließen und Stalaktitenverzierungen sowie Stempeldekorationen im Mörtel die Hände der Meister sichtbar machten. Zwei Meter unter Straßenniveau erstreckten sich die Räume für Männer und Frauen, jede Halle von einer gewaltigen halbkugelförmigen Kuppel überdacht, umgeben von den traditionellen Bäderräumen – kalt, lauwarm, heiß, und jener Raum zur Abkühlung, in dem das Wasser Geschichten von Begegnungen, Gesprächen und stillen Momenten barg. Hinter dem Gebäude zeugen noch die Überreste des Wassertanks und der Holzfeuerstelle von der aufwendigen Technik, die einst Wärme und Leben in die Hallen brachte.
Die Geschichte dieses Bades ist von Feuer und Wandel geprägt. Beim verheerenden Brand Thessalonikis im Jahr 1917 wurde es schwer beschädigt, doch die Erinnerung an seine Pracht blieb erhalten. Nach 1948 wandelte sich die Umgebung, Blumenläden eroberten die Straße, und aus dem jüdischen Viertel Louloudadika wurde ein lebendiges Zentrum für Märkte und Handel, ein Ort, an dem griechische Kultur und jüdisches Erbe in stiller Harmonie nebeneinander existierten. Heute öffnet das restaurierte Gebäude seine Türen für kulturelle Veranstaltungen, lässt Künstler, Besucher und neugierige Seelen die Flüstern der Vergangenheit hören und die lebendige Geschichte Griechenlands auf einmalige Weise erleben. (mv)





