Das Schwammtauchen, eine altehrwürdige Praxis, die seit Jahrhunderten das Leben vieler Küstengemeinden in Griechenland prägt, erzählt eine Geschichte von Mut, Geschicklichkeit und Innovation.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou
Tradition & Historie – Die Wurzeln des Schwammtauchens reichen tief in die Antike zurück. Bereits vor über 2.500 Jahren dokumentierten Historiker wie Herodot und Aristoteles die Praxis des Schwammtauchens in den Gewässern des Mittelmeers. Schwämme galten damals als wertvolle Handelsgüter, die in Medizin, Hygiene und Kunst Verwendung fanden.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebte das Schwammtauchen in Griechenland seine Blütezeit. Besonders die Inseln Kalymnos und Symi wurden zu Zentren des Schwammtauchens. Die Taucher, ausgestattet mit einfachen Werkzeugen wie Steinen zum schnellen Abtauchen, riskierten ihr Leben in den Tiefen des Meeres, um die begehrten Naturschwämme zu ernten. Die Einführung der Skafandro (Tauchanzug) revolutionierte das Tauchen und ermöglichte längere und tiefere Tauchgänge, was die Schwammpopulation jedoch stark belastete.

Heutzutage ist das Schwammtauchen in Griechenland weitgehend modernisiert. Die Taucher verwenden moderne Ausrüstungen wie Pressluftgeräte, die sicherere und effizientere Tauchgänge ermöglichen. Trotz technologischer Fortschritte stehen die Taucher vor erheblichen Herausforderungen. Die Überfischung und Umweltverschmutzung haben die Schwammpopulationen dezimiert, und die Konkurrenz durch synthetische Schwämme hat die Nachfrage nach Naturschwämmen reduziert.
Trotz der Schwierigkeiten bleibt das Schwammtauchen ein wichtiger Wirtschaftszweig für einige Inselgemeinden. Es ist nicht nur eine Einkommensquelle, sondern auch ein kulturelles Erbe, das stolz bewahrt und gefeiert wird. Jährliche Veranstaltungen und Festivals ehren die Tradition und die Taucher, die diese gefährliche Arbeit ausführen.
Die Zukunft des Schwammtauchens in Griechenland hängt von der erfolgreichen Umsetzung nachhaltiger Praktiken ab. Initiativen zum Schutz der Meeresökosysteme und zur Regeneration der Schwammpopulationen sind unerlässlich. Bildungsprogramme und umweltfreundliche Tauchmethoden sollen sicherstellen, dass kommende Generationen weiterhin von dieser Tradition profitieren können.
Fortschritte in der Meeresbiologie und Technologie bieten neue Perspektiven. Forschung zur Züchtung und nachhaltigen Ernte von Schwämmen könnte helfen, die natürlichen Bestände zu entlasten. Ebenso könnten Entwicklungen in der Tauchrobotik die Sicherheit und Effizienz der Schwammtaucher verbessern.
Die Einbindung des Schwammtauchens in den Kulturtourismus bietet zusätzliche Chancen. Museen, Tauchtouren und kulturelle Veranstaltungen können das Bewusstsein für die Bedeutung dieser Tradition stärken und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile bringen. (sd)
