Unwetterkatastrophe in Griechenland: Sturm „Agneta“ bringt Überschwemmungen, reißt Dutzende Autos mit und versetzt weite Landesteile in Alarmbereitschaft

Das Tiefdrucksystem „Agneta“ hat in der Nacht zum 3. November schwere Regenfälle, Überschwemmungen und erhebliche Sachschäden verursacht. Auf Rhodos wurden Fahrzeuge von den Wassermassen mitgerissen, Wohnhäuser überflutet und Straßen in reißende Wasserläufe verwandelt. Während die Aufräumarbeiten laufen, drohen heute weitere schwere Unwetter in Nordgriechenland.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris

Aktuell – Griechenland erlebt einen außergewöhnlich unruhigen Beginn des Novembers. Nach heftigen Regenfällen und schweren Gewittern am Montag hat sich die Unwetterlage in der vergangenen Nacht weiter zugespitzt. Das Tiefdrucksystem „Agneta“, das von Süditalien über das Mittelmeer nach Osten zieht, brachte insbesondere den Inseln der südöstlichen Ägäis enorme Niederschlagsmengen. Auf Rhodos kam es zu schweren Überschwemmungen. Auch Samos, Kalymnos und die Region um Volos waren betroffen.

Während Feuerwehr und kommunale Einsatzkräfte seit den frühen Morgenstunden mit den Folgen der Überflutungen beschäftigt sind, richtet sich der Blick der Meteorologen und Zivilschutzbehörden inzwischen auf Nordgriechenland. Für den heutigen Dienstag werden in mehreren Regionen erneut kräftige Regenfälle, Gewitter und örtlich Hagel erwartet. Die Behörden haben umfangreiche Schutzmaßnahmen aktiviert und warnen die Bevölkerung vor gefährlichen Wasserläufen und plötzlich auftretenden Sturzfluten.

Foto: Hellas-Bote

Besonders schwer traf das Unwetter die Insel Rhodos. In der Ortschaft Archangelos im Osten der Insel verwandelten sich Straßen während der intensiven Regenfälle in reißende Wasserströme. Die Wassermassen transportierten Schlamm, Geröll und zahlreiche Gegenstände durch das Ortszentrum und angrenzende Wohngebiete.

Autos wurden von den Fluten mitgerissen, andere Fahrzeuge erheblich beschädigt. Wasser drang in Häuser, Geschäfte und Erdgeschosse ein. Anwohner berichteten von dramatischen Situationen, in denen die Wassermassen innerhalb kurzer Zeit deutlich anstiegen und ganze Straßenabschnitte unpassierbar machten. Nach den vorliegenden Medienberichten wurden mindestens 60 Fahrzeuge von den Wassermassen mitgerissen oder schwer beschädigt. Auch zahlreiche Wohnhäuser und Geschäfte waren betroffen. Besonders bitter ist, dass Archangelos bereits in der Vergangenheit von schweren Überschwemmungen heimgesucht worden war. Viele Einwohner fühlten sich an die Katastrophe vom Januar 2011 erinnert, als die Ortschaft ebenfalls erhebliche Hochwasserschäden erlitt. Neben Archangelos waren auch Afandou, Lindos und weitere Gebiete im Süden der Insel von den Auswirkungen des Unwetters betroffen.

Die griechischen Behörden reagierten bereits in den frühen Morgenstunden mit Warnmeldungen über das nationale Notfallwarnsystem 112. Die erste Warnung erreichte die Bevölkerung auf Rhodos gegen 3.30 Uhr. Darin wurde vor den starken Niederschlägen und der Gefahr von Überschwemmungen gewarnt. Um 10.52 Uhr folgte eine weitere Warnmeldung, in der die Einwohner aufgefordert wurden, unnötige Fahrten und Bewegungen zu vermeiden. Die Behörden rieten dringend dazu, Keller, Unterführungen, Flussbetten und andere überschwemmungsgefährdete Bereiche zu meiden. In mehreren Gemeinden auf Rhodos wurden Schulen geschlossen. Feuerwehr und kommunale Einsatzkräfte waren seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz. Sie pumpten Wasser aus Gebäuden, beseitigten umgestürzte Bäume und sicherten gefährdete Bereiche.

Die Auswirkungen des Tiefdrucksystems beschränkten sich nicht auf Rhodos. Auf Samos gingen bei der Feuerwehr 28 Notrufe ein. In zehn Fällen mussten Einsatzkräfte Wasser aus überfluteten Gebäuden und Bereichen abpumpen.

Auf den Dodekanes wurden 18 Hilferufe registriert. Neben den Einsätzen auf Rhodos mussten Feuerwehrleute auch auf Kalymnos ausrücken. Dort kam es unter anderem zu Wassereinbrüchen. Besonders gefährlich war ein Vorfall, bei dem sich ein großer Felsbrocken löste und gegen die Garage eines Wohnhauses prallte.

Auch in Volos auf dem griechischen Festland hinterließ der Starkregen seine Spuren. Die Feuerwehr registrierte zwölf Notrufe. Sieben Einsätze betrafen das Abpumpen von Wasser, bei zwei weiteren mussten umgestürzte Bäume beseitigt werden. Nach den am Montag veröffentlichten Angaben summierten sich die Hilferufe aus den betroffenen Gebieten damit bereits auf 58.

Während die Aufräumarbeiten auf den Inseln weitergehen, konzentriert sich die Aufmerksamkeit heute auf die nördlichen Landesteile. Die griechische Nationale Meteorologische Behörde EMY warnt für Dienstag, den 3. November, vor weiteren heftigen Regenfällen und Gewittern. Besonders betroffen sein könnten Westmakedonien, Zentralmakedonien einschließlich der Region Thessaloniki, Ostmakedonien und Thrakien. Auch die Inseln Thassos und Samothraki sowie Teile der nordöstlichen Ägäis stehen unter besonderer Beobachtung.

Für die Bevölkerung in und um Thessaloniki bedeutet das eine erhöhte Aufmerksamkeit. Insbesondere in tiefer gelegenen Stadtteilen, an Unterführungen, in der Nähe von Bächen und an Stellen mit unzureichender Entwässerung kann es bei intensiven Niederschlägen schnell zu lokalen Überschwemmungen kommen.

Die Wetterwarnungen betreffen außerdem die Ionischen Inseln, Epirus und weitere westliche Landesteile. Die Behörden haben mehrere Verwaltungsregionen aufgrund der prognostizierten Wettergefahren auf die höchste Zivilschutz-Warnstufe Red Code gesetzt.

Verantwortlich für die Wetterentwicklung ist das Tiefdrucksystem „Agneta“, das seinen Ursprung im Mittelmeerraum hat und sich von Süditalien in Richtung Griechenland bewegt. Die Kombination aus feuchtwarmer Mittelmeerluft, kräftigen Aufwärtsbewegungen und einer ausgeprägten Tiefdruckentwicklung begünstigt die Entstehung intensiver Gewitterzellen. Besonders gefährlich wird die Situation, wenn sich Gewitterzellen nur langsam verlagern oder über längere Zeit dieselben Gebiete überqueren. Dann können innerhalb weniger Stunden außergewöhnlich große Regenmengen zusammenkommen. Für einzelne Regionen wurden Niederschlagsmengen von bis zu 150 Millimetern innerhalb von 48 Stunden prognostiziert. Solche Mengen können in kurzer Zeit zu überlasteten Entwässerungssystemen, über die Ufer tretenden Bächen und gefährlichen Sturzfluten führen.

Die griechischen Zivilschutzbehörden koordinieren ihre Maßnahmen mit den Regionen, Gemeinden, Feuerwehren und weiteren Einsatzorganisationen. Die Bevölkerung wird aufgefordert, die Wetterwarnungen aufmerksam zu verfolgen und den Anweisungen der Behörden zu folgen. Besonders wichtig ist es, überflutete Straßen und Wasserläufe nicht zu durchqueren – auch dann nicht, wenn die Wassertiefe zunächst gering erscheint. Autofahrer sollten unnötige Fahrten vermeiden und sich vor Fahrtantritt über mögliche Straßensperrungen informieren. In gefährdeten Gebieten wird außerdem empfohlen, Fahrzeuge nicht in Unterführungen oder an Bachläufen abzustellen. (pv)

Foto: Hellas-Bote