Wenn sich die warmen Sommerabende über die Gassen, Plätze und historischen Bauwerke von Nafplio legen, beginnt in der ehemaligen ersten Hauptstadt Griechenlands wieder eine der traditionsreichsten Kulturveranstaltungen des Landes. Noch bis 18. Juli lädt das Nafplio-Festival zu seiner 35. Ausgabe ein und verwandelt die malerische Stadt am Argolischen Golf für eine Woche in einen Treffpunkt für Musik, Kunst und internationale Begegnungen.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Kunst & Kultur – Was vor dreieinhalb Jahrzehnten mit einer kulturellen Vision begann, hat sich längst zu einer festen Größe im griechischen Kulturkalender entwickelt. Das Festival, das vom Verband der griechischen Musikkritiker als bestes Festival des Landes ausgezeichnet wurde, steht heute für künstlerische Qualität, internationale Ausstrahlung und die besondere Verbindung von Kultur und historischem Ambiente.

Die Jubiläumsausgabe führt Besucher an einige der eindrucksvollsten Orte Nafplios. Konzerte und Veranstaltungen finden auf dem Agios-Georgios-Platz vor der gleichnamigen Kirche, auf dem zentralen Syntagma-Platz, in der Festung Palamidi, im historischen Voulevitiko sowie an der Kirche Agios Nikolaos statt. Die Kulissen aus venezianischer, byzantinischer und neuzeitlicher Geschichte verleihen den Aufführungen dabei eine Atmosphäre, die weit über ein gewöhnliches Festivalerlebnis hinausgeht.
Den Auftakt bildet in diesem Jahr eine besondere Produktion in der imposanten Festungsanlage Palamidi. Mit „The Haunted“ präsentiert Dimitris Maramis ein vielschichtiges Werk, das Sprache, Musik, Gesang und Theater miteinander verbindet. Die Aufführung eröffnet eine Festivalwoche, die unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen zusammenführt und die kulturelle Vielfalt des Programms unterstreicht.
Für Bürgermeister Dimitris Orfanos ist das Festival weit mehr als eine Reihe von Konzerten. Es sei ein Ereignis, das seit 35 Jahren die historische Identität Nafplios mit anspruchsvoller Kunst verbinde und die Stadt jedes Jahr aufs Neue zu einem kulturellen Mittelpunkt werden lasse. Besonders würdigte er die Besucherinnen und Besucher, die dem Festival seit Jahrzehnten die Treue halten und ihm durch ihre Anwesenheit Leben verleihen.
Auch der künstlerische Leiter und international renommierte Pianist Yannis Vakarelis blickt mit Stolz auf die Entwicklung der Veranstaltung. Nur wenige Festivals könnten auf eine derart lange, ununterbrochene Geschichte zurückblicken. Das Nafplio-Festival sei aus der Überzeugung entstanden, dass Musik und Kunst Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Generationen schlagen können. Diese Idee habe das Festival über 35 Jahre hinweg geprägt und seine Entwicklung bestimmt.

Die Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der Veranstaltung. Mehr als 300 griechische und internationale Künstlerinnen und Künstler standen seit der Gründung auf den Bühnen des Festivals. Darunter befanden sich zahlreiche weltbekannte Namen der klassischen Musikszene. Insgesamt gastierten 25 Quartette sowie 20 Sinfonie- und Kammerorchester in Nafplio. Zugleich erhielten zahlreiche junge Talente die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren und erste wichtige Schritte auf ihrem künstlerischen Weg zu gehen.
Die Resonanz des Publikums ist ebenso beeindruckend. Über 200.000 Besucher aus Griechenland und dem Ausland haben die Veranstaltungen bislang besucht. Neben den Einwohnern Nafplios, die das Festival seit seinen Anfängen begleiten, reisen jedes Jahr Gäste aus Athen sowie aus allen Teilen Griechenlands an. Hinzu kommen internationale Besucher, die ihren Sommeraufenthalt gezielt mit den Aufführungen verbinden. Viele von ihnen kehren Jahr für Jahr zurück und tragen damit zur besonderen Atmosphäre des Festivals bei.
Ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs ist die bewusste Öffnung der Kultur für ein breites Publikum. Die Konzerte finden in den bedeutenden Monumenten und auf den öffentlichen Plätzen der Stadt statt und sind mit einem symbolischen Eintrittspreis zugänglich. Dadurch entsteht eine Nähe zwischen Künstlern und Publikum, die zu den Markenzeichen des Festivals geworden ist.
Die diesjährige Jubiläumsausgabe versteht sich zugleich als Rückblick und Ausblick. Sie würdigt die Kontinuität einer Idee, die sich über Jahrzehnte bewährt und weiterentwickelt hat. Nach den Worten von Vakarelis sei das Festival nur durch das Engagement vieler Beteiligter lebendig geblieben – von Künstlern, Organisatoren, Institutionen und Sponsoren bis hin zum Publikum, das die Veranstaltung über all die Jahre mit Vertrauen begleitet habe.
Besonderen Dank sprach der künstlerische Leiter dem Italienischen Kulturinstitut Athen, dem Förderverein der V.-Papantoniou-Stiftung sowie dem Designer Yannis Kouroudis aus, der für das grafische Erscheinungsbild des diesjährigen Festivals verantwortlich zeichnet. Ebenso hob er die Unterstützung des Griechischen Parlaments und seines Präsidenten Nikitas Kaklamanis hervor, die einen wichtigen Beitrag zur Realisierung des Konzerts des Athener Staatsorchesters geleistet habe.
Mit seinem Jubiläum setzt das Nafplio-Festival auch 2026 ein deutliches Zeichen für die Bedeutung von Kultur in einer Zeit vielfältiger gesellschaftlicher Herausforderungen. Zwischen historischen Mauern, belebten Plätzen und sommerlicher Meeresluft entsteht erneut jener besondere Raum, in dem Musik, Kunst und Begegnung zusammenfinden. Für eine Woche wird Nafplio damit einmal mehr zu einem Ort, an dem Geschichte und Gegenwart, Tradition und kreative Zukunft in einzigartiger Weise miteinander verschmelzen. Weitere Infos auf www.nafplionfestival.gr. (mv)





