Griechenland plant Altersgrenze für soziale Netzwerke

Während in vielen europäischen Hauptstädten noch diskutiert wird, schafft Griechenland Fakten: Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sollen künftig keinen Zugang mehr zu sozialen Netzwerken haben. Die Regierung unter Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis kündigte an, ein entsprechendes Gesetz zum 1. Januar 2027 in Kraft zu setzen – und verbindet den nationalen Vorstoß mit einem klaren Appell an Brüssel.
Von HB-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Aktuell – Im Zentrum der Initiative steht nicht allein die Regulierung digitaler Plattformen, sondern eine grundsätzliche Neubewertung jugendlicher Mediennutzung. Mitsotakis begründet den Schritt mit einer wachsenden Belastung junger Menschen: Psychische Erschöpfung, Schlafdefizite und ein permanenter sozialer Vergleichsdruck seien eng mit der intensiven Nutzung von Anwendungen wie TikTok und Instagram verbunden. Der digitale Alltag lasse kaum noch Raum für Erholung, so die Einschätzung der Regierung.

Dabei scheut der Premier nicht die offene Konfrontation mit der eigenen Zielgruppe. Er räumte ein, dass die Maßnahme bei Jugendlichen auf Widerstand stoßen dürfte – ein Einwand, den er zugleich als Bestätigung politischer Verantwortung deutete. Staatliches Handeln, so Mitsotakis, müsse sich nicht an kurzfristiger Zustimmung orientieren, sondern an langfristigem Schutz.

Flankiert wird der Vorstoß von einem europäischen Anspruch. In einem Schreiben an die Präsidentin der Europäische Kommission, Ursula von der Leyen, wirbt die griechische Regierung für ein einheitliches Mindestalter für die Nutzung sozialer Medien innerhalb der Europäischen Union. Ein „digitales Mündigkeitsalter“ von 15 Jahren sowie verpflichtende Altersverifikationen könnten, so die Argumentation, nationale Alleingänge ersetzen und die Wirksamkeit deutlich erhöhen.

Der innenpolitische Rückhalt scheint beträchtlich. Umfragen zufolge unterstützt eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung – rund vier Fünftel – restriktivere Regeln für Minderjährige im Netz. Bereits heute sind Mobiltelefone an griechischen Schulen untersagt, ein Schritt, der als Vorläufer der nun geplanten Regulierung gilt.

International steht Griechenland mit seinem Vorhaben nicht allein, wohl aber frühzeitig. Als erstes Land hatte Australien Ende 2025 ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige eingeführt. In Europa prüfen mehrere Staaten ähnliche Modelle: In Frankreich etwa ist eine gesetzliche Regelung bereits weit fortgeschritten, während auch Deutschland, Dänemark und Spanien entsprechende Debatten führen.

Die griechische Initiative könnte somit als Katalysator wirken. Ob sie tatsächlich zu einem europäischen Ordnungsrahmen führt, hängt jedoch weniger von politischer Entschlossenheit als von der praktischen Umsetzbarkeit ab. Denn die entscheidende Frage bleibt: Wie lässt sich ein digitales Verbot in einem grenzenlosen Netz wirksam durchsetzen? (cs)

Foto: Luisella Planeta LOVE PEACE/Pixabay