AHEPA wirbt für einheitliche Stimme der griechischen Diaspora

Es war ein Termin mit politischem Gewicht: Auf Einladung der Generalkonsulin Chara Baldouma empfing das Generalkonsulat von Griechenland in Düsseldorf den stellvertretenden griechischen Außenminister Ioannis Loverdos zu einer Reihe von Gesprächen, die weit über einen protokollarischen Antrittsbesuch hinausgingen.
Von HB-Redakteurin Nadja Becker

Aktuell – Im Mittelpunkt standen Struktur, Einfluss und Selbstverständnis der griechischen Gemeinschaft in Deutschland – und die Frage, wie sich ihre Stimme künftig koordinierter und wirksamer in politische Prozesse einbringen lässt.

Bereits am Vormittag hatte Loverdos im Gebäude des Konsulats an der Cecilienallee das Gespräch mit Vertretern der American Hellenic Educational Progressive Association (AHEPA) gesucht. Die traditionsreiche Organisation, deren Wurzeln in den Vereinigten Staaten liegen und die sich weltweit der Förderung hellenischer Kultur, Bildung und bürgerschaftlichen Engagements verschrieben hat, ist auch in Deutschland präsent – mit nach Angaben der Teilnehmer derzeit zwölf aktiven Abteilungen. Diese Zahl, so war aus dem Kreis der Anwesenden zu hören, belege zwar eine beachtliche organisatorische Basis, offenbare jedoch zugleich Koordinierungsbedarf.

Insbesondere Vertreter der AHEPA-Abteilungen aus Düsseldorf und Aachen warben in der Unterredung für den Aufbau eines starken, abgestimmten Lobbyverbands, der die Interessen der griechischen Diaspora in Deutschland sichtbarer und strukturierter vertreten könne. Es gehe, so wurde betont, nicht allein um kulturelle Veranstaltungen oder karitative Initiativen, sondern um eine strategische Präsenz in politischen Diskursen und gesellschaftlichen Debatten. Die griechische Gemeinschaft solle als ernstzunehmender Akteur wahrgenommen werden – mit klar artikulierten Positionen und einem einheitlichen Auftreten gegenüber politischen Entscheidungsträgern.

Loverdos griff diesen Gedanken auf und formulierte ihn in grundsätzlicher Weise. Die Voraussetzung für jede wirksame kollektive Interessenvertretung sei die Einheit, sagte der stellvertretende Außenminister. Zusammenarbeit und Geschlossenheit bildeten das Fundament, auf dem institutionelle Stärke wachsen könne. Ohne interne Abstimmung bleibe selbst die größte Gemeinschaft hinter ihren Möglichkeiten zurück.

An den Gesprächen beteiligte sich auch der Vorsitzende der AHEPA Düsseldorf, Aristofanis Osmanlis, der die Aktivitäten der örtlichen Abteilung ausführlich darlegte. Diese reichten von philanthropischen Projekten über gesellschaftliche Veranstaltungen bis hin zu Initiativen, die den interkulturellen Dialog in der Region fördern. Osmanlis verwies auf die gewachsene Rolle der Organisation im städtischen Umfeld und unterstrich zugleich, dass die lokale Arbeit stets im größeren Kontext der bundesweiten Vernetzung zu sehen sei.

Gerade hier, so Osmanlis, liege eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre: die engere Koordinierung der zwölf AHEPA-Abteilungen in Deutschland. Ziel sei eine einheitliche Vertretung nach außen, die Stärkung der institutionellen Präsenz der griechischen Diaspora und eine systematische, kontinuierliche Einbringung griechischer Anliegen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Einzelne Initiativen könnten Wirkung entfalten, doch erst in der Bündelung entstehe politisches Gewicht.

Die Gespräche im Generalkonsulat waren Teil eines umfassenderen Austauschs, bei dem auch Fragen der Zusammenarbeit zwischen diplomatischen Vertretungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zur Sprache kamen. Das Konsulat fungiert dabei nicht nur als administrative Anlaufstelle, sondern zunehmend als Plattform für Vernetzung und strategische Abstimmung innerhalb der Gemeinschaft. Dass ein stellvertretender Außenminister persönlich in Düsseldorf das Gespräch sucht, ist als Signal zu verstehen. Deutschland zählt zu den wichtigsten europäischen Partnern Griechenlands; zugleich lebt hier eine große griechischstämmige Gemeinschaft, deren gesellschaftliches und wirtschaftliches Engagement sich über Jahrzehnte hinweg etabliert hat. Die Diskussion um eine stärkere institutionelle Bündelung knüpft an diese Realität an und spiegelt den Wunsch wider, die vorhandenen Strukturen effizienter zu nutzen.

Im Verlauf des Tages wurden unterschiedliche Modelle einer engeren Zusammenarbeit erörtert, ohne dass konkrete organisatorische Beschlüsse gefasst worden wären. Vielmehr stand die Verständigung über gemeinsame Ziele im Vordergrund: eine klare Kommunikationsstrategie, regelmäßige Abstimmungsformate zwischen den Abteilungen und eine stärkere Präsenz in politischen Netzwerken auf Landes- und Bundesebene. Dabei wurde auch die Bedeutung einer abgestimmten Öffentlichkeitsarbeit hervorgehoben, um die Wahrnehmung der griechischen Diaspora jenseits folkloristischer Zuschreibungen zu schärfen. (nb)

Foto: AHEPA