Als ursprünglicher Bewohner trockener Steppen- und Küstenlandschaften hat sich die Wechselkröte im Laufe der Evolution an extreme Umweltbedingungen wie Hitze, Trockenheit und erhöhte Salzgehalte angepasst. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mitteleuropa über Osteuropa bis in den Mittelmeerraum. In Griechenland ist die Wechselkröte weit verbreitet und kommt sowohl auf dem Festland als auch auf dem Peloponnes, auf Euböa, Kreta sowie auf den Ionischen Inseln vor.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Natur & Umwelt – Die Wechselkröte, wissenschaftlich als Bufotes viridis bekannt, gehört zu den faszinierendsten Amphibien Europas. Kaum eine andere Krötenart vereint eine derart hohe genetische Vielfalt, eine bemerkenswerte ökologische Anpassungsfähigkeit und zugleich eine so dramatische Gefährdung ihrer Bestände. Lange Zeit als eine einzige Art betrachtet, weiß man heute, dass es sich bei der Wechselkröte um eine komplexe Artengruppe von rund 15 eng verwandten Spezies handelt, die sich aus unterschiedlichen evolutionären Linien entwickelt haben. Moderne molekulargenetische Methoden wie DNA-Barcoding und RAD-Sequenzierung haben diese Vielfalt eindrucksvoll bestätigt.

Neben ihrer wissenschaftlichen Bedeutung ist die Wechselkröte auch kulturgeschichtlich interessant: Namen wie Grüne Kröte, Wandelbare Kröte, Haus- oder Dorfkröte verweisen auf ihre variable Erscheinung und ihre frühere Nähe zum Menschen. Trotz international anerkannter Taxonomie und strengem Schutzstatus gehen die Bestände in vielen Teilen Europas zurück. Umso wichtiger ist ein genauer Blick auf ihre Merkmale, Lebensweise, Lebensräume und ihre Verbreitung – insbesondere im südosteuropäischen Raum und in Griechenland, wo sie noch vergleichsweise weit verbreitet ist.
Die Wechselkröte gehört zur Familie der Echten Kröten (Bufonidae) und zur Gattung Bufotes. Früher unter dem Gattungsnamen Bufo geführt, wird sie heute international einheitlich als Bufotes viridis angesprochen. Innerhalb dieser Gruppe existieren mehrere regional differenzierte Arten und Haplotypen, die sich äußerlich oft ähneln, genetisch jedoch deutlich unterscheiden. Diese hohe Variabilität macht die Wechselkröte zu einem Modellorganismus für evolutionsbiologische und biogeografische Fragestellungen, etwa zur Besiedlung von Mittelmeerinseln oder zur Anpassung an extreme Lebensräume.
Der Name „Wechselkröte“ ist Programm: Die Tiere sind in der Lage, ihre Färbung innerhalb kurzer Zeit an Umweltbedingungen wie Untergrund, Licht und Temperatur anzupassen. Die Grundfarbe reicht von hellgrau über beige bis bräunlich, darüber liegen unregelmäßige, oliv- bis smaragdgrüne Flecken. Dieses Muster ist individuell einzigartig und erlaubt eine fotografische Wiedererkennung einzelner Tiere. Die Bauchseite ist meist hell und nur schwach gefleckt.
Charakteristisch sind kleine rötliche Warzen an Hüften und Oberschenkeln sowie die bohnenförmigen Ohrdrüsen (Parotiden) hinter den Augen, die bei Gefahr ein giftiges Sekret absondern. Die Iris ist gelblich bis grünlich, die Pupillen verändern ihre Form je nach Lichtverhältnissen. Männchen erreichen meist bis zu sieben, Weibchen bis zu zehn Zentimeter Körperlänge. In freier Wildbahn werden sie etwa zehn Jahre alt, in Ausnahmefällen deutlich älter.
Besonders ausgeprägt sind Sinnesleistungen und Jagdtechnik: Mit blitzschnellen Zungenbewegungen werden selbst fliegende Insekten erbeutet. Kräftige Vorderarme, Schwielen an den Füßen und feingliedrige Zehen ermöglichen sowohl das Graben in lockeren Böden als auch weite nächtliche Wanderungen.
Als wärmeliebende Art beginnt die Fortpflanzungszeit in Mitteleuropa meist im April oder Mai. Voraussetzung sind Wassertemperaturen von mindestens 12 °C. Die Männchen locken Weibchen mit einem leisen, anhaltenden Trillern, das vor allem nachts zu hören ist. Laichgewässer sind flach, vegetationsarm und oft nur temporär wasserführend. Bemerkenswert ist die geringe Rolle der Wasserqualität: Selbst trübe, nährstoffreiche oder leicht salzhaltige Gewässer werden genutzt.
Die Weibchen legen bis zu 15.000 Eier in langen Laichschnüren ab, die meist am Gewässerboden befestigt werden. Die Kaulquappen sind zunächst tiefschwarz, später grünlich-grau. Je nach Temperatur dauert die Metamorphose mehrere Wochen bis Monate. Jungkröten leben nach dem Landgang sehr versteckt und erreichen nach etwa drei Jahren die Geschlechtsreife.
Ursprünglich ist die Wechselkröte ein Bewohner trockener Steppen, Halbwüsten und offener Küstenlandschaften. Sie bevorzugt sonnige, trockenwarme Gebiete mit lockeren, grabfähigen Böden und spärlicher Vegetation. Dazu zählen Binnendünen, Trockenrasen, Schotterflächen sowie Küstenbereiche mit Süß- und Brackwasser. Ihre Salztoleranz ist außergewöhnlich und erlaubt ihr sogar die Nutzung von Salzlacken.
Mit dem Verlust dieser Primärlebensräume ist die Art zunehmend auf Sekundärhabitate ausgewichen. Dazu gehören Kies- und Tongruben, Tagebaue, Bahnbrachen, Truppenübungsplätze und Baustellen. Diese Lebensräume sind jedoch instabil und zeitlich begrenzt, da sie ohne gezielte Pflege schnell verbuschen oder überbaut werden.
Die Tiere sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. In warmen Nächten legen sie auf Nahrungssuche Strecken von über einem Kilometer zurück und dringen dabei bis in Gärten, Siedlungsränder und Gewerbegebiete vor.
In Deutschland ist die Wechselkröte heute nur noch lückenhaft verbreitet. Schwerpunkte liegen in der Rhein-Main-Ebene, Teilen Sachsen-Anhalts sowie in Bayern, insbesondere in der Münchner Schotterebene. Sie fehlt weitgehend an der Nordseeküste und im Nordwesten. Die Art ist streng geschützt, dennoch gehen viele Populationen weiter zurück.
Europaweit reicht das Verbreitungsgebiet von Frankreich über Mitteleuropa bis nach Osteuropa und in den Mittelmeerraum. In einigen Ländern, etwa der Schweiz, gilt sie bereits als ausgestorben oder extrem selten.
Griechenland nimmt innerhalb der europäischen Verbreitung der Wechselkröte eine Schlüsselrolle ein. Bufotes viridis kommt dort auf dem gesamten Festland vor, ebenso auf dem Peloponnes, auf Euböa, Kreta sowie auf zahlreichen Ionischen Inseln. Das mediterrane Klima mit heißen Sommern, milden Wintern und einer Vielzahl temporärer Gewässer bietet grundsätzlich günstige Bedingungen für die Art.
In Griechenland besiedelt die Wechselkröte sowohl Küstenregionen mit Brackwasserlagunen als auch trockene Binnenlandschaften, landwirtschaftlich genutzte Ebenen und offene Hügelländer. Besonders typisch sind Vorkommen in Flussauen, auf Schwemmkegeln, in Olivenhainen, extensiv genutzten Agrarlandschaften sowie in der Nähe menschlicher Siedlungen. Auch hier nutzt sie häufig künstliche Gewässer wie Bewässerungsbecken, Zisternen oder Regenrückhalteflächen.
Die Inselvorkommen sind aus biogeografischer Sicht besonders spannend. Da Wechselkröten keine guten Schwimmer sind, geht man davon aus, dass sie viele Inseln entweder über Landbrücken während früherer Meeresspiegelschwankungen oder durch unbeabsichtigte Verschleppung durch den Menschen erreicht haben. Die genetische Untersuchung griechischer Populationen liefert wichtige Hinweise auf diese Ausbreitungsgeschichte und auf Anpassungen an insulare Lebensräume.
Trotz der vergleichsweise weiten Verbreitung in Griechenland sind auch dort lokale Bestände durch Urbanisierung, Intensivierung der Landwirtschaft, Trockenlegung von Feuchtgebieten und Klimawandel bedroht. Längere Dürreperioden und das Austrocknen temporärer Laichgewässer stellen zunehmend ein Problem dar. (jk)





