Hoch über den Wolken, wo Griechenland und Nordmazedonien sich die Hand reichen, erhebt sich ein Berg, der seit Jahrhunderten Geschichten, Mythen und Legenden in sich trägt: der Kajmakčalan, auch bekannt als Kaimaktsalan, Kaimaki oder Voras.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Reisen – Mit seinen 2.521 Metern Höhe thront er als einer der gewaltigsten Gipfel des südlichen Balkans – ein Ort, an dem Naturgewalt, Geschichte und Spiritualität miteinander verschmelzen. Dieser Bericht führt durch die faszinierende Welt des Kajmakčalan, von seiner geologischen Entstehung über seine mythologische Bedeutung bis hin zu den Sehenswürdigkeiten, die ihn zu einem einzigartigen Ziel in Griechenland machen.
Der Kajmakčalan liegt im nördlichen Griechenland, in der Region Zentralmakedonien, direkt an der Grenze zu Nordmazedonien. Er bildet den höchsten Punkt des Voras-Gebirges (griechisch: Βόρας Όρος), das auf mazedonischer Seite als Nidže-Gebirge bekannt ist. Die Bergkette zieht sich in Nord-Süd-Richtung entlang der Grenze und prägt das Landschaftsbild durch ihre markanten Felsformationen und schroffen Gipfel. Mit einer relativen Höhe von 1.758 Metern über der Umgebung dominiert der Kajmakčalan die umliegende Landschaft und bietet weite Ausblicke bis in das Pelagonische Becken im Norden und über die griechische Tiefebene von Edessa und Pella im Süden.
Geologisch ist der Berg aus Granit, Gneis und Glimmer aufgebaut – Gesteine, die im Laufe von Millionen Jahren durch tektonische Prozesse entstanden. Die Region ist Teil der Helleniden, einer Gebirgskette, die durch die Kollision der Afrikanischen und Eurasischen Platte geformt wurde. Diese geologische Aktivität prägt bis heute das Relief und die Bodenbeschaffenheit des gesamten Balkans.
Das Klima auf dem Kajmakčalan ist rau und geprägt von extremen Bedingungen. In der Höhe herrscht ein subarktisches Klima (Dfc) mit langen, schneereichen Wintern und kurzen, kühlen Sommern. Der Schnee bleibt oft bis in den späten Frühling hinein liegen – ein Anblick, der dem Berg auch seinen Namen gab.
Der Name „Kajmakčalan“ stammt aus dem Osmanischen Türkisch und bedeutet wörtlich „kaymakähnlich“ – eine Anspielung auf den schneeweißen Gipfel, der wie das traditionelle türkische Milchprodukt Kaymak (eine Art Rahm) aussieht. Diese poetische Bezeichnung verweist nicht nur auf die klimatischen Bedingungen, sondern auch auf die jahrhundertelange osmanische Präsenz in der Region, deren Spuren bis heute in Sprache, Kultur und Ortsnamen nachhallen.
Der Kajmakčalan ist nicht nur ein Naturmonument, sondern auch ein Ort des Gedenkens und der spirituellen Bedeutung. Während des Ersten Weltkriegs wurde der Berg zu einem der symbolträchtigsten Schauplätze der Schlacht von Kajmakčalan im September 1916. Hier trafen serbische und bulgarische Truppen in einem erbitterten Gebirgskrieg aufeinander. Nach wochenlangen Kämpfen eroberten die Serben den Gipfel – ein strategischer Sieg, der jedoch Tausende von Soldatenleben forderte. Zum Gedenken an die Gefallenen errichtete man nahe des Gipfels eine kleine serbisch-orthodoxe Kirche, die dem Heiligen Petrus (Sveti Petar) geweiht ist. Darunter befindet sich eine Krypta, in der zahlreiche serbische Soldaten beigesetzt sind.
In der griechischen Tradition wird der Gipfel auch Profitis Ilias (Προφήτης Ηλίας – Prophet Elias) genannt – ein Name, der vielen hohen Bergen in Griechenland zukommt. Der Prophet Elias gilt als Wächter über Himmel und Sturm, und die kleinen Kapellen, die ihm auf Berggipfeln geweiht sind, symbolisieren den Übergang zwischen Erde und Himmel. So vereint der Kajmakčalan zwei spirituelle Welten: das orthodoxe Gedenken an die Gefallenen und die tief verwurzelte griechische Religiosität.
Heute ist der Kajmakčalan ein Ort des Friedens, der Natur und des Tourismus. Auf der griechischen Seite hat sich das Gebiet rund um Agios Athanasios zu einem beliebten Wintersportzentrum entwickelt. Das Skigebiet Kaimaktsalan zieht Besucher aus ganz Griechenland und den Nachbarländern an. Mit modernen Liften, gut präparierten Pisten und einer atemberaubenden Aussicht bis zum Olymp-Gebirge ist es eines der höchstgelegenen Skigebiete des Landes.
Neben Wintersport bietet der Berg auch zahlreiche Wander- und Trekkingrouten, die durch alpine Wälder, kristallklare Bergbäche und karge Hochplateaus führen. Besonders im Sommer wird die Region zu einem Paradies für Naturliebhaber, Botaniker und Fotografen, da sie eine artenreiche Flora und Fauna beheimatet – darunter seltene Alpenblumen und Greifvögel.
Nicht weit vom Skigebiet entfernt liegt das traditionelle Dorf Palaios Agios Athanasios, dessen steinerne Häuser und gemütliche Tavernen das authentische Flair der makedonischen Bergregion bewahren. Besucher genießen dort lokale Spezialitäten, darunter gegrilltes Lamm, Honigwein und Kaymak, das Milchprodukt, das dem Berg seinen Namen gab. (mv)





