Die griechischen Wurzeln Kampaniens – Spurensuche in Cumae

Cumae, heute eine archäologische Stätte in der Gemeinde Bacoli nahe Neapel, ist mehr als nur ein Relikt der Antike – sie ist ein stiller Zeuge der ersten griechischen Kolonisation auf dem italienischen Festland. Unter dem Namen Kyme gegründet, brachte sie nicht nur Sprache, Kultur und Baukunst aus Griechenland mit, sondern auch Mythen, Götter und philosophisches Gedankengut.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler

Reisen – Bereits um 740 v. Chr. wurde Kyme von griechischen Siedlern aus Chalkis und Eretria erbaut, die zuvor auf Pithekoussai (Ischia) Fuß gefasst hatten. Damit war Kyme die erste griechische Apoikie auf dem Festland Italiens – ein Meilenstein in der Geschichte der griechischen Expansion.

Die griechische Handschrift ist bis heute erkennbar: etwa in der architektonischen Gestaltung der Akropolis, wo ein ehemals Zeus geweihter Tempel stand, oder in der Höhle der Sibylle von Cumae, deren mythische Weissagungen in der antiken Welt gefürchtet und begehrt waren. Auch die Gründung von Neapolis (dem heutigen Neapel) als Tochterstadt Kyme’s unterstreicht den maßgeblichen Einfluss Griechenlands auf die kulturelle Entwicklung Süditaliens.

Cumae war nicht nur militärisch erfolgreich – es schlug in der berühmten Seeschlacht von Kyme (474 v. Chr.) die Etrusker zurück –, sondern auch spirituell bedeutsam. So soll hier das frühe christliche Werk „Der Hirte des Hermas“ inspiriert worden sein.

Auch wenn die Stadt im Laufe der Jahrhunderte romanisiert und später von den Samniten eingenommen wurde, ist die griechische Identität bis heute sichtbar – sei es in der Architektur, der Mythologie oder im Namen selbst, der sich möglicherweise vom griechischen „kyma“ (Welle) ableitet – ein poetischer Verweis auf die sanft geschwungene Silhouette der Halbinsel.

Die wiederentdeckten Tempel des Apollon und Zeus, das Amphitheater, die Thermen und der Hafen von Misenum zeigen eindrucksvoll, wie tief die griechischen Wurzeln reichten und später mit römischer Baukunst verschmolzen. Heute ist Cumae eine Schatzkammer für Archäologen und Historiker – und ein Ort, an dem griechisches Erbe lebendig bleibt. (sk)

Foto: Hellas-Bote/KI