Im Herzen der griechischen Region Elis auf der westlichen Peloponnes erstreckt sich der Pinios-Stausee (griechisch: Φράγμα Πηνειού), ein eindrucksvolles Zeugnis menschlicher Ingenieurskunst und ökologischer Veränderung.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou
Reisen – Umgeben von sanften Hügeln, Pinienwäldern und landwirtschaftlich genutzten Flächen, wirkt der See wie ein natürliches Idyll – dabei ist er ein Produkt moderner Wasserwirtschaft mit einer vielschichtigen Geschichte, die von regionalem Wandel, wirtschaftlichen Interessen und ökologischen Herausforderungen geprägt ist.
Die Geschichte des Pinios-Stausees beginnt in den 1960er Jahren, einer Zeit, in der Griechenland verstärkt in Infrastrukturprojekte investierte, um die Entwicklung ländlicher Regionen zu fördern. Ziel war es, die Wasserressourcen der Region Elis zu regulieren, landwirtschaftliche Flächen effizient zu bewässern und die Gefahr saisonaler Überschwemmungen zu minimieren.
Die Idee, den Pinios-Fluss aufzustauen, entstand aus der Notwendigkeit, der zunehmenden Wasserknappheit in den Sommermonaten zu begegnen und gleichzeitig die fruchtbaren Ebenen von Elis besser landwirtschaftlich nutzen zu können. Nach umfangreichen Planungen und geologischen Untersuchungen wurde das Bauprojekt unter staatlicher Leitung in Angriff genommen. Das Staudammprojekt wurde in den 1960er Jahren begonnen und in den frühen 1970er Jahren abgeschlossen. Dabei entstand ein künstlicher See mit einer Fläche von etwa 18 Quadratkilometern und einem Stauvolumen von über 350 Millionen Kubikmetern.
Der Damm selbst ist ein imposantes Bauwerk aus Erdmaterialien mit einer Kronenlänge von rund 1.800 Metern. Sein Herzstück bildet ein Kontrollsystem, das die Wassermengen gezielt für die landwirtschaftliche Nutzung in der Umgebung dosiert. Gleichzeitig schützt der Damm die unterhalb gelegenen Ortschaften vor Hochwasserereignissen, die früher regelmäßig große Schäden verursachten.
Nach seiner Fertigstellung veränderte der Pinios-Stausee das Landschaftsbild und das Leben der Menschen in Elis grundlegend. Die Region, traditionell von Landwirtschaft geprägt, profitierte in den Folgejahren erheblich von der besseren Wasserversorgung. Der kontrollierte Wasserfluss ermöglichte eine intensivierte Bewässerung von Olivenhainen, Weinbergen und Obstplantagen, was zu einer gesteigerten Produktivität und wirtschaftlichem Aufschwung führte.
Darüber hinaus wurde der See selbst zu einem Anziehungspunkt – zunächst vor allem für Einheimische, später auch für Erholungssuchende aus anderen Teilen Griechenlands. Angler, Naturliebhaber und Spaziergänger schätzen die ruhige Atmosphäre, die der Stausee ausstrahlt. Auch die Vogelwelt entdeckte das neue Habitat für sich: Zugvögel nutzen das Gewässer seither als Rastplatz auf ihren saisonalen Routen zwischen Europa und Afrika.
In den 1980er und 1990er Jahren war der Pinios-Stausee ein Paradebeispiel für gelungene Wasserwirtschaft in Griechenland – allerdings begann sich in dieser Zeit auch eine andere Seite des Projekts zu zeigen: die langfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem und die Siedlungsstruktur der Region.
Trotz seines Erfolgsmodells steht der Pinios-Stausee heute vor vielfältigen Herausforderungen. Der Klimawandel macht sich zunehmend bemerkbar: Längere Dürreperioden im Sommer und unregelmäßige Niederschläge im Winter bringen das fein austarierte Wasserregulierungssystem an seine Grenzen. In trockenen Jahren fällt der Wasserspiegel drastisch, was nicht nur die Landwirtschaft betrifft, sondern auch die Biodiversität im und um den See gefährdet.
Ein weiteres Problem ist die Sedimentation: Über die Jahre haben sich große Mengen an Schlamm und Sedimenten am Boden des Sees abgelagert, was die Speicherkapazität reduziert. Ohne regelmäßige Maßnahmen zur Entschlammung droht der See langfristig an Effizienz zu verlieren.
Die griechische Wasserbehörde sowie regionale Umweltinitiativen haben in den letzten Jahren begonnen, Konzepte für eine nachhaltige Zukunft des Pinios-Stausees zu entwickeln. Diese reichen von der Modernisierung der Bewässerungsinfrastruktur über gezielte Aufforstungen zur Reduzierung der Erosion bis hin zur Förderung des Ökotourismus. Besonders letzterer könnte dem See eine neue Bedeutung geben: Als Rückzugsort für gestresste Stadtbewohner, als Naturreservat und als Bildungsstandort für nachhaltige Wasserwirtschaft.
Auch internationale Kooperationen im Rahmen von EU-geförderten Umweltprojekten spielen zunehmend eine Rolle bei der Zukunftsplanung. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt des Stausees als Wasserreservoir, sondern auch um dessen Funktion als ökologisches und soziales Bindeglied in einer sich wandelnden Region. Die Verbindung von Technik, Umweltbewusstsein und regionaler Identität macht den Pinios-Stausee zu einem faszinierenden Studienobjekt – und zu einem lebendigen Symbol für den Balanceakt zwischen Natur und menschlichem Gestaltungswillen. (sd)

