Auf einem 139 Meter hohen Hügel namens Pontinos, unweit des heutigen Ortes Myli in der Argolis, thront die Ruine von Kastro Kiveriou. Diese fränkische Felsenburg, deren Ursprünge auf das späte 13. oder frühe 14. Jahrhundert datiert werden, zeugt von einer bewegten Vergangenheit und strategischer Bedeutung in der Region.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Geschichte/Reisen – Die Burganlage gliedert sich in zwei Hauptbereiche: die zentrale Redoute und die angrenzende Vorburg. Auf dem höchsten Punkt des Hügels befindet sich eine sechseckige Redoute von etwa 1.000 Quadratmetern Fläche. Mit einem Durchmesser von rund 40 Metern war sie an jeder Ecke mit Türmen versehen. Das Haupttor vermutet man zwischen dem südwestlichen und dem südlichen Turm. Im Inneren sind noch zwei Zisternen erhalten, die einst der Wasserversorgung dienen. Über einer dieser Zisternen erhob sich der quadratische Bergfried mit einer Seitenlänge von 9 Metern und beeindruckenden 1,35 Meter dicken Mauern. Als der französische Historiker Jean Alexandre Buchon die Burg im 19. Jahrhundert besuchte, ragte der Bergfried noch über mehrere Stockwerke empor.
Nördlich der Redoute erstreckte sich die etwa fünfeckige Vorburg mit einer Fläche von ungefähr 8.500 Quadratmetern. Ihre Ringmauer, etwa 300 Meter lang und 2 Meter dick, wurde von acht Türmen verstärkt. Innerhalb der Vorburg sind zahlreiche Ruinen kleiner Gebäude erkennbar, die auf eine einst lebendige Nutzung hindeuten. Am tiefsten Punkt der Vorburg, etwa 25 Meter unterhalb des Gipfels, befinden sich die Grundmauern einer kleinen Kirche, die etwa 10 Meter lang und 5,5 Meter breit war und deren Apsis nach Osten liegt.
Die Geschichte des Ortes reicht jedoch weit über das Mittelalter hinaus. Bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. berichtete der Reiseschriftsteller Pausanias von einem Heiligtum der Athena Saitis auf dem Gipfel des Pontinos, das von Danaos gegründet worden sein soll und schon zu seiner Zeit in Trümmern lag. Dieses Heiligtum deutet auf eine religiöse Bedeutung des Ortes in der Antike hin.
Im Mittelalter, zwischen 1209 und 1212, eroberte Gottfried I. von Villehardouin die Region Argolis. Während der 99-jährigen Herrschaft der Familie Villehardouin wurde Kastro Kiveriou vermutlich gegründet, um die wichtige Straße von Süden nach Argos zu kontrollieren. Archäologische Funde, wie Keramikscherben aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert und eine Silbermünze von Isabelle de Villehardouin, der letzten Feudalherrin von Argos und Nauplia, unterstützen diese Annahme.
Die Burg erlebte zahlreiche Machtwechsel: 1347 wurde sie im Testament von Walter VI. von Brienne unter dem Namen „Chamires“ erstmals erwähnt. 1388 ging sie nach dem Verkauf durch Maria d’Enghien an die Republik Venedig über, wurde jedoch kurz darauf vom Despoten Theodor I. Palaiologos besetzt. Erst 1394 gelangte sie endgültig in den venezianischen Besitz. Während des Zweiten Osmanisch-Venezianischen Krieges im 15. Jahrhundert wurde die Instandhaltung der Burg vernachlässigt, und 1540 fielen sie schließlich an die Osmanen, die jedoch keine Restaurierungsmaßnahmen vornahmen. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Kontrolle zwischen Venezianern und Osmanen, bis sie 1821 während der Griechischen Revolution unter griechische Kontrolle kam. (jk)





