Inmitten der griechischen Berglandschaft erhebt sich das ehrwürdige Moni Kimiseos Theotokou Xenias, ein spiritueller Ort mit jahrhundertealter Geschichte. Doch eine der bemerkenswertesten Sehenswürdigkeiten dieses Klosters ist kein Bauwerk oder religiöses Artefakt – es ist ein außergewöhnliches Lebewesen: der weiße Pfau.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Natur & Umwelt – Der weiße Pfau, der das Kloster schmückt, gehört zur indischen Pfauenart (Pavo cristatus) und ist das Ergebnis einer seltenen genetischen Mutation namens Leuzismus. Anders als bei Albinos, die durch den vollständigen Mangel an Farbpigmenten gekennzeichnet sind, besitzen leuzistische Pfauen dunkle Augen und eine unveränderte Hautpigmentierung. Diese Besonderheit verleiht ihnen ihr reines, schneeweißes Federkleid, das sie von ihren farbenprächtigen Artgenossen unterscheidet.

Ihre Ursprünge reichen bis ins alte Indien zurück, wo Pfauen seit Jahrhunderten als heilige Tiere verehrt werden. Bereits im 18. Jahrhundert begann die gezielte Zucht dieser außergewöhnlichen Vögel in Europa, wo sie als Statussymbol der gehobenen Gesellschaft galten. Aufgrund ihrer anmutigen Erscheinung wurden sie auch als „Hochzeitspfauen“ bezeichnet und standen für Reinheit, Wohlstand und Glück.
Die Geburt eines weißen Pfaus ist ein seltenes Ereignis. Die Küken schlüpfen zunächst mit einem zarten gelben Federkleid, das sich erst mit zunehmendem Alter zu makellosem Weiß entwickelt. Um einen weißen Pfau zu erhalten, müssen beide Elterntiere das rezessive Leuzismus-Gen tragen. Dies bedeutet, dass selbst bei farbigen Eltern in etwa einem Viertel der Nachkommen die weiße Färbung auftreten kann.
Nicht alle weißen Pfauen sind jedoch vollständig schneeweiß – einige zeigen eine Mischung aus traditionellen Blautönen und weißen Federn. Diese einzigartigen Farbmuster machen sie noch besonderer und verleihen ihnen eine fast mystische Aura.

Der weiße Pfau ist nicht nur ein optisches Wunder, sondern auch ein tief verwurzeltes Symbol in verschiedenen Kulturen. Im Christentum wird er mit Reinheit und Unsterblichkeit assoziiert, im Hinduismus steht er für Glück und Erleuchtung, und im Buddhismus symbolisiert er das Erreichen des Nirvana. Durch seine Seltenheit und seine strahlende Erscheinung wird er weltweit als Sinnbild für das Erhabene und das Göttliche verehrt.
Besucher des Xenia Klosters haben die seltene Gelegenheit, dieses Naturwunder aus nächster Nähe zu bewundern. Sein leuchtend weißes Federkleid reflektiert das Sonnenlicht auf eine Weise, die ihn fast überirdisch erscheinen lässt – ein wahres Geschenk der Natur.
Das Moni Kimiseos Theotokou Xenias, wurde rund 16 Kilometer von Almyros entfernt auf einem kleinen Plateau mit üppiger Vegetation erbaut. Den Weg weisen Straßenschilder, ebenfalls die Anfahrt wurde für die Besucher vereinfacht.
Der genaue Gründungszeitpunkt ist bis heute unbekannt, Archäologen datieren die Reliefs auf das 12. bis 13. Jahrhundert. Um 1704 zwangen historische Umstände die Mönche sich in Agios Nikolaos niederzulassen, welche die wundersame Ikone von Panagia Xenia, der Jungfrau Maria, in die Geschichte des Klosters einbrachten.
Während der Befreiung von den Türken und ebenfalls bei den historisch jüngsten nationalen Kämpfen nahm das Kloster einen wichtigen Platz als Versorgungsstandort ein, bis es 1970 von einem reinen Männerkloster in ein Frauenkloster umgewandelt wurde. (pv)





