Basilius der Große: Ein Leben für Glaube, Nächstenliebe und Gemeinschaft

Caesarea im 4. Jahrhundert – Die Welt im Wandel, der Glaube in der Krise. Aus dieser Zeit der Umbrüche erhebt sich eine charismatische Gestalt, deren Wirken nicht nur die christliche Theologie, sondern auch das gesellschaftliche Leben bis heute prägt: Basilius der Große.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos

Götter & Gelehrte – Basilius von Caesarea, geboren um 330 in der wohlhabenden kappadokischen Oberschicht, hätte ein Leben in Wohlstand und Ansehen führen können. Doch seine Berufung lag anderswo. Nach einer umfassenden Ausbildung in Rhetorik und Philosophie zog er sich zunächst auf ein Landgut seiner Familie in Pontus zurück, um ein asketisches Leben zu führen. Dort legte er den Grundstein für seine späteren Mönchsregeln, die das klösterliche Leben im Osten und Westen nachhaltig prägten.

Ab 370 wirkte er als Bischof von Caesarea, wo er durch seine eindrucksvolle Predigt und sein Engagement für die Armen und Kranken bald zu einer der beliebtesten Persönlichkeiten der Region wurde. Besonders hervorzuheben ist die „Basilias“, eine weitläufige karitative Einrichtung, die Krankenhaus, Armenhaus und Kloster vereinte und in der sein Ideal christlicher Barmherzigkeit lebendig wurde.

Basilius war ein unermüdlicher Kämpfer für die Reinheit des Glaubens. Als einer der „drei kappadokischen Kirchenväter“ spielte er eine zentrale Rolle bei der Formulierung des Glaubensbekenntnisses von Nicäa-Konstantinopel (381). Gleichzeitig stellte er sich gegen die homöische Kirchenpolitik des Kaisers Valens, ohne jedoch den Dialog mit Andersdenkenden zu scheuen.

Schon kurz nach seinem Tod am 1. Januar 379 wurde Basilius von der Kirche als Heiliger verehrt. In der Orthodoxie gilt er seit dem 11. Jahrhundert als einer der „drei heiligen Hierarchen“ neben Gregor von Nazianz und Johannes Chrysostomos. Ikonen zeigen ihn als schlanken Mann mit scharfen Gesichtszügen, einem langen, spitz zulaufenden Bart und Bischofsgewand – Sinnbild seiner asketischen Lebensweise und geistigen Stärke.

Im griechisch-orthodoxen Brauchtum nimmt Basilius eine besondere Rolle ein. Sein Gedenktag, der 1. Januar, wird festlich begonnen (Namenstag von Vasiliki und Vassilios). Es ist Tradition, an diesem Tag die Vasilópita, einen Neujahrskuchen, anzuschneiden. In den Kuchen wird eine Münze eingebacken, die an Basilius‘ Wohltätigkeit erinnert. Wer die Münze in seinem Stück findet, gilt als der „Gesegnete des Jahres“.

Kinder besingen an Silvester und am Neujahrstag von Haus zu Haus das Ankommen des Heiligen, der ihnen am Neujahrstag Geschenke bringt – eine Parallele zu westlichen Weihnachtsbräuchen, die jedoch mit der Gestalt des heiligen Nikolaus verbunden sind.

Basilius der Große bleibt ein leuchtendes Beispiel für einen Glauben, der sich durch praktische Nächstenliebe und intellektuelle Tiefe auszeichnet. Seine Mönchsregeln betonen die Bedeutung der Gemeinschaft und die Verantwortung, die jeder Mensch gegenüber seinen Mitmenschen hat. Seine sozialethische Botschaft – dass Reichtum nur treuhänderisch verwaltet werden sollte – ist auch heute noch von beeindruckender Aktualität. (jk)

Foto: Hellas-Bote

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