Die Gewöhnliche Gelbflechte (Xanthoria parietina) fasziniert durch ihre auffallende Farbgebung und ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedenste Umweltbedingungen.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Natur & Umwelt – Diese blattförmige Flechte mit ihrer leuchtend gelben bis orangefarbenen Erscheinung ziert Baumrinden, Mauern und sogar Metalloberflächen. Sie dient nicht nur als optisches Highlight in der Natur, sondern spielt auch eine wichtige Rolle in ökologischen Kreisläufen und der Forschung.
Die Gewöhnliche Gelbflechte ist eine blattförmige Flechte, deren Lager bis zu 10 Zentimeter große Rosetten bildet. Ihre Lappen sind flach bis leicht konkav, 1 bis 5 Millimeter breit und zum Rand hin abgerundet. Die Oberfläche zeigt eine leuchtend gelbe bis orangegelbe Färbung, die im Schatten grüner wird. Auf der Unterseite befinden sich einfache helle Rhizinen. Auffallend sind die bis zu 4 Millimeter großen, orangefarbenen Apothecien, die meist in der Lagermitte gehäuft auftreten.
Die gelbe Farbe verdankt die Flechte dem Anthrachinon Parietin, das in Form kleiner Kristalle in der obersten Schicht des Cortex eingebettet ist. Diese Substanz schützt vor UV-Strahlung und Wasserverlust. Die Dicke des Lagers variiert mit der Lichtintensität: An sonnigen Standorten ist es dicker als im Schatten, wodurch die Algenpartner effektiv vor starker Strahlung geschützt werden.
Xanthoria parietina lebt in einer Symbiose mit Grünalgen der Gattung Trebouxia, darunter Trebouxia arboricola und Trebouxia irregularis. Diese Algen machen etwa 7 % des Thallus-Volumens aus und tragen durch Photosynthese zur Versorgung des Pilzpartners bei. Interessanterweise kommen diese Algen auch frei in der Natur vor.
Die Flechte besitzt keine vegetativen Ausbreitungsorgane wie Soredien oder Isidien. Die Symbiose zwischen Pilz und Algen muss in jedem Lebenszyklus neu gebildet werden. Hornmilben wie Trhypochtonius tectorum und Trichoribates trimaculatus spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung. In ihrem Kot finden sich sowohl Pilzsporen als auch Algenzellen, wodurch die Flechte neue Standorte besiedeln kann.
Xanthoria parietina bevorzugt stark gedüngete Standorte und siedelt sich häufig auf der Borke von Laubbäumen an. Sie kann jedoch auch auf Mauern, Beton, Steinen oder Metall wachsen. Diese Flechte ist in weiten Teilen Europas, Nordamerikas, Asiens, Afrikas und Australiens verbreitet und kommt sogar in Griechenland vor. In den letzten Jahrzehnten hat sie aufgrund steigender Stickstoffeinträge eine Massenvermehrung erlebt.
Die Gewöhnliche Gelbflechte zeichnet sich durch ihre Toleranz gegenüber Luftverschmutzung aus. Sie verträgt sowohl Bisulfite als auch Schwermetalle und wird deshalb oft als Bioindikator verwendet. Ein wässriger Extrakt der Flechte zeigte antivirale Eigenschaften und wurde früher als Heilmittel gegen Malaria genutzt. 2004 wurde Xanthoria parietina zur Flechte des Jahres gewählt. (pv)





