In der reichen Geschichte Griechenlands gibt es wenige Persönlichkeiten, die so strahlend und einflussreich waren wie Melina Mercouri. Ihre Lebensgeschichte ist ein beeindruckendes Zeugnis von Talent, Mut und unermüdlichem Einsatz für Kultur und Gerechtigkeit.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Geschichte – Geboren am 18. Oktober 1920 in Athen als Maria Amalia Mercouri, wuchs sie in einer prominenten Familie auf. Ihr Großvater, Spyros Mercouris, diente drei Jahrzehnte als Bürgermeister von Athen, während ihr Vater, Stamatis Mercouris, als Abgeordneter und Innenminister tätig war. Trotz der politischen Prägung ihrer Familie zog es Melina zur Kunst. Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung an der Schauspielschule des Nationaltheaters in Athen und debütierte 1944 auf der Bühne.
Ihr filmischer Durchbruch gelang 1955 mit „Stella“, einem Werk des renommierten Regisseurs Michalis Kakogiannis. Internationalen Ruhm erlangte sie jedoch 1960 durch den Film „Sonntags… nie!“ unter der Regie von Jules Dassin, den sie später heiratete. In der Rolle der lebensfrohen Ilya begeisterte sie Zuschauer weltweit, gewann den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Cannes und erhielt eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin. Das Titellied „Ta pedia tou Pirea“, von Manos Hadjidakis komponiert und von Mercouri selbst gesungen, wurde mit dem Oscar für den besten Filmsong ausgezeichnet.
Doch Melina Mercouri war weit mehr als eine gefeierte Schauspielerin und Sängerin. Während der dunklen Jahre der griechischen Militärdiktatur von 1967 bis 1974 lebte sie im Exil in Frankreich. Ihre offene Kritik am Regime führte zur Aberkennung ihrer griechischen Staatsbürgerschaft. Unbeirrt setzte sie ihren Widerstand fort und erklärte trotzig: „Ich bin als Griechin geboren und werde als Griechin sterben.“ Nach dem Sturz der Diktatur kehrte sie nach Griechenland zurück und engagierte sich politisch. 1977 wurde sie als Abgeordnete der sozialistischen PASOK-Partei ins Parlament gewählt, was das Ende ihrer Schauspielkarriere markierte.
Als Kulturministerin von 1981 bis 1989 und erneut von 1993 bis zu ihrem Tod im Jahr 1994 prägte sie die kulturelle Landschaft Europas nachhaltig. Auf ihre Initiative geht die Schaffung der „Kulturhauptstadt Europas“ zurück, die erstmals 1985 Athen diesen Titel verlieh. Zudem kämpfte sie leidenschaftlich für die Rückführung des Parthenon-Frieses aus dem British Museum nach Griechenland, ein Anliegen, das bis heute von großer Bedeutung ist.
Melina Mercouri verstarb am 6. März 1994 in New York City an den Folgen einer Krebserkrankung. Ihr Vermächtnis lebt jedoch weiter: Die von ihrem Ehemann gegründete Melina-Mercouri-Stiftung bewahrt ihr Andenken und fördert kulturelle Projekte. Zudem erinnert der jährlich verliehene Melina-Mercouri-Preis für die Bewahrung von Kulturlandschaften an ihr unermüdliches Engagement für Kultur und Erbe. (pv)
