Er frisst lautlos, bevorzugt die Dämmerung und hinterlässt dennoch unübersehbare Spuren: Der Gefurchte Dickmaulrüssler gehört zu jenen Insekten, die lange unentdeckt bleiben und erst dann Aufmerksamkeit erregen, wenn Pflanzen geschwächt, Blätter zerkerbt und Wurzelsysteme bereits schwer geschädigt sind.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Natur & Umwelt – Otiorhynchus sulcatus, auch Breitmaulrüssler genannt, ist ein Käfer aus der artenreichen Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und zählt heute weltweit zu den bedeutendsten Schädlingen im Zierpflanzenbau, in Baumschulen und in zahlreichen landwirtschaftlichen Kulturen. Seine enorme Anpassungsfähigkeit, seine versteckte Lebensweise und eine außergewöhnliche Fortpflanzungsstrategie machen ihn zu einem Paradebeispiel für den Erfolg invasiver Insektenarten in einer globalisierten Welt.

Die erwachsenen Käfer erreichen eine Körperlänge von etwa zehn Millimetern und wirken auf den ersten Blick unscheinbar. Ihr gedrungener, ovaler Körper ist auf der Oberseite schwarz gefärbt und mit dunkelbraunen Flecken durchsetzt, die Oberfläche erscheint gekörnt oder gerunzelt. Die stark verhärteten Deckflügel sind elliptisch geformt und an den Schultern auffällig abgerundet, was dem Tier ein gepanzertes Erscheinungsbild verleiht. Charakteristisch ist der kräftige Rüssel mit deutlich entwickelten Pterygien, muschel- oder ohrenförmigen Wülsten neben den Fühlergruben, die dem Käfer seinen deutschen Namen gegeben haben. Die Schenkel der Beine sind in der Mitte stark verdickt, was dem Dickmaulrüssler trotz fehlender Flugfähigkeit eine erstaunliche Beweglichkeit am Boden verleiht. Zwar können die Tiere nicht fliegen, doch sie legen zu Fuß beachtliche Strecken zurück und erschließen so neue Fraßpflanzen.
Die Larven unterscheiden sich deutlich von den erwachsenen Käfern, sind jedoch ebenso folgenschwer für die betroffenen Pflanzen. Sie sind gelblich-weiß gefärbt, beinlos, bauchwärts gekrümmt und besitzen eine markante braune Kopfkapsel. Mit einer Größe, die der der Imagines nahekommt, leben sie verborgen im Boden und ernähren sich von Wurzeln, Rhizomen und dem Wurzelhals ihrer Wirtspflanzen. Gerade diese unterirdische Lebensweise macht sie schwer zu entdecken und erklärt, warum Pflanzen häufig plötzlich welken oder absterben, ohne dass oberirdisch zunächst ein klarer Verursacher zu erkennen ist.
Der Gefurchte Dickmaulrüssler ist ausgesprochen polyphag und nutzt ein breites Spektrum an Wirtspflanzen. Besonders häufig betroffen sind Erdbeeren, Rhododendren, Kirschlorbeer, Pfaffenhütchen und Eiben, aber auch zahlreiche Stauden, Ziergehölze und landwirtschaftliche Kulturen stehen auf seinem Speiseplan. Die adulten Käfer fressen bevorzugt an Blättern, Knospen und jungen Trieben und verursachen den typischen Buchtenfraß: halbkreisförmige Einbuchtungen am Blattrand, die diesem ein zahnradartig gekerbtes Aussehen verleihen. Während diese Fraßschäden vor allem optisch ins Auge fallen, liegt die eigentliche Gefahr im Boden, wo die Larven durch ihren Wurzelfraß die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Pflanzen massiv beeinträchtigen.
Ursprünglich stammt die Gattung Otiorhynchus aus Europa und ist an gemäßigte Klimazonen angepasst. Der Gefurchte Dickmaulrüssler gilt in weiten Teilen Europas als heimisch, hat jedoch durch den internationalen Handel mit Pflanzenmaterial eine bemerkenswerte globale Verbreitung erfahren. Mit getopften Zierpflanzen, Substraten und Wurzelballen wurde er in zahlreiche Regionen der Welt verschleppt, darunter Nordamerika, Japan, Neuseeland, Südost-Australien und Tasmanien, wo er heute als invasiver Schädling große wirtschaftliche Schäden verursacht. Seine Fähigkeit, sich an unterschiedlichste klimatische Bedingungen und Pflanzensortimente anzupassen, hat seine Ausbreitung zusätzlich begünstigt.

Auch im Mittelmeerraum spielt der Gefurchte Dickmaulrüssler eine zunehmend wichtige Rolle, insbesondere in Griechenland. Dort trifft er auf milde Winter, lange Vegetationsperioden und eine Vielzahl geeigneter Wirtspflanzen in Gärten, Baumschulen und landwirtschaftlichen Betrieben. In urbanen Grünanlagen, privaten Gärten, aber auch im professionellen Zierpflanzen- und Obstbau werden regelmäßig Schäden festgestellt. Erdbeeranbaugebiete, Olivenhaine mit Unterpflanzungen, Zitrusgärten sowie mediterrane Ziergehölze bieten dem Käfer ideale Lebensbedingungen. Die Kombination aus intensiver Pflanzenproduktion, internationalem Pflanzenhandel und günstigen klimatischen Voraussetzungen hat dazu geführt, dass sich stabile Populationen etablieren konnten. In Griechenland wird der Gefurchte Dickmaulrüssler daher zunehmend als problematische invasive Art wahrgenommen, die nicht nur wirtschaftliche Verluste verursacht, sondern auch die Zusammensetzung lokaler Ökosysteme beeinflusst.
Ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg dieser Art liegt in ihrer Fortpflanzungsbiologie. Beim Gefurchten Dickmaulrüssler tritt häufig Parthenogenese auf, eine Form der Jungfernzeugung, bei der Weibchen ohne Befruchtung lebensfähige Nachkommen erzeugen. Die Populationen bestehen daher fast ausschließlich aus weiblichen Tieren, und bereits ein einzelnes eingeschlepptes Individuum kann ausreichen, um eine neue Population zu begründen. Jedes Weibchen legt im Laufe seines Lebens etwa 500 bis 1000 Eier, die ab Juni einzeln oder in kleinen Häufchen in den Boden oder an den Wurzelbereich der Fraßpflanzen abgelegt werden. Die zunächst weißen, später bräunlichen, nahezu kugeligen Eier haben einen Durchmesser von etwa 0,7 Millimetern. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die Larven und beginnen sofort mit dem Wurzelfraß.
Die Entwicklung verläuft über mehrere Larvenstadien, bevor sich das letzte Stadium zur Verpuppung eine kleine Erdhöhle anlegt. Die jungen Käfer schlüpfen meist Ende Mai oder Anfang Juni und erreichen nach vier bis fünf Wochen die Geschlechtsreife. In der Regel entwickelt sich unter natürlichen Bedingungen eine Generation pro Jahr. Überwintert wird überwiegend als Larve, seltener als Puppe oder ausgewachsener Käfer. Besonders auffällig sind zwei Phasen erhöhter Larvenaktivität: im Frühjahr, wenn überwinterte Altlarven wieder zu fressen beginnen, und im Herbst, wenn Junglarven aus der sommerlichen Eiablage heranwachsen.
Die Schäden, die der Gefurchte Dickmaulrüssler verursacht, sind vielfältig und können je nach Befallsstärke erheblich sein. Während Gehölze durch den Larvenfraß häufig Kümmerwuchs zeigen, reagieren krautige Pflanzen mit Welkeerscheinungen, Wachstumsstörungen und im Extremfall mit dem vollständigen Absterben. In Weinbau, Baumschulen, Erdbeeranlagen und im Zierpflanzenbau können die wirtschaftlichen Verluste beträchtlich sein. In Griechenland kommt hinzu, dass geschwächte Pflanzen anfälliger für Trockenstress sind, was in Zeiten zunehmender Sommertrockenheit die Auswirkungen des Befalls zusätzlich verstärkt.
Zur Bekämpfung des Gefurchten Dickmaulrüsslers stehen unterschiedliche Ansätze zur Verfügung. Während adulte Käfer prinzipiell mit Insektiziden erfasst werden können, gilt der Fokus der Bekämpfung vor allem den Larven im Boden, da sie den größten Schaden verursachen. Besonders bewährt hat sich der Einsatz entomopathogener Nematoden der Gattung Heterorhabditis. Diese winzigen Fadenwürmer dringen aktiv in die Larven ein und übertragen symbiotische Bakterien, die sich im Insektenkörper vermehren und diesen innerhalb weniger Tage abtöten. In mediterranen Ländern wie Griechenland profitieren diese biologischen Verfahren von den oft ausreichend warmen Bodentemperaturen, sofern eine ausreichende Bodenfeuchte gewährleistet ist. Ergänzend werden mechanische Maßnahmen wie das Absammeln der Käfer sowie pflanzenbauliche Strategien zur Stärkung der Bodengesundheit eingesetzt, um den Befallsdruck langfristig zu reduzieren. (jk)





