Sardiniens Schatz: Die vielschichtige Hauptstadt Cagliari

Die Stadt Caligari, offiziell Cagliari genannt, liegt an der Südküste Sardiniens und ist eine faszinierende Melange aus mediterraner Lebensart, jahrtausendealter Geschichte und lebendiger Gegenwart.
Von HB-Redakteur Dietmar Thelen

Weltweit/Sardinien – Schon bei der Ankunft über dem smaragdgrünen Golf von Cagliari eröffnet sich ein Panorama, das von der Natur wie auch vom Menschen geformt wurde: die Altstadt schmiegt sich an einen Hügel, an dessen Spitze das Castello-Viertel thront, die älteste und markanteste Bastion der Stadt.

Foto: Hellas-Bote

Cagliari ist weit mehr als nur die Hauptstadt Sardiniens – sie ist das historische, kulturelle und wirtschaftliche Herz der Insel. Ihre Ursprünge reichen zurück bis ins 8. Jahrhundert v. Chr., als phönizische Siedler hier einen strategisch günstigen Hafen gründeten. Später übernahmen die Karthager das Kommando, bis die Römer im Jahr 238 v. Chr. Sardinien zu einer ihrer ersten Provinzen machten. Unter dem Namen Caralis wurde die Stadt zu einem wichtigen Verwaltungszentrum des römischen Reiches. Noch heute zeugen antike Monumente wie das römische Amphitheater, das aus dem Felsen gehauen wurde und einst bis zu 10.000 Zuschauer fasste, von dieser glanzvollen Epoche.

Im Mittelalter geriet Cagliari in den Einfluss verschiedener Mächte – von Byzantinern über Pisaner bis hin zu den Aragonesen und Spaniern, deren architektonisches und kulturelles Erbe bis heute das Stadtbild prägt. Besonders das Castello-Viertel, von massiven Stadtmauern umgeben und durch mittelalterliche Tore zugänglich, spiegelt diesen wechselvollen Einfluss wider. Hier befinden sich nicht nur prachtvolle Palazzi mit farbenfrohen Fassaden, sondern auch die Kathedrale Santa Maria, deren barocke Fassade eine spätere Hinzufügung zur ursprünglich romanischen Struktur ist.

Foto: Hellas-Bote

Neben den Monumenten ist es der Charakter Cagliaris, der Besucher in seinen Bann zieht. In den engen Gassen der Altstadt duftet es nach Meeresbrise, Espresso und salzigem Gebäck. Auf der zentralen Flaniermeile Via Roma reihen sich elegante Cafés, Boutiquen und Märkte aneinander. Der Mercato di San Benedetto, einer der größten überdachten Märkte Europas, ist ein Fest für die Sinne – ein Ort, an dem fangfrischer Fisch, duftende Pecorino-Laibe, wild geerntete Myrtenbeeren und sardische Spezialitäten wie bottarga feilgeboten werden.

Cagliari ist eine Stadt der Gegensätze, in der Geschichte und Moderne, Natur und Urbanität auf einzigartige Weise koexistieren. Nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt liegt der Poetto-Strand – acht Kilometer feiner Sand, gesäumt von Bars und Restaurants, mit Blick auf die charakteristischen Silhouetten der Sella del Diavolo, dem „Teufelssattel“, um den sich zahlreiche Legenden ranken. Auch die Salinen rund um die Stadt sind ein Naturparadies, wo Flamingos auf einem Bein durch die seichten Lagunen waten und sich der Himmel rosa im Wasser spiegelt.

Diese Verbindung aus Geschichte, Kultur, Meer und Sonne macht Cagliari zu einem Reiseziel, das weit über das Klischee mediterraner Idylle hinausgeht. Es ist ein Ort, an dem jeder Stein eine Geschichte erzählt und jeder Sonnenuntergang das Versprechen eines neuen, unvergesslichen Tages in sich trägt. (dt)

Foto: Hellas-Bote