Rod Stewart entzündete die Lanxess-Arena in Köln

Die Lanxess-Arena war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Rod Stewart am Dienstagabend auf seiner „One More Time“-Tour die Bühne betrat. Rund 15.000 Fans hatten sich eingefunden, um den britischen Rockstar noch einmal live zu erleben – möglicherweise zum letzten Mal in Köln. Und gleich zu Beginn war klar: Von Ruhestand oder Müdigkeit war keine Spur.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler

Magazin – In strahlend weißem Bühnenlicht, die Kapitänsmütze leicht schief auf dem Kopf, eröffnete Stewart den Abend mit „I am sailing, I am sailing. Home again ‚cross the sea“. Die Projektionen im Hintergrund zeigten sanft rollende Wellen und einen leuchtenden Mond, während Stewart sich vor die Menge stellte und die ersten Töne mit seiner charakteristischen Reibeisenstimme intonierte. Schon nach den ersten Takten war die Stimmung ausgelassen, ein Meer aus Lichtern und jubelnden Armen erfüllte die Halle.

Foto: Hellas-Bote/Sabine Jandeleit

Die Show entwickelte sich schnell zu einer Mischung aus Party, Nostalgie und musikalischem Können. Trotz seines Alters wirkte Stewart energiegeladen, tänzelte über die Bühne, schäkert mit den Musikerinnen und genoss jede Minute. Nur gelegentlich brauchte er eine kurze Verschnaufpause, während die 13-köpfige Band in diesen Momenten Soli übernahm oder Stücke wie „I’m So Excited“ und „Proud Mary“ eigenständig performte.

Die Setlist war eine sorgfältige Mischung aus Klassikern und Coverversionen. „Twistin’ the Night Away“, „It Takes Two“ und „The First Cut Is the Deepest“ eröffneten den Abend fast wie eine bunte Revue auf einem Kreuzfahrtschiff. Zwischendurch überraschte Stewart mit Stepptanzeinlagen, die das Publikum ebenso faszinierten wie sein goldener Schuh, die weit geöffneten Hemden und die Leopardenjacke. Klassiker wie „Baby Jane“ und „Young Turks“ folgten, während die Halle mitsang und die Fans jeden Moment in sich aufnahmen.

Neben der Musik sorgten visuelle Highlights und humorvolle Einlagen für Unterhaltung. Fußbälle flogen ins Publikum bei „Da Ya Think I’m Sexy“, auf der Leinwand wurden Tore von Celtic Glasgow eingeblendet, Stewarts Lieblingsverein, und bei „Love Train“ regnete es bunte Luftballons von der Hallendecke. Stewart selbst fungierte dabei als Gastgeber seines eigenen Abends: Er tänzelte um seine Band, flüsterte Musikerinnen Ansagen ins Ohr, die sie ins Publikum übersetzten, und zog die Zuschauer immer wieder ins Geschehen hinein.

Besondere Momente entstanden bei ruhigeren Liedern wie „I’d Rather Go Blind“. Hier wurde die Bühne in schlichtes Schwarz-Weiß getaucht, Stewart sang voller Gefühl, ohne kitschig zu wirken, und bewies einmal mehr die Tiefe seiner Stimme. Auch bei „Some Guys Have All the Luck“ zeigte sich seine Spielfreude, als er den Refrain mit der Halle teilte und die Zuschauer in Bewegung setzte.

Trotz der sichtbaren Spuren seines Alters war der Abend eine Demonstration von Vitalität und Bühnenpräsenz. Stewart, der im kommenden Monat 81 Jahre alt wird und über 250 Millionen Tonträger verkauft hat, ließ keinen Zweifel daran, dass er den Rockstar-Geist noch immer in sich trägt. Die Stimmung der Fans war berauschend, jeder Song wurde gefeiert, jeder Klassiker mitgesungen. Die Begeisterung zeigte, dass die „One More Time“-Tour keineswegs nach einem endgültigen Abschied riecht.

Nach rund zwei Stunden erklang das finale „Love Train“, bunte Luftballons segelten durch die Halle, Stewart rief ein schnelles „I love you“ in die Menge, und der rote Vorhang senkte sich. Ein würdiger Abschluss eines Abends, der weit mehr als ein Konzert war: ein Fest der Musik, der Erinnerungen und der ungebrochenen Leidenschaft eines der größten Rockstars unserer Zeit. (sk)

Foto: Hellas-Bote/Sabine Jandeleit