Protesilaos ist eine tragische Gestalt aus der griechischen Mythologie, ein tapferer Fürst und Held des Trojanischen Krieges, der im 12. oder 13. Jahrhundert v. Chr. lebte. Als Sohn des Iphiklos und Gatte der Laodameia führte er 40 schwarze Schiffe aus Phylake in Thessalien nach Troja und wurde als erster Grieche im Kampf mit den Trojanern getötet, wie in der Ilias des Homer berichtet wird.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou
Götter & Gelehrte – Protesilaos (altgriechisch Πρωτεσίλαος Prōtesílaos, lateinisch Protesilaus) war einer der Freier von Helena und regierte als Fürst über Phylake und die umliegenden Gebiete. Kurz vor seinem Aufbruch nach Troja heiratete er Laodameia. Beim Ankommen der griechischen Flotte sprang er als erster ans trojanische Ufer, obwohl ein Orakelspruch prophezeit hatte, dass der erste Grieche, der asiatischen Boden betritt, auch als erster sterben müsse. Mutig stellte er sich diesem Schicksal, tötete mehrere Trojaner und fand schließlich durch die Hand des trojanischen Fürsten Aeneas (manchmal auch Hektor, Euphorbos, Achates oder Kyknos genannt) den Tod.
Seine junge Braut Laodameia bat die Götter, ihren Mann für kurze Zeit aus dem Hades zurückkehren zu lassen. Diese Bitte wurde ihr gewährt, und Protesilaos kehrte für drei Stunden in die Welt der Lebenden zurück. Als er wieder in den Hades hinabsteigen musste, folgte ihm Laodameia aus Verzweiflung in den Tod. Nach dem Tod von Protesilaos übernahm sein Bruder Podarkes die Führung der Truppen aus Phylake.
Protesilaos wurde als Held verehrt. In Elaios (auch: Eleus) an der Südspitze der Halbinsel Chersones befand sich seine Grabstätte, umgeben von einem Ulmenhain. Herodot berichtet von einem Kultbezirk mit einem Tempel (Heroon) und einer berühmten Orakelstätte, wahrscheinlich ein Traumorakel. Als die Chersones unter persischer Besatzung stand, raubte der persische Statthalter Artayktes die dort lagernden Schätze. Nachdem der athenische Feldherr Xanthippos die Chersones 478 v. Chr. eroberte, ließ er Artayktes für die Schändung der Grabstätte des Protesilaos kreuzigen.
Alexander der Große besuchte 334 v. Chr. vor seinem Persien-Feldzug das Grab des Protesilaos, um den Göttern zu opfern und sich der griechischen Öffentlichkeit als Nachfolger des mythischen Helden zu präsentieren. Der Dichter Euripides verfasste ein Drama mit dem Titel Protesilaos, von dem jedoch nur Fragmente überliefert sind. Die Stadt Elaios prägte zur Zeit des römischen Kaisers Commodus Münzen mit dem Bild des Protesilaos.
Im Britischen Museum in London und im Metropolitan Museum of Art in New York befinden sich Statuen, die möglicherweise Kopien einer Originalstatue aus dem 5. Jahrhundert sind und Protesilaos darstellen könnten. Der Mythos von Protesilaos und Laodameia fand auch auf römischen Sarkophagen häufigen Niederschlag. So bleibt Protesilaos nicht nur als erster gefallener Held des Trojanischen Krieges in Erinnerung, sondern auch als Symbol für Mut, Opferbereitschaft und die unvergängliche Macht der Liebe. (sd)

