Nahe der antiken Stadt Eretria auf der Insel Euböa führt die Schweizerische Archäologische Schule in Griechenland (SASSE) in Zusammenarbeit mit der Ephorie für Altertümer von Euböa ein Programm systematischer Oberflächenforschung in der Ebene von Eretria durch.
Aktuell – Im Zeitraum von 2021 bis 2025 wurden Oberflächenuntersuchungen in der Ebene zwischen der antiken Stadt Eretria und dem Artemis-Heiligtum in Amarynthos durchgeführt. Auf einer Fläche von 30 km² wurden über 200 Bauwerke erfasst und Hunderte von Funden geborgen – materielle Zeugnisse menschlicher Besiedlung von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter. Die Ergebnisse der Untersuchung liefern neue Erkenntnisse zur Landschaftsentwicklung und tragen zum Verständnis bei, wie die lokalen Gemeinschaften ihre natürliche Umwelt und die verfügbaren Ressourcen nutzten. Gleichzeitig wirft die Untersuchung Licht auf Aspekte der ländlichen Landschaft, der Landwirtschaft und des antiken Straßennetzes und ermöglicht so die Erforschung der Entwicklung der Stadt Eretria und der Einbindung des bedeutenden Artemis-Heiligtums in die antike Landschaft.
Die Methodik der Oberflächenforschung
Im Gelände werden Oberflächenfunde (Keramik und Keramikfragmente, Steinwerkzeuge) erfasst, georeferenziert und in ein Geographisches Informationssystem (GIS) eingepflegt, um die Konzentration archäologischer Funde präzise zu kartieren. Die Forschung nutzt zudem moderne Technologien wie die Fernerkundung mittels LiDAR, wodurch archäologische Überreste unter Vegetation (wie Mauern, Terrassen und antiken Wegen) detektiert werden können.
Neue Daten
Die Kombination aus Feldbeobachtungen und technologischen Methoden legte ein komplexes Netzwerk frei: etwa zehn Siedlungen, die als antike Gemeinden, Bauernhöfe, Friedhöfe, Steinbrüche, in Stein gehauene Olivenmühlen, mittelalterliche Kapellen und Abschnitte alter Straßen interpretiert werden. Diese Untersuchungen ermöglichen eine neue Lesart der Landschaft und der historischen Prozesse, die sie über die Jahrhunderte prägten, und liefern wertvolle Daten zu Aspekten wie Ökologie, Landwirtschaft, Siedlungsentwicklung, Wirtschaft, Transport, Handel und sozialem Zusammenhalt. Gleichzeitig stellen sie ein Instrument zum Schutz eines durch die moderne Urbanisierung bedrohten Kulturerbes dar.
Durch die Kombination der Ergebnisse der Oberflächenforschung mit den Erkenntnissen aus den Ausgrabungen in der Stadt Eretria und dem Heiligtum der Artemis Amarysia schaffen die Archäologen nun einen einzigartigen Datensatz für die Erforschung der Entwicklung der Region vom Ende des Neolithikums bis zur Neuzeit (19. Jahrhundert).
An jeder Forschungsphase waren Archäologen, Geomorphologen und Archäologiestudierende aus der Schweiz, Griechenland und anderen europäischen Universitäten beteiligt. Unter der Anleitung erfahrener Forscher wirkten junge Archäologen in allen Phasen mit, von der Datenerhebung bis zur Analyse.
Forschungsprogrammleitung: A. G. Simosi (Ehrenkurator für Altertümer), S. Fachard (EASE). Grabungsleitung: O. Kyriazi (EFAEVB), Ch. Chezeaux (EASE). (opm)





