Der Kerkini-See ist weit mehr als nur ein Wasserreservoir. Dieses Naturwunder, eingebettet zwischen majestätischen Bergen und unberührten Feuchtgebieten, vereint Hochwasserschutz, Artenvielfalt und Tourismus auf beeindruckende Weise.
Von HB-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz
Reisen – Als drittgrößter Stausee Griechenlands ist der Kerkini-See ein unverzichtbares Element für das ökologische Gleichgewicht der Region Zentralmakedonien. Inmitten dieser malerischen Landschaft, an der Schnittstelle von Natur und menschlicher Intervention, entfaltet sich eine reiche Geschichte, die das Zusammenspiel von Natur, Technik und Mensch erzählt.
Der Kerkini-See liegt im Nordwesten des Regionalbezirks Serres, umgeben von einer malerischen Kulisse, die von den Gipfeln des Beles- (auch Kerkini genannt) und Orvilos-Gebirges dominiert wird. Diese Bergmassive ragen majestätisch über den See hinaus, dessen Wasserfläche je nach Jahreszeit und Wasserstand variiert. Der Strymonas-Fluss, der sich durch den Roupel-Pass schlängelt, wird durch den See aufgestaut und verleiht ihm seine dynamische Geografie.

Das Westufer des Sees ist geprägt von den steilen Ausläufern des Mavrovouni-Gebirges, während das Ostufer sanft in den weiten Ebenen des Strymonas ausläuft und die Dörfer Sidirokastro, Promachonas und Strymoniko verwaltet. Dieses Zusammenspiel von Berg und Ebene verleiht dem See seinen einzigartigen Charakter und schafft eine kontrastreiche Landschaft, die gleichermaßen als Lebensraum für Wildtiere und als Erholungsgebiet für den Menschen dient.
Der Kerkini-See wurde ursprünglich in den 1930er Jahren als Hochwasserschutzmaßnahme für die Region errichtet. Der Staudamm, der sich bei der Ortschaft Lithotopos im Südosten des Sees befindet, reguliert den Wasserstand des Strymonas und schützt die flussabwärts gelegenen Gebiete vor verheerenden Überschwemmungen. Im Laufe der Zeit hat der See jedoch auch eine immense Bedeutung für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen erlangt. Diese Doppelfunktion als Wasserspeicher und Schutzwall gegen Naturkatastrophen macht den Kerkini-See zu einem unverzichtbaren Bestandteil des regionalen Wassermanagements.
Im Jahr 1982 wurde der Damm modernisiert, um dem zunehmenden Sedimenteintrag des Strymonas und den damit verbundenen Kapazitätsverlusten entgegenzuwirken. Seitdem spielt der See eine noch größere Rolle in der landwirtschaftlichen Versorgung der Region und gewährleistet gleichzeitig den Schutz vor Naturkatastrophen.
Heute ist der Kerkini-See nicht nur ein technisches Bauwerk, sondern auch eines der bedeutendsten Feuchtbiotope Europas. Unter dem Schutz der internationalen RAMSAR-Konvention sowie des europäischen NATURA-2000-Netzwerks überwacht der See eine unglaubliche Artenvielfalt. Über 300 Vogelarten, darunter seltene Zugvögel wie der Rosapelikan und der Seeadler, machen den Kerkini-See zu einem Paradies für Ornithologen und Naturfreunde. Auch 30 Arten von Süßwasserfischen tummeln sich in den klaren Gewässern des Sees, während sich in den umliegenden Wäldern Wölfe und andere seltene Tierarten angesiedelt haben.
Die einzigartige Mischung aus Feuchtgebieten, offenen Wasserflächen und bewaldeten Ufern bietet ideale Bedingungen für die Tierwelt und macht den Kerkini-See zu einem der wertvollsten ökologischen Rückzugsorte in Griechenland.

Der Kerkini-See ist nicht nur für seine Naturschönheiten bekannt, sondern auch verkehrstechnisch gut erschlossen. Die Nationalstraßen 63 und 65, die den See umgeben, ermöglichen eine bequeme Anreise aus dem griechischen Inland als auch aus dem benachbarten Bulgarien. Die Eisenbahnlinie, die von Thessaloniki nach Sofia verläuft, passiert den See ebenfalls, was ihn zu einem beliebten Ziel für Tagesausflüge und längere Aufenthalte macht.
Die zunehmende Erschließung des Sees für den Tourismus in den 1990er und 2000er Jahren hat zu einem wachsenden Interesse an der Region geführt. Gleichzeitig stellt die intensive menschliche Nutzung eine Herausforderung für das fragile ökologische Gleichgewicht des Sees dar. Verschmutzung und übermäßige Wasserentnahme bedrohen das Feuchtbiotop, was die Bedeutung eines nachhaltigen Umgangs mit dieser sensiblen Landschaft unterstreicht. (cs)




