Im Herzen des Ambrakischen Golfs, etwa 17 Kilometer südlich der Stadt Arta, erhebt sich die malerische Insel Koronisia aus den sanften Wellen des Ionischen Meeres.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Reisen – Mit einer bescheidenen Fläche von 26,6 Hektar und einer Höhe von lediglich fünf Metern über dem Meeresspiegel mag sie auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Doch bei näherer Betrachtung offenbart Koronisia eine reiche Geschichte, beeindruckende Natur und kulturelle Schätze, die sie zu einem wahren Kleinod Griechenlands machen.
Koronisia bildet zusammen mit den benachbarten Inselchen Pethameno und Peranisi eine harmonische Inselgruppe, die durch schmale Nehrungen miteinander verbunden ist. Diese natürlichen Dämme umschließen die idyllische Sakouletsi-Lagune und schaffen ein einzigartiges Ökosystem. Nördlich der Insel erstreckt sich die ausgedehnte Logarou-Lagune, die größte ihrer Art im Ambrakischen Golf. Eine etwa sechs Kilometer lange Nehrung mit asphaltierter Straße verbindet Koronisia mit dem Festland bei Kap Salaora, während eine weitere, vier Kilometer lange Nehrung zum Schwemmland des Arachthos-Deltas führt. Diese geografische Besonderheit macht die Insel sowohl zu Land als auch zu Wasser erreichbar und unterstreicht ihre besondere Lage im Zusammenspiel von Land und Meer.
Die natürliche Schönheit Koronisias wird durch ihre Rolle als Zentrum eines bedeutenden Natur- und Vogelschutzgebiets hervorgehoben. Dieses Schutzgebiet umfasst die Logarou-Lagune sowie das Arachthos-Delta und bietet zahlreichen Wasservögeln, darunter dem majestätischen Krauskopfpelikan und verschiedenen Reiherarten wie dem Rallen- und Purpurreiher, einen geschützten Lebensraum. Die unberührten Feuchtgebiete und die reiche Biodiversität ziehen Naturliebhaber und Ornithologen aus aller Welt an, die hier seltene Vogelarten in ihrem natürlichen Habitat beobachten können.
Die Geschichte Koronisias ist ebenso faszinierend wie ihre Natur. Historische Aufzeichnungen des Osmanischen Reichs aus dem Jahr 1895 dokumentieren eine bescheidene Bevölkerung von 85 Einwohnern. Nach der Eingliederung in den griechischen Staat im Jahr 1913 wurde die Insel 1919 als eigenständige Landgemeinde anerkannt. Im Laufe der Jahrzehnte erlebte Koronisia administrative Veränderungen, die ihre Zugehörigkeit zu verschiedenen Präfekturen betrafen, bevor sie schließlich 2011 als Ortsgemeinschaft in die Gemeinde Arta integriert wurde. Diese wechselvolle Geschichte spiegelt die dynamischen politischen und sozialen Entwicklungen der Region wider.
Ein kulturelles Highlight der Insel ist die der Muttergottes geweihte, dreischiffige Kirche aus der spätbyzantinischen Epoche. Ihre Ursprünge reichen bis ins späte 10. Jahrhundert zurück, und sie war einst Teil eines Klosters, das erstmals 1193 urkundlich erwähnt wurde. Obwohl das Kloster 1918 aufgegeben wurde, dient die Kirche nach mehreren Renovierungen heute als Pfarrkirche und zeugt von der tief verwurzelten spirituellen Tradition der Insel. Eine kleine Kapelle, die dem Heiligen Onuphrios von Preveza gewidmet ist, ergänzt das religiöse Erbe Koronisias.
Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk ist die kleine Festung im Süden der Insel, bekannt als Koulia. Errichtet zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter der Herrschaft von Ali Pascha Tepelena, wurde sie in jüngerer Zeit umfassend restauriert und dient heute als Kulturzentrum. Diese Festung, baugleich mit der Festung Laskara nahe Preveza, erzählt von den strategischen Überlegungen und der militärischen Architektur vergangener Zeiten.
Die Bewohner Koronisias haben ihre traditionellen Lebensweisen bewahrt und sind bis heute hauptsächlich im Fischfang tätig. Ein kleiner Hafen im Südwesten der Insel bildet das Zentrum dieser Tätigkeit. In den letzten Jahren hat jedoch auch der Tourismus an Bedeutung gewonnen. Die flachen, kinderfreundlichen Strände und die unberührte Natur machen Koronisia zu einem attraktiven Ziel für Reisende, die abseits der ausgetretenen Pfade das authentische Griechenland erleben möchten. Die Kombination aus kulturellem Erbe, natürlicher Schönheit und herzlicher Gastfreundschaft verleiht der Insel einen unverwechselbaren Charme. (jk)
