Kardienstag – Das Gleichnis der zehn Jungfrauen als Mahnung zur Wachsamkeit

Am heutigen Kardienstag (Μεγάλη Τρίτη) gedenkt die griechisch-orthodoxe Kirche des Gleichnisses von den zehn Jungfrauen, das im Matthäusevangelium (Mt 25,1–13) überliefert ist. Dieses Gleichnis steht im Zentrum der liturgischen Feierlichkeiten und ruft die Gläubigen zur geistigen Wachsamkeit und Barmherzigkeit auf.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou

Aktuell – In der orthodoxen Tradition symbolisieren die zehn Jungfrauen die Menschheit, die auf das Kommen Christi, des Bräutigams, wartet. Fünf von ihnen gelten als klug, da sie neben ihrer Jungfräulichkeit auch das „Öl der Barmherzigkeit“ mit sich führen – ein Sinnbild für gute Werke und Nächstenliebe. Die anderen fünf werden als töricht bezeichnet, weil sie zwar die äußere Form der Frömmigkeit besitzen, jedoch ohne Barmherzigkeit und gute Taten sind. Dieses Gleichnis betont, dass nicht allein der äußere Schein, sondern vor allem die innerliche Vorbereitung und tätige Nächstenliebe entscheidend für das Heil sind.

Die Kirchenväter interpretierten das Gleichnis allegorisch: So sah Augustinus die zehn Jungfrauen als Symbol für die fünf Sinne, die sowohl weise als auch töricht genutzt werden können. Hilarius von Poitiers deutete die Lampen als das Licht der Seelen, das im Sakrament der Taufe erstrahlt, während das Öl für gute Werke steht. Chrysostomos hingegen verstand das Öl als Ausdruck von Nächstenliebe und Almosen.

In der Ikonographie wurde das Gleichnis vielfach dargestellt, etwa im Magdeburger Dom, wo die klugen und törichten Jungfrauen als Mahnung zur geistigen Wachsamkeit und Vorbereitung auf das Jüngste Gericht dienen. Der Kardienstag erinnert somit eindringlich daran, dass der Glaube nicht nur in äußeren Formen bestehen darf, sondern durch tätige Nächstenliebe und Barmherzigkeit lebendig wird. Die Gläubigen sind aufgerufen, stets wachsam zu sein und sich auf das Kommen Christi vorzubereiten. (mv)

Foto: Hellas-Bote/KI