Heilige Versammlung: Die Tradition der Synaxis in der östlichen Christenheit

Die Synaxis ist eine tief verwurzelte liturgische Tradition der östlichen Christenheit. Sie beschreibt die feierliche Versammlung von Klerus und Gläubigen, die insbesondere in der Orthodoxen Kirche sowie in den mit Rom unierten Ostkirchen zelebriert wird. Die Synaxis findet zu bedeutenden Anlässen statt und umfasst gottesdienstliche Feierlichkeiten wie Vespern, Matutinen und die Heilige Liturgie.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou

Götter & Gelehrte – In Konstantinopel war es über Jahrhunderte hinweg Brauch, dass sich Gläubige und Kleriker an bestimmten Festtagen an einer Kirche versammelten, die dem Heiligen des jeweiligen Festes geweiht war. Diese Zusammenkünfte, die als synaxeis (Plural von Synaxis – σύναξις;) bezeichnet wurden, erhielten nach und nach eigene Liturgien, die speziell für den jeweiligen Feiertag verfasst wurden.

Ein typisches Beispiel ist die Feier der Epiphaniasliturgie in der Hagia Sophia, die die Offenbarung der Heiligen Dreifaltigkeit bei der Taufe Jesu im Jordan zelebriert. Am darauf folgenden Tag wird die Synaxis zu Ehren Johannes des Täufers abgehalten, indem die Gläubigen in der ihm gewidmeten Kirche zusammenkommen.

Mit der Zeit verbreitete sich diese Tradition und wurde fester Bestandteil der liturgischen Praxis in allen Kirchen des byzantinischen Ritus. Die Verehrung der in der Synaxis genannten Heiligen erfolgt im Rahmen der liturgischen Texte, insbesondere im sogenannten Synaxarion.

Synaxis als Gedächtnisfeier für mehrere Heilige

Neben der Ehrung einzelner Heiliger dient die Synaxis auch dem kollektiven Gedenken mehrerer Heiliger. So wird etwa bei der Synaxis der Siebzig Jünger an die erweiterte Jüngerschaft Jesu erinnert. Obwohl jeder der siebzig Apostel einen eigenen Gedenktag hat, wird ihr gemeinsames Wirken in der Synaxis besonders hervorgehoben.

Die meisten Synaxeis sind fest an einen bestimmten Tag im orthodoxen Kirchenjahr gebunden. Einige Feiern jedoch, insbesondere jene, die in den Osterzyklus eingebunden sind, bewegen sich kalenderabhängig mit dem Osterfest und können somit variieren.

Die Tradition der Synaxis ist im byzantinischen Ritus tief verwurzelt. Zu den bedeutendsten und universell gefeierten Synaxeis gehören:

Synaxis der Theotokos (26. Dezember)
Synaxis des Wegbereiters (7. Januar)
Synaxis der Siebzig Jünger (4. Januar)
Synaxis der Drei Großen Hierarchen (30. Januar)
Synaxis des Erzengels Gabriel (26. März & 13. Juli)
Synaxis der Zwölf Apostel (30. Juni)
Synaxis der Erzengel Michael und der anderen himmlischen Mächte (8. November)
Synaxis der Heiligen Väter der Ökumenischen Konzilien an verschiedenen Daten im Kirchenjahr.

Zusätzlich existieren regionale Variationen der Synaxis, die auf lokalen Traditionen beruhen und sich je nach kirchlicher Zugehörigkeit unterscheiden können. (mv)

Synaxis der Zwölf Apostel (30. Juni) – Foto: Hellas-Bote