Fury in the Slaughterhouse rockten Geldern

Ein Abend zwischen Festivalstimmung, Nostalgie und neuen Tönen im Waldfreibad Walbeck.
Von HB-Redakteurin Nadja Becker

Magazin – Es war einer dieser Sommerabende, an denen die Zeit stillzustehen scheint. Zwischen Kiefern, Freibad-Atmosphäre und tausenden erwartungsvollen Stimmen begann das Geldern Open Air – und mittendrin: Fury in the Slaughterhouse. Die Band, die seit den 80ern deutsche Rockgeschichte schreibt, trat vor rund 3.500 Fans auf, und schon beim ersten Song war klar: Auch wenn die Musiker inzwischen über 60 sind – ihre Musik trifft immer noch mitten ins Herz.

Foto: Hellas-Bote/Maris Rietrums

Sänger Kai Wingenfelder nahm es locker: Mal saß er entspannt im Sessel, mal kletterte er mit sichtbarer Mühe über die Absperrungen. Bruder Thorsten, fast 60, kommentierte selbstironisch die lange Reise der Band, die 2026 ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Gitarrist Christof Stein-Schneider sorgte derweil für Lacher, als er sich mitten im Set ein Bier aus dem Bühnenkühlschrank holte: „Hier ist es ganz schön trocken!“ Fury spielten nicht die jugendlichen Rebellen, sie spielten die reiferen Musiker, die sie heute sind – und genau das machte den Abend authentisch.

Natürlich warteten alle auf die großen Hymnen: „Radio Orchid“, „Won’t Forget These Days“ oder „Time to Wonder“. Wenn diese Klassiker erklangen, stimmte der ganze Platz ein. Die Handys leuchteten, aber weniger als Taschenlampen – eher, um den Moment festzuhalten.

Zwischendurch wagten die Hannoveraner den Sprung in die Gegenwart: Stücke wie „Sorrowland“ oder ein brandneuer, noch unveröffentlichter Song erinnerten daran, dass Fury längst nicht nur auf der Retro-Welle surfen. Die Band hat noch etwas zu sagen – musikalisch wie politisch. Besonders deutlich wurde das, als bei „Every Generation“ Bilder von Trump, Musk und der AfD über die Leinwand flimmerten.

Foto: Hellas-Bote/Inge Kroese

Ganz perfekt war der Abend nicht: Der teuer abgetrennte Bereich direkt vor der Bühne blieb lichter gefüllt, als es den Musikern lieb sein konnte. „Das hier ist irgendwie schief gebaut“, witzelte Stein-Schneider über die etwas merkwürdige Anlage. Doch diese kleine Delle in der Atmosphäre ging unter, sobald Gero Drnek bei „Trapped Today, Trapped Tomorrow“ sein Gitarrensolo ansetzte – ein Moment, der zeigte, warum Fury auch fast 40 Jahre nach ihrer Gründung noch relevant sind.

Nach dem offiziellen Ende war längst nicht Schluss: Das Publikum sang einfach weiter, bis die Band zurückkam und Zugaben spielte. Und während die letzten Akkorde verklangen, war allen klar: Das war kein nostalgisches Abhaken vergangener Zeiten, sondern ein Versprechen für die Zukunft. Denn 2025 geht es weiter mit Fury Live Twenty Five – einer großen Sommertour, einem neuen Album in Arbeit und jeder Menge Energie. „The best is yet to come“, verspricht Wingenfelder. Und wer den Abend in Geldern erlebt hat, der glaubt ihm jedes Wort. (nb)

Foto: Hellas-Bote/Inge Kroese