Dreiband-WM: Polychronopoulos trotzt Weltmeister Jaspers ein Remis ab

In der Viersener Festhalle hat gestern die 38. Dreiband-Team-Weltmeisterschaft mit jener Mischung aus Präzision, Geduld und dramatischer Verdichtung begonnen, die diese Disziplin seit Jahrzehnten prägt.
Von HB-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz

Aktuell – Sechzehn Nationen sind an den deutschen Niederrhein gereist, um bis Sonntagabend den Nachfolger des Titelverteidigers Niederlande zu ermitteln. Doch zum Auftakt richtete sich der Blick weniger auf die Favoritenrolle des Weltmeisters als auf die bemerkenswerte Aufholjagd von Nikos Polychronopoulos, der am ersten Tag gemeinsam mit Dimitrios Selevantas gegen die Niederlande anstrat.

Foto: Hellas-Bote/Rita Stertz

Nikos Polychronopoulos, seit Jahrzehnten das Gesicht des griechischen Dreibands, trotzte im Spitzenspiel keinem Geringeren als Dick Jaspers ein Unentschieden ab. Es war ein Duell, das nicht nur die Gruppe C eröffnete, sondern auch ein Schlaglicht auf die Kräfteverhältnisse im internationalen Karambolagesport warf. Jaspers, der im Vorjahr an gleicher Stelle gemeinsam mit Jean Paul de Bruijn den Titel gegen Vietnam gesichert hatte, gilt aktuell als Maßstab. Polychronopoulos hingegen kommt aus einem Land ohne gewachsene Ligastrukturen, ohne regelmäßigen nationalen Wettbewerb – und doch begegnete er dem Weltmeister auf Augenhöhe.

Die Partie entwickelte sich zu einem taktisch geprägten Ringen um Rhythmus und Position. Polychronopoulos begann kontrolliert, suchte die langen Wege über drei Banden mit kalkulierter Sicherheit und vermied jedes unnötige Risiko. Jaspers antwortete mit jener Präzision, die ihn seit Jahren auszeichnet. Als die Punktzahl schließlich das Remis besiegelte, war es weniger ein Kompromiss als vielmehr Ausdruck zweier gleichwertiger Vorstellungen von Weltklasse.

Foto: Hellas-Bote/Rita Stertz

Für Griechenland, das im internationalen Vergleich nicht als klassische Billardnation gilt, hatte dieses Unentschieden Signalwirkung. Polychronopoulos, geboren am 24. März 1978 in Athen, wuchs im Stadtteil Colonos auf, nur wenige Kilometer vom historischen Zentrum entfernt. Er ist Einzelkind, Sohn eines Hafenkapitäns, und fand seine Leidenschaft für das Billardspiel ausgerechnet während eines Ferienaufenthaltes in Antwerpen, in einem Café, in dem die Kugeln über das Tuch liefen. Anders als viele seiner Konkurrenten ist er weitgehend Autodidakt geblieben; sein Vater war der erste und einzige Trainer. Die Grundlagen erlernte er in der Freien Partie und im Cadre 47/2, ehe er sich seit den 1990er Jahren ausschließlich dem Dreiband verschrieb. Privat lebt er mit seiner Frau Vasso Tatsi, die er 2009 heiratete, in Ilioupoli südöstlich von Athen. Während seiner Turnierreisen führt sie den gemeinsamen Billardsalon, in dem Polychronopoulos als Manager mit zwei Angestellten seinen Lebensunterhalt bestreitet – ein Kontrast zu den professionellen Strukturen in den Niederlanden, Belgien oder Deutschland.

Neben dem Routinier rückte in Viersen auch ein junger Grieche in den Fokus: Dimitrios Selevantas, Jahrgang 2002, der bereits im vergangenen Jahr aufhorchen ließ. Gegen den Niederländer Glenn Hofmann jedoch zahlte er Lehrgeld. Hofmann setzte sich klar mit 40:22 durch und sicherte damit den 3:1-Erfolg der Niederlande im Mannschaftsduell. Selevantas begann mutig, suchte offensive Lösungen. Doch Hofmann konterte mit kontrollierter Positionsarbeit und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. In einer Vorrundengruppe, in der auch Schweden mit einem Auftaktsieg aufwartete – David Pennor entschied seine Partie, während Torbjörn Blomdahl remisierte –, ist damit früh Spannung angelegt.

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Abseits der griechisch-niederländischen Konstellation nahm das Turnier rasch Fahrt auf. In Gruppe D erwischte Spanien einen Traumstart: Gegen Ägypten gelang ein 4:0, am Abend folgte ein weiteres 4:0 gegen Südkorea. Ruben Legazpi und Sergio Jimenez präsentierten sich in bestechender Form und stehen bereits als erster Viertelfinalteilnehmer fest. Ägypten und die USA trennten sich derweil 2:2; Pedro Piedrabuena glich eine Niederlage von Raymon Groot gegen Sameh Sidhom aus, indem er Mahmoud Ayman bezwang.

Auch die deutsche Auswahl setzte ein frühes Ausrufezeichen. Gegen Frankreich gelang ein 4:0-Erfolg, wobei insbesondere Amir Ibraimov mit konsequentem Spiel überzeugte. Martin Horn rang Jeremy Bury in einer dramatischen Schlussphase mit 40:38 nieder, angetrieben von lautstarker Unterstützung der heimischen Zuschauer. Vietnam bezwang Mexiko mit 3:1, die Türkei setzte sich gegen Jordanien mit 3:1 durch, Kolumbien gewann gegen Japan klar mit 4:0. Schweden schlug Belgien mit 3:1. (nb)

Foto: Hellas-Bote/Rita Stertz