Am 30. Januar feiert die orthodoxe Kirche das Fest der Heiligen Drei Hierarchen – Basilius der Große, Gregor der Theologe und Johannes Chrysostomos.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Götter & Gelehrte – Diese drei Kirchenväter des 4. Jahrhunderts prägten nicht nur die Theologie des Christentums, sondern formten auch das geistliche und intellektuelle Erbe der orthodoxen Tradition. Sie waren nicht nur Bischöfe und Prediger, sondern auch Philosophen, Gelehrte und mutige Verteidiger des wahren Glaubens. Ihr Festtag ist zugleich ein Symbol der Einheit und ein bedeutender Feiertag für Bildungs- und Kultureinrichtungen im griechischen Raum.
Basilius von Caesarea (330–379) war nicht nur ein herausragender Theologe, sondern auch ein entschlossener Wohltäter. Seine berühmte Basilika – ein Komplex aus Waisenhäusern, Krankenhäusern und Speisehallen für Bedürftige – setzte Maßstäbe für soziale Fürsorge in der christlichen Welt. Als Metropolit von Caesarea kämpfte er gegen den Arianismus und verteidigte die Lehre der Dreifaltigkeit. Seine asketischen Schriften bilden bis heute die Grundlage des orthodoxen Mönchtums.
Gregor von Nazianz (329–390) war ein brillanter Rhetoriker und einer der tiefgründigsten Theologen der alten Kirche. Seine Predigten zur Dreifaltigkeit gehören zu den bedeutendsten Werken der christlichen Theologie. Als Metropolit von Konstantinopel führte er die Kirche durch schwere theologische Auseinandersetzungen und trug wesentlich zur Überwindung des Arianismus bei. Sein literarisches Werk zeugt von einer einzigartigen Synthese aus klassischer Bildung und christlichem Glauben.
Johannes Chrysostomos (344–407) war einer der größten Prediger der Kirchengeschichte. Seine Reden waren kraftvoll, bildhaft und voller sozialer Kritik. Als Erzbischof von Konstantinopel kämpfte er gegen Korruption und Luxus in der Kirche und wurde dafür ins Exil geschickt. Seine zahlreichen Schriften, darunter moralische Abhandlungen, Exegesen und Briefe, beeinflussen die orthodoxe Liturgie bis heute. Die nach ihm benannte „Göttliche Liturgie des Heiligen Johannes Chrysostomos“ ist die am häufigsten gefeierte Messe der orthodoxen Kirche.
Im 11. Jahrhundert entbrannte in Konstantinopel ein Streit darüber, welcher der drei Hierarchen der bedeutendste sei. Anhänger von Basilius lobten seine asketische Strenge, die Verehrer von Gregor hoben seine Theologie hervor, und die Bewunderer von Johannes Chrysostomos feierten dessen Predigtkunst. Doch im Jahr 1084 erschienen die drei Heiligen dem Bischof Johannes Mauropous von Euchaita in einer Vision und erklärten, dass sie vor Gott gleich seien. Daraufhin wurde ihr gemeinsamer Festtag am 30. Januar eingeführt, um die Einheit des Glaubens zu symbolisieren – dennoch haben sie alle auch ihren eigenen Gedenktag: Basilius: 1.1., Gregor: 25.1., Johannes: 13.11.
Die Drei Hierarchen sind nicht nur Heilige der Orthodoxie, sondern auch Brückenbauer zwischen den christlichen Konfessionen. Ihr Gedenktag wird in Griechenland als Schul- und Universitätsfeiertag begangen, um ihre Bedeutung für Bildung und Kultur zu unterstreichen. Ihr Vermächtnis bleibt lebendig – in den Lehren der Kirche, in der Liturgie und in der unermüdlichen Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und spiritueller Erneuerung. (mv)





