Dionysios Solomos: Poet der Freiheit und Stimme Griechenlands

In den bewegten Zeiten des frühen 19. Jahrhunderts, als Griechenland nach Jahrhunderten osmanischer Herrschaft nach Selbstbestimmung strebte, erhob sich eine literarische Stimme, die zum Symbol des nationalen Erwachens werden sollte: Dionysios Solomos.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris

Geschichte – Geboren am 8. April 1798 auf der ionischen Insel Zakynthos, wuchs Solomos in einer Epoche des Umbruchs und der Sehnsucht nach Freiheit auf.​
Seine frühen Jahre verbrachte er in Italien, wo er an der Universität Pavia Rechtswissenschaften studierte. Dort kam er in Kontakt mit den Strömungen der europäischen Romantik und begann, in italienischer Sprache zu dichten. Doch die Liebe zu seiner Heimat und deren kulturellen Wurzeln zog ihn zurück nach Griechenland, wo er sich fortan der griechischen Sprache und Literatur widmete.​

Grab des griechischen Schriftstellers Dionysios Solomos im Museum von Dionysios Solomos und anderen berühmten Zakynthern. Zakynthos (Stadt) – Foto: Von Christaras A, CC BY 3.0, wikimedia.org

Solomos erkannte die Kraft der Volkssprache, der Dimotiki, und setzte sich leidenschaftlich für deren literarische Anerkennung ein. In seinem „Dialog über die Sprache“ (Διάλογος, 1824) kontrastierte er die lebendige Volkssprache mit der starren, antikisierenden Reinsprache und plädierte für eine Literatur, die sich authentisch aus dem Sprachschatz des Volkes speist.​

Sein wohl bedeutendstes Werk, die „Hymne an die Freiheit“ (Ύμνος εις την Ελευθερίαν), verfasste er 1823. Dieses epische Gedicht mit 158 Strophen fängt die Essenz des griechischen Unabhängigkeitskampfes ein und wurde später von Nikolaos Mantzaros vertont. 1865 wurde es offiziell zur Nationalhymne Griechenlands ernannt und 1966 auch von Zypern übernommen. Bemerkenswert ist, dass die Hymne mit ihren 158 Strophen als die längste Nationalhymne der Welt gilt.​

Solomos Dichtkunst zeichnet sich durch eine tiefe Verwurzelung in der griechischen Tradition und zugleich durch eine Offenheit für europäische Einflüsse aus. Seine Werke, darunter „Die freien Belagerten“ (Ελεύθεροι Πολιορκημένοι) und „Auf den Tod von Lord Byron“ (Εις το θάνατο του Λορδ Μπάιρον), reflektieren die Kämpfe und Hoffnungen seiner Zeit und verleihen dem griechischen Freiheitsstreben eine poetische Stimme.​

Trotz seiner literarischen Bedeutung blieb der große Ruhm zu Lebzeiten aus. Dennoch wurde sein Beitrag zur griechischen Identität posthum anerkannt: Sein Konterfei zierte die 20-Drachmen-Münze, und sein Geburtshaus auf Zakynthos wurde in ein Museum umgewandelt, das seinem Erbe gewidmet ist.​ Dionysios Solomos verstarb am 9. Februar 1857 auf Korfu. Sein literarisches Schaffen bleibt ein leuchtendes Beispiel für die Verschmelzung von nationaler Identität und künstlerischem Ausdruck und erinnert uns daran, wie Worte die Seele einer Nation formen können.​ (pv)

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