Das Osterfest ist das höchste Fest im griechisch-orthodoxen Kirchenjahr und wird mit einer Vielzahl an tief verwurzelten Bräuchen und Riten gefeiert. Diese Traditionen spiegeln den reichen kulturellen und spirituellen Hintergrund der orthodoxen Christen wider und ziehen sich durch die gesamte Fastenzeit bis hin zu den Höhepunkten der Osterfeierlichkeiten.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Tradition & Religion – Die Vorbereitungen für das Osterfest beginnen bereits 40 Tage zuvor mit dem Beginn der Großen Fastenzeit, auch „Megali Tessarakosti“ genannt. Diese Fastenzeit dient der spirituellen Reinigung und der inneren Einkehr. Gläubige verzichten auf tierische Produkte, Alkohol und in vielen Fällen auch auf Öl und nehmen stattdessen einfache Mahlzeiten zu sich. Die Fastenzeit ist nicht nur eine Zeit der Entsagung, sondern auch der intensiven Gebete und regelmäßigen Kirchenbesuche.
Die Karwoche, die Woche vor Ostern, ist besonders bedeutsam und reich an Ritualen. Am Gründonnerstag, auch „Megali Pempti“ genannt, gedenken die Gläubigen des letzten Abendmahls Jesu. An diesem Tag werden traditionelle Osterbrote, „Tsoureki“, gebacken und Eier rot gefärbt, die das Blut Christi symbolisieren.
Am Karfreitag, „Megali Paraskevi“, wird der Tod Jesu betrauert. In einer feierlichen Prozession wird der „Epitaphios“, ein reich geschmücktes Tuch, das den Leichnam Christi darstellt, durch die Straßen getragen. Die Gläubigen folgen der Prozession in stiller Andacht und gedenken der Passion Christi.
Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Mitternachtsmesse am Karsamstag. In der Kirche wird das „Heilige Licht“ entzündet und von Kerze zu Kerze weitergegeben, bis die ganze Kirche in einem warmen, festlichen Glanz erstrahlt. Um Mitternacht verkündet der Priester die Auferstehung Christi mit den Worten „Christos Anesti“ (Christus ist auferstanden), worauf die Gemeinde antwortet „Alithos Anesti“ (Er ist wahrhaftig auferstanden).
Ein tief symbolisches Ritual ist das Anbringen eines Aschekreuzes an der Haustüre. Dieses Brauchtum variiert regional und ist nicht überall im griechisch-orthodoxen Raum verbreitet, dennoch hat es eine tiefe spirituelle Bedeutung. Die Asche für das Kreuz stammt oft aus verbrannten Palmzweigen, die während des Palmsonntags geweiht wurden. Diese Asche wird zu einem Kreuz geformt und an der Tür angebracht, um das Haus und seine Bewohner zu segnen und zu schützen. Das Aschekreuz erinnert die Gläubigen an ihre Vergänglichkeit und die Notwendigkeit der Buße und Umkehr. Eine andere Möglichkeit ist das Kreuz mit der Flamme der Osterkerze anzubringen. Es symbolisiert die Reinigung und das neue Leben, das durch die Auferstehung Christi ermöglicht wird.
Am Ostersonntag und den darauf folgenden Tagen versammeln sich Familien und Freunde zu festlichen Mahlzeiten. Das Osterlamm, das traditionell am Spieß gegrillt wird, ist das zentrale Gericht dieser Feier. Die roten Ostereier werden in einem Spiel namens „Tsougrisma“ verwendet, bei dem zwei Personen ihre Eier gegeneinander schlagen und versuchen, das Ei des anderen zu zerbrechen. Das Ei, dessen Schale unversehrt bleibt, bringt seinem Besitzer Glück für das kommende Jahr.
Das griechisch-orthodoxe Osterfest ist eine tief bewegende Zeit voller Rituale und Bräuche, die den Glauben und die Gemeinschaft stärken. Das Aschekreuz an der Türe ist ein kraftvolles Symbol der spirituellen Reinigung und des Schutzes, das die Gläubigen daran erinnert, dass in der Auferstehung Christi Hoffnung und neues Leben liegen. Diese Traditionen, ob groß oder klein, verbinden die Gläubigen und tragen die Botschaft der Auferstehung in die Welt hinaus. (mv)





