Atalanti: Die stille Wächterin des Golfes von Euböa

Inmitten des azurblauen Wassers des Golfs von Euböa erhebt sich die unbewohnte Insel Atalanti, auch bekannt als Atalantonisi oder Talantonisi.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos

Geschichte/Reisen – Mit einer Länge von etwa 2,05 Kilometern und einer Breite von bis zu 1,2 Kilometern erstreckt sie sich östlich des Küstenortes Skala. Drei sanfte Hügel prägen ihr Profil, wobei der zentrale Gipfel eine Höhe von 123 Metern erreicht. In unmittelbarer Nähe, nur rund 150 Meter nördlich, liegt das kleine Eiland Agios Nikolaos, benannt nach der dort errichteten Kirche zu Ehren des Heiligen Nikolaus. Westlich von Atalanti befindet sich Prasonisi, die „grüne Insel“, die in etwa 140 Metern Entfernung ruht.​

Der Name Atalanti wurzelt tief in der griechischen Mythologie und ehrt die legendäre Jägerin Atalante. Bereits seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. trägt die Insel diesen Namen. Es wird vermutet, dass entweder die nahegelegene Stadt Atalanti der Insel ihren Namen verlieh oder umgekehrt.​

Die Geschichte Atalantis ist reich an bedeutenden Ereignissen. Während des Peloponnesischen Krieges im Jahr 431 v. Chr. errichteten athenische Truppen eine Festung auf der Insel, um die mit Sparta verbündete Stadt Opus zu kontrollieren und Piratenüberfälle auf Euböa zu verhindern. Doch bereits 426 v. Chr. zerstörte ein verheerendes Erdbeben diesen Stützpunkt und trennte die einstige Halbinsel vom Festland. Historiker wie Strabon berichten, dass Atalanti dabei in zwei Teile gespalten wurde, möglicherweise entstand in dieser Zeit das benachbarte Prasonisi. Ein Tsunami, ausgelöst durch das Beben, soll eine Triere über die Befestigungsmauern geschleudert haben, was die Gewalt der Naturkatastrophe unterstreicht.​

Im Verlauf der Jahrhunderte diente Atalanti immer wieder als strategischer Punkt und Zufluchtsort. Während der Griechischen Revolution 1821 suchten Freiheitskämpfer Schutz auf der Insel. Doch auch hier blieben sie nicht verschont: 1824 landete die osmanische Flotte, zerstörte die Behausungen und nahm zahlreiche Flüchtlinge gefangen.​

Die Flora und Fauna Atalantis sind bemerkenswert vielfältig. Seit 1977 wurden gezielte Maßnahmen ergriffen, um das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen und bestimmte Tierarten anzusiedeln. Heute dominieren Olivenbäume und Pistazien die Vegetation, während kretische Wildziegen, Fasane, Rebhühner, Kaninchen und verschiedene Singvögel die Insel beleben. In den umliegenden Gewässern zeugen mehrere Fischfarmen von der wirtschaftlichen Nutzung der maritimen Ressourcen.​ (jk)

Foto: Karentzos83, CC BY-SA 3.0, wikimedia.org