Rund 30.000 Schallplatten, seltene Sammlerstücke und die Erinnerung an eine Ära, in der Musik noch gemeinsam zelebriert wurde: Alexandros Papadopoulos hält mit seinem Intris Center in der griechischen Hafenstadt Volos eine besondere Kultur am Leben. Seit fast fünf Jahrzehnten dreht sich hier alles um Vinyl.
Von HB-Redakteur Vangelis Makris
Volos – Wer durch die Straßen von Volos schlendert und an der Ecke Sokratous und Topali stehen bleibt, begegnet einem Stück Musikgeschichte. Zwischen Schallplatten, alten HiFi Geräten und dem unverwechselbaren Charme vergangener Jahrzehnte führt Alexandros Papadopoulos sein Intris Center. Es ist das letzte reine Schallplattengeschäft in ganz Thessalien. Während Musik heute meist mit wenigen Fingertipps verfügbar ist, setzt Papadopoulos weiterhin auf ein Medium, das Zeit, Aufmerksamkeit und manchmal auch ein wenig Geduld verlangt.
Die Geschichte des Geschäfts beginnt am 20. März 1978. Damals, mit gerade einmal 23 Jahren und frisch aus dem Militärdienst zurückgekehrt, verwirklichte Papadopoulos seinen Traum vom eigenen Plattenladen. Seine Begeisterung für Musik hatte allerdings schon Jahre zuvor begonnen. Als Jugendlicher lauschte er den Radiosendungen des griechischen Musikjournalisten Yannis Petridis über ein kleines Transistorradio. Aus dieser frühen Faszination wurde eine Leidenschaft, die sein Leben bis heute bestimmt.
Die ersten Jahre waren geprägt von einer Musikkultur, die sich grundlegend von der heutigen unterscheidet. Nach Schulschluss versammelten sich Jugendliche vor dem Geschäft, um die neuesten Alben ihrer Lieblingsinterpreten zu hören. Manche warteten geduldig darauf, eine Platte zum ersten Mal abspielen zu können, andere sparten auf den Kauf des begehrten Albums. Für Papadopoulos sind es Erinnerungen an eine Zeit, in der Musik Menschen zusammenbrachte und ein neues Album weit mehr bedeutete als eine weitere Veröffentlichung.
Wie tief das Intris Center einst im Alltag der Stadt verwurzelt war, zeigt ein Blick zurück auf das Jahr 2000. Damals gab es in Volos noch 15 Plattenläden. Heute ist Papadopoulos derjenige, der geblieben ist. Die Jalousien seines Geschäfts blieben oben, obwohl sich die Branche grundlegend verändert hat. Seinen Durchhaltewillen verdankt er nach eigenen Worten vor allem seiner Liebe zur Musik.
Seit 2018 befindet sich das Geschäft an seinem heutigen Standort an der Ecke Sokratous und Topali. Der Umzug änderte nichts an seinem Anspruch, Musikfreunde mit Neuerscheinungen ebenso wie mit älteren Veröffentlichungen zu versorgen. In den Regalen und Sammlungen finden sich rund 30.000 Schallplatten, darunter seltene Pressungen und Stücke, nach denen Sammler mitunter lange suchen. Zum Angebot gehören außerdem CDs, Lautsprecher, Verstärker, Tonabnehmer und weiteres Zubehör für die Musikwiedergabe.
Hier geht es nicht allein darum, Musik zu kaufen, sondern auch darum, Veröffentlichungen zu entdecken, Hintergründe zu erfahren und ein Gespür für die Geschichte hinter den Aufnahmen zu entwickeln. Papadopoulos beschränkt sich dabei keineswegs auf den Verkauf. Das Intris Center ist auch eine Anlaufstelle für Menschen, die alte Audiogeräte erhalten möchten. Die Reparatur und Wartung historischer Geräte, insbesondere von Plattenspielern, gehören zu den wichtigen Aufgaben des Geschäfts. Damit bleibt technisches Wissen erhalten, das in einer Zeit schnell wechselnder Elektronik leicht verloren gehen könnte.
Auch Schüler und Studenten finden hier Unterstützung. Wer sich im Rahmen einer Ausbildung, eines Studiums oder einer Prüfung mit Musik, ihren Entwicklungen oder der passenden technischen Ausstattung beschäftigt, kann im Laden Informationen einholen. Hinzu kommen Kontakte zu Plattensammlern, vor allem aus Athen und Thessaloniki, mit denen Papadopoulos zusammenarbeitet. Sie helfen dabei, das Sortiment lebendig zu halten und auch ungewöhnliche Wünsche zu erfüllen.
Dass das Intris Center weit über die Grenzen der lokalen Sammlerszene hinaus bekannt ist, zeigen die Namen prominenter Besucher. David Gilmour von Pink Floyd gehörte ebenso dazu wie bedeutende Vertreter der griechischen Musik, darunter Stratos Dionysiou, Stelios Kazantzidis und Vasilis Tsitsanis. Für einen Laden, der sich seit Jahrzehnten einer besonderen Leidenschaft verschrieben hat, sind solche Begegnungen Teil einer bemerkenswerten Geschichte.
In Volos bewahrt Alexandros Papadopoulos damit mehr als eine Sammlung aus schwarzen Scheiben. Er hält Erinnerungen an eine andere Art des Musikhörens wach und gibt sein Wissen an Menschen weiter, die Musik nicht nur nebenbei konsumieren wollen. Im Intris Center bekommt jede Platte die Gelegenheit, ihre Geschichte zu erzählen. Und solange die Tür geöffnet ist, bleibt dieser Ort ein Treffpunkt für alle, die den Klang der Vergangenheit auch in der Gegenwart nicht missen möchten. (mav)





