Zum dritten Jahrestag des 7. Oktober 2023 forderten linke Gruppen, Studierende und Gewerkschaften in der griechischen Hafenstadt Volos ein Ende der Besatzung und einen Stopp der militärischen Zusammenarbeit mit Israel. Auch die Rolle Griechenlands und der NATO steht in der Kritik.
Von HB-Redakteur Vangelis Makris
Volos – Drei Jahre nach den Angriffen der Hamas und dem Beginn des darauffolgenden israelischen Krieges im Gazastreifen ist die Lage in Palästina erneut Anlass für Proteste in der griechischen Hafenstadt Volos. Rund um den 7. Oktober 2026 mobilisierten lokale linke Gruppierungen, Studierendenorganisationen, Basisgewerkschaften und antifaschistische Initiativen zu Demonstrationen und Solidaritätsaktionen. Im Mittelpunkt standen die Forderung nach einem Ende der Gewalt im Gazastreifen und der israelischen Besatzung sowie die Kritik an der militärischen Zusammenarbeit Griechenlands mit Israel.
Die Mobilisierung richtete sich nicht allein gegen die israelische Regierung, sondern auch gegen die Unterstützung Israels durch westliche Staaten und die Rolle der griechischen Regierung innerhalb der NATO.

Bei einer von lokalen Organisationen und Gewerkschaften getragenen Demonstration standen insbesondere die politischen und militärischen Beziehungen zwischen Athen und Tel Aviv im Fokus. Die Initiativen verlangen ein Ende der militärischen Kooperation, die Kündigung entsprechender Abkommen und den Verzicht auf logistische Unterstützung für Einsätze im Nahen Osten.
Kritisch sehen die Aktivisten dabei auch die militärische Infrastruktur Griechenlands. Sie verweisen auf Einrichtungen in der Region Thessalien, darunter den Luftwaffenstützpunkt bei Larisa, sowie auf die strategische Bedeutung des Hafens von Volos. Die Gruppen fordern, dass griechische Einrichtungen nicht für militärische Operationen genutzt werden, die den Krieg in der Region unterstützen könnten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die geplante beziehungsweise vertiefte Rüstungskooperation mit Israel. In ihren Aufrufen wenden sich die Organisationen gegen das als „Achilles-Schild“ bezeichnete Verteidigungsprojekt, das nach ihren Angaben mit umfangreichen Investitionen und der Beteiligung israelischer Rüstungsunternehmen verbunden ist. Sie fordern die Aufkündigung des Abkommens und eine politische Neuorientierung.
Unter dem Motto „Arbeit statt Bomben“ verbinden die Protestierenden ihre außenpolitischen Forderungen mit sozialpolitischer Kritik. Geld, das in Rüstung und militärische Bündnisse fließe, solle stattdessen dem öffentlichen Gesundheitswesen, den Schulen und sozialen Einrichtungen zugutekommen. Angesichts von Sparmaßnahmen und finanziellen Belastungen vieler Haushalte sei es nicht hinnehmbar, öffentliche Mittel für neue Rüstungsprojekte bereitzustellen, während soziale Dienstleistungen unter Druck stünden.
Die Demonstrationen stehen im Zusammenhang mit internationalen Solidaritätsaktionen zum Jahrestag des 7. Oktober 2023. An diesem Tag durchbrachen Hamas und weitere bewaffnete palästinensische Gruppen die Grenzanlagen zwischen dem Gazastreifen und Israel, töteten zahlreiche Menschen und verschleppten Geiseln. Die Angriffe lösten den bis heute folgenreichen Krieg aus, in dessen Verlauf der Gazastreifen massiv zerstört wurde und eine große Zahl palästinensischer Zivilisten ums Leben kam.
Die Veranstalter der Proteste betonen, dass die Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts nicht auf die Ereignisse des Jahres 2023 reduziert werden könne. Sie verweisen auf die Vertreibung vieler Palästinenser seit 1948, die jahrzehntelange Besatzung und den fortdauernden Konflikt um Land, politische Rechte und nationale Selbstbestimmung.
Ihre Forderungen umfassen ein Ende der israelischen Militäroperationen, den Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung, ein Ende von Besatzung und Vertreibung sowie die Anerkennung eines unabhängigen palästinensischen Staates. Zugleich fordern einige der beteiligten Gruppen ausdrücklich Solidarität mit dem palästinensischen Widerstand. Diese Position ist innerhalb der Solidaritätsbewegung politisch umstritten, insbesondere wenn sie die Angriffe auf israelische Zivilisten und die Geiselnahmen nicht klar verurteilt.
Für die Organisatoren ist Palästina kein außenpolitisches Thema, das allein auf diplomatischer Ebene verhandelt werden sollte. Sie sehen einen direkten Zusammenhang zwischen den Kriegen im Nahen Osten, den internationalen Militärbündnissen und den politischen Entscheidungen in Griechenland. In ihren Aufrufen kritisieren sie insbesondere die Vereinigten Staaten, die NATO und die Europäische Union wegen ihrer politischen, militärischen oder wirtschaftlichen Beziehungen zu Israel.
Ein Teil der beteiligten Organisationen geht über die Forderung nach einem Ende der militärischen Kooperation hinaus und verlangt die Schließung ausländischer Militärbasen sowie einen Bruch Griechenlands mit den militärpolitischen Vorgaben der NATO. Andere Forderungen richten sich auf die europäische Außenpolitik und die Frage, welche wirtschaftlichen und diplomatischen Konsequenzen aus der Lage in Gaza gezogen werden sollten.
Mit Parolen wie „Freiheit für Palästina“ und „Freiheit für den Libanon“ wollen die Initiativen ihre Solidarität auf weitere Konfliktregionen ausweiten. Sie verstehen ihre Aktionen als Teil einer internationalen Bewegung gegen Krieg, Besatzung und Aufrüstung. Die zentrale Botschaft der Protestierenden lautet: Ein dauerhafter Frieden sei ohne politische Rechte und Sicherheit für die palästinensische Bevölkerung nicht möglich. Ein Waffenstillstand allein reiche nicht aus, solange die grundlegenden Ursachen des Konflikts ungelöst blieben. (mav)





